Queer as Folk - Episode 3.06

Nach Unten

Michael öffnet seine Augen – Ben liegt nicht neben ihm. Lautlos steht er auf und schleicht aus dem Schlafzimmer heraus, durch das Wohnzimmer, wirft einen Blick ins Bad... und sieht Ben, der sich eine Spritze in den Hintern gibt. Er erzählt Brian auf dem Weg ins Babylon, dass er sich beim Spionieren nicht nur beinah etwas wichtiges abgefroren hätte, nein, er würde auch denken, dass Ben Steroide benutzt. Brian meint, dass das ein kleiner Preis für einen perfekten Körper sei, und Michael erwidert frustriert, er würde ihm nicht helfen – Ben sei auch ständig nur noch im Fitnessstudio... vor dem Club treffen sie Ted und Emmett, die sich tot frieren. Wegen der mit Überdosis überführten Jugendlichen der letzten Tage stehen zwei Polizisten vor dem Eingang, die jeden auf Drogen filzen. Die Schlange ist dementsprechend lang, und Emmett sagt, dass Brian seinem Freund Jim Stockwell dafür danken könne, doch den scheint das nicht zu stören, denn er hat einen Gästepass! Leider nur für einen Gast, und er nimmt Michael in den Arm und zieht ihn mit hinein, wärend Emmett an der Reihe ist, durchsucht zu werden.

Ethan und Justin liegen gemeinsam in der Badewanne, der Inbegriff eines liebevollen Paares: Justin liegt in Ethans Armen, der ihn fest umschlossen hält, als das Telefon auf einmal klingelt. Ethan hört für einige Moment zu, dann flippt er aus: „Das kann nicht dein Ernst sein!“ Als er auflegt, küsst er Justin und platscht enthusiastisch auf das Wasser! Ein Violinist eines Konzerts in Harrisburg hatte einen dreifachen Bypass! „Oh mein Gott, wie furchtbar“, antwortet Justin niedergeschlagen, aber Ethan widerspricht: Das seien die besten Neuigkeiten der Welt! Denn Glen habe ihn, den zweitplatzierten des Heifitz-Wettbewerbs, als Ersatz vorgeschlagen, „...und sie haben ja gesagt!!“ Beide könnten sich nicht mehr freuen, das wird sein erster richtiger Auftritt. Es täte Ethan nur so Leid, dass Justin nicht dabei sein kann, doch der meint lediglich etwas niedergeschlagen, dass sein Agent durchdrehen würde. Die Traurigkeit hält jedoch nicht an, denn Ethan hat ein Geschenk für Justin: Aus einem kleinen Kästchen holt er zwei silberne Ringe. Sie seien nicht besonders teuer gewesen, aber der Ladenbesitzer habe ihm geschworen, dass sie einzigartig wären; er dachte, dass sie so einen Weg hätten, zusammen zu sein, auch wenn er nicht da ist. Justin lächelt, während sie sich die Ringe gegenseitig anstecken und Ethan ihn dann wieder mit einem sanften Kuss in die Arme nimmt.

Jim Stockwell und seine beiden Ratgeber sitzen in Brians und Vances Büro und führen den beiden den bisher entwickelten Werbespot für die Kandidatur des Bürgermeisterkandidaten vor: Ein Video, in dem ein Foto von Jim Stockwell in seiner Polizeiuniform mit den gesprochenen und geschrieben Worten „Citizien“ (Bürger), „War Hero“ (Kriegsheld), „Cop“ (Polizist) und „Chief of Police“ (Polizeipräsident) unterlegt wird: „Sie können nachts schlafen, wenn er Bürgermeister ist.“
Während seine beiden Ratgeber sehr zufrieden mit dem Band zu seien scheinen, sagt Brian überhaupt nichts, bis Stockwell ihn nach seiner Meinung fragt. Und Brians Meinung ist: Wenn er nachts ruhig schlafen würde wollen, dann könnte er eine Schlaftablette nehmen ... oder schaue sich diesen Werbespot an. Vance versucht, das etwas milder zu formulieren, doch Brian lässt sich nicht beirren: „Es ist zum kotzen langweilig.“ Zwar haben seine treuen Anhänger den Werbespot gut aufgenommen, aber deren Stimmen habe Stockwell doch schon im Sack. Was sei mit den Unentschlossenen? Während Jim Stockwell und seine Berater das Büro verlassen folgt Brian ihnen und stellt dem Polizeipräsidenten einige Fragen: Treibt er Sport? Hat er Kinder? Hobbies? Der Punkt ist, damit kann Brian sich identifizieren, damit kann jeder sich identifizieren. Aber wer wird schon auf einen steif wirkenden Mann in einer Uniform eingehen? Vance bittet Brian um einen gemäßigten Ton, doch Stockwell widerspricht: Er habe nichts gegen die Wahrheit, obwohl Brian sie wie eine Feuerwaffe einsetze. Trotz allem glaube er, dass Brians Vorschläge eine zu radikale Veränderung seiner Kampagne sein würde. Gerade als die Fahrstuhltür sich schließt, hält Brian eine Hand dazwischen: So wie es aussehe, habe Stockwell ja nichts zu verlieren... „nur die Wahlen.“

Im Diner ist Emmett fleißig dabei, ihr neues Haus auszustatten: Mehr Tigerfell, mehr schrilles Pink, mehr Regenbogen! Lindsay und Melanie betrachten seine Pläne mit weniger Begeisterung. Sie raten den beiden, etwas unauffälliger zu sein: Sie würden immerhin nicht mehr im schwulen Ghetto leben, sondern in einer konservativeren Gegend. Vielleicht sollten sie eher dazu passen, wie zum Beispiel Melanie und Lindsays Haus. Emmett kann kaum glauben, dass Lesben ihm Einrichtungstipps geben wollen während Ted sagt, dass diese Haus Ems persönliches Projekt sei und er damit tun könne was ihm gefalle. Sie verscheuchen die beiden Frauen, gerade als Debbie sich an ihren Tisch setzt. Sie hätten das nicht von ihr – und sie nicht von ihrem Polizisten-Freund – aber ein gewisser Polizeipräsident würde sicher bald Razzien in Unternehmen durchführen, die sich mit Sex beschäftigen: Also auch Teds Website. Der beruhigt Debbie, er habe alles doppelt und dreifach kontrolliert, doch die warnt ihn trotzdem eingehend: Wenn sie etwas finden wollen, dann können sie das auch! Und das hätten sie alles nur Brian Kinney zu verdanken, der gerade das Diner betritt und das an sich abprallen lässt. Als Justin am Tresen sein Geld entgegen nimmt entdeckt Brian den Ring und Justin sagt auf Brians fragen, dass er von Ethan ist. „Wie romantisch.“ Justin antwortet, dass Brian einen Scheiß über Romantik wissen würde, und möchte ihm sein Wechselgeld geben, doch Brian lehnt ab. Es sei zwar viel Trinkgeld, aber er könne Ethan ja einen Strauß Blumen kaufen! Das würde ihn sicher freuen! Immer noch grinsend geht er.

Der inzwischen noch muskulösere Ben spaziert mit freiem Oberkörper durch ihre Wohnung und umarmt Michael von hinten, der am Computer sitzt. Michael löst sich jedoch sofort und holt einige frisch gedruckte Seiten aus dem Drucker. Er drückt sie Ben in die Hand. „Research. Für dich.“ Ben liest nur den Titel: „Steroide.“ Michael sagt ihm, dass er ihn gesehen hat, und wenn er nicht drogenabhängig ist, dann werden die Spritzen wohl dieses Zeug enthalten haben. Ben fragt ihn gereizt, ob er ihm etwa nachspionieren würde. „Nachspionieren? Wir wohnen zusammen, wie hätte ich es nicht bemerken können?!“ Ben setzt sich auf das Sofa und zappt durch die Kanäle, während Michael ihn fragt, ob sein Doktor es verschrieben habe, wie er denn sonst daran komme, doch er erhält nur einsilbige Antworten. Ben meint, dass es nichts besonderes sei, viele würden sie nehmen, um das Dahinschwinden ihres Körpers aufzuhalten. Michael antwortet, dass Ben das doch gar nicht tun würde. „Noch nicht“, erwidert dieser. Er habe sich auch sehr gut mit den Nebenwirkungen auseinandergesetzt, er können nämlich selber lesen! „Dann hätten wir wenigstens mal darüber reden sollen!“, antwortet Michael. Ben schweigt kurz, dann steht er auf und spricht mit ruhiger Stimme: Bis jetzt würden die Vorteile doch die Nachteile ausstechen, oder? Dabei zeigt er seinem Partner seinen Körper in all seiner Pracht, und als er Michaels Hand dann auf seinen Schritt legt, Michael scherzhaft fragt, ob die Steroide dem etwa auch helfen würden und Ben ihn dann zu sich zieht und küsst, ist Michael überredet.

Jim Stockwell spielt Basketball mit einigen Jugendlichen, während Brian und ein Team ihn aus allen Blickwinkeln filmt und präsentiert. Dann stellt sich der Polizeipräsident vor die Kamera, der Ball immer noch unter seinem Arm, und fängt an zu reden. Er sei Trainer des Basketballteams seines Sohnes... während er darüber spricht, dass er Pittsburgh wieder familienfreundlich machen will, beobachtet Brian ihn ganz genau und sagt dem Kameramann hastig, dass er auch nach dem Cut noch weiterfilmen soll... und erwischt doch glatt eine Aufnahme davon, wie Jim Stockwell sein Shirt hebt um sich den Schweiß vom Gesicht zu wischen und so seinen durchtrainierten Oberkörper zeigt. Wenn er es nicht besser wüsste, sagt Brian kurze Zeit später grinsend zu Stockwell, würde er fast glauben, Jim sei Tom Cruise.

Wie beim Militär steht die gesamte Arbeiterschaft von jerk-at-work.net in Reih und Glied (im wahrsten Sinne des Wortes) und beantwortet im Chor Teds Fragen, während dieser ruhig, wie ein General, mit Eddi an der Seite, an seinen Arbeitern vorbeiläuft. Haben alle einen gültigen Personal Personalausweis? „Ja, Sir!“ Ist jemand ein verurteilter Verbrecher? „Nein, Sir!“ Irgendwelche illegalen Drogen auf dem Gelände? „Nein, Sir!“ Ausgezeichnet. Beruhigt und zuversichtlich schickt Ted seine Männer wieder an die Arbeit und wendet sich dann Eddi zu. Feueralarm, Spränkler, Rollstuhl-Rampe, Toiletten - alles den Vorschriften entsprechend. Einfach alles ist perfekt und wird von Eddi immer wieder bestätigt. „Tchia dann, Eddi.“, sagt Ted, „würde ich sagen, wir haben nichts, worüber wir uns Sorgen machen müssten.“ Jedes Detail wurde doppelt und dreifach gecheckt – sollen sie doch kommen und inspizieren!

Ethan wird in seiner Wohnung von einer Frau interviewet. Sie fragt ihn, wie er sich fühlt, wenn er an das anstehende Konzert denkt: Ängstlich? Selbstsicher? Aufgeregt? „Auf jeden Fall alles drei“, antwortet er. Sie fragt ihn, wie er auf einmal zu solch plötzlichem Erfolg kam, während er letzte Woche noch an Straßenecken spielte, und er schenkt ihr ein charmantes Lächeln und ein linkisches Schulterzucken. Da geht die Tür auf, Justin und Daphne kommen herein, halten jedoch schlagartig an. Ethan gerät kurz ins Stottern, dann stellt er Justin als seinen Cousin und Daphne als Justins feste Freundin vor; sie würden ab und zu gerne seine Wohnung benutzen, aber jetzt sei gerade besetzt, „also warum kommt ihr nicht später wieder?“ Justin schaut kurz zu der Frau, dann zieht er Daphne aus der Wohnung. Ethan entschuldigt sich bei der Reporterin für die Unterbrechung, die sagt, dass das kein Problem sei, und ihre nächste Frage stellt: Habe er eine feste Freundin? Ethan lächelt wieder, etwas schüchtern, etwas sexy, und antwortet: „Ich ziehe es vor, nicht darüber zu reden.“ „Das heißt meistens ‚ja’“, antwortet die Frau, und beide lachen.

Daphne und Justin sitzen währenddessen rauchend am Bordsteinrand, und Daphne ist definitiv genervt. Sie fragt, was das sollte, und nachdem Justin ihr erzählt hat, scheint ihre Sympathie für Ethan noch weiter zu sinken. Brian sei vielleicht nicht alles gewesen, was Justin wollte, aber wenigstens habe er nie gelogen, oder Justin dazu gezwungen, für ihn zu lügen. Das musste er ja auch nicht, erwidert Justin, es hing nicht seine gesamte Karriere davon ab. Daphne fragt Justin: „Du bist fast gestorben als du dich geoutet hast, wie kannst du dich wieder verstecken?!“ „Ich will nicht darüber reden.“ „Aber es ist beschissen unfair von ihm, von dir zu verlangen, jemand zu sein, der du nicht bist!“ „Ich habe gesagt, ich will nicht darüber reden, als kümmere dich um deinen eigenen Scheiß.“ Daphne schüttelt nur den Kopf und zieht an ihrer Zigarette.

Emmett steht in seinem neuen, leeren Wohnzimmer mit einer Farbpalette verschiedener Teppiche und Tapeten in der Hand. Ted meint, er solle sich nicht um Kosten scheren, dies sei kein Investment, sondern ihr Zuhause. Sie küssen sich gerade als Jennifer schwungvoll ins Zimmer kommt und sie die Herren etwas unangenehm berührt doch munter auf ihre Anwesenheit aufmerksam macht. Sie haben soeben mit dem Hausinspektor gesprochen, alles sei bis jetzt in Ordnung. Es klopft an der Tür, also öffnet sie, und wird von einer blonden, molligen Frau, die sie breit angrinst und einen Kuchen in der Hand hält, begrüßt. „Hi, ich bin Sunny!“, ruft sie mit quietschender Stimme. Wegen ihrem Lächeln würde sie schon seit ihrer Geburt Sunny genannt werden, sie wohne direkt neben an. Jennifer antwortet, dass sie schon seit ihrer Geburt Jennifer genannt wird, und ruft dann Ted, den eigentlichen Bewohner des Hauses, sie sei nur die Immobilienmaklerin. Sunny begrüßt Ted freundlich kreischend, lädt ihn am Freitag um sechs zu einer Cocktailparty in ihrem Haus ein, die für jeden neuen Nachbarn veranstaltet werde. Er solle auch bitte Mrs. Schmidt mitbringen... wo sei sie denn? Da meldet sich Emmett. Erst scheint es, als sei Sunny erstarrt, doch dann strahlt sie einfach weiter, „Das ist ja interessant!“, und verkündet, dass Ted und Emmett es hier sehr gefallen werde: Jeder würde auf die Kinder des anderen aufpassen und und und. Sie nicken höflich, nehmen die Einladung und den Kuchen begleitet von einem schrillen Lachen an und verabschieden Sunny, die noch bemerkt, dass ihre Vorbewohner einen ganz exquisiten, orientalisch angehauchten Geschmack gehabt hätten. Das scheint Emmett zu denken zu geben.

Nach dem Essen räumen Debbie, Vic, Ben und Michael gemeinsam den Tisch ab, als auf einmal einer von Debbies Ringen hinter den Kühlschrank fällt! Eine Katastrophe, der Tag ist gestorben, wie könnte Debbie jemals wieder froh werden?! Indem Ben den Kühlschrank einfach mir nichts, dir nichts, von der Wand abrückt, den Ring hervorholt, und ihn wieder an Ort und Stelle zurückschiebt, bevor er Debbie, ein galanter Gentleman, den Ring wieder ansteckt. Die bezeichnet ihn überglücklich als ihren Helden, während Vic und Michael nur bewundernd daneben stehen können. Als Ben kurz den Raum verlässt um sich die Hände zu waschen, fragt Debbie, wie Ben es nur geschafft hat, so viele Muskeln aufzubauen, und Michael erzählt etwas von „Proteinen, Diäten und so“. „Sind bei ‚und so’ auch Steroide eingeschlossen?“, fragt Vic, der es einfach weiß. Debbies Stimmen wird gleich eine Oktave höher, als sie Michael entsetzt fragt, ob Ben dieses Zeug etwa nehmen würde?! Was sei mit den ganzen Nebenwirkungen, den Stimmungsschwankungen, dem Leberrisi—doch Michael unterbricht sie. Das würde sie nichts angehen! Wenn Ben das brauche, dann brauche er das eben.

Brian und Vance führen Jim Stockwell und seinen Beratern ihren Werbespot vor: Ein in blauen Farbtönen gehaltener Zusammenschnitt von Szene, in denen er Basketball spielt und Aufnahmen von ihm, wie er spricht, schnell, unterhaltsam und überzeugend. „Ich bin Jim Stockwell. Polizeitchef und Trainer des Basketballteams meines Sohns.“ Jim Stockwell erzählt, dass er sich noch an die Zeiten erinnern könne, als man seine Kinder noch in den Park schicken konnte, bevor es Sex und Drogen an jeder Ecke gab (Dabei sieht man die Szene als Jim sich den schweiß aus dem Gesicht wischt und eine Nachaufnahme auf seinen Körper) Er, als Vater, würde diese Zeiten gerne wiedersehen. „Wählen Sie mich, und lassen Sie uns Pittsburgh wieder familienfreundlich machen.“ Dann wirft er einen Korb. Es ist perfekt, als Brian das Band stoppt. Seine Berater sind angewidert: Es sei ein Musikvideo, keine politische Kampagne, beinah obszön, wie sein Körper als Sexobjekt verkauft würde. Vance erklärt, dass dahinter eine Strategie stecke, insbesondere, zu welchen Uhrzeiten und auf welchen Sender sie es ausstrahlen würden; Brian ergänzt, dass sie diese wählten, die viel von Frauen in der Zielgruppe der 19-34 Jährigen geschaut werden würden. Jim sagt zu Brian mit einem beinah stoischen Gesichtsausdruck, dass er seinen Spot nehmen wird. Seine Berater erwidern, dass er das nicht tun solle, aber Jim Stockwell möchte es; „aber wenn Sie mich lächerlich machen, dann sind Sie dran.“ Vance antwortet: „Wenn er sie lächerlich macht, gebe ich ihn ihnen persönlich!“

Ted kommt von der Arbeit nach Hause, wo Emmett ihm aus einem anderen Zimmer zuruft, dass er sofort bei ihm sein wird. Nichtsahnend öffnet Ted gerade eine CD, als Emmett dann auch tatsächlich vor ihm steht: In einem ordentlichen Hemd und einem dunklen Pullunder. Ted fallen fast die Augen aus dem Kopf – er lacht. Was solle das sein, will Emmett etwa wieder hetero werden? Oder ist das eine bizarre Form von cross-dressing? Nein, antwortet Emmett, das würde er am Freitag für die Cocktailparty mit den Nachbarn tragen. Außerdem habe er sich auch ein neues Farbschema für das Wohnzimmer ausgedacht: Mocca an den Wänden, Schokoladenbraun als Couchbezug und Tweed Teppich. Ted nickt. Sehr glatt, sehr schön, aber nicht sehr Emmet; was ist mit dem pflaumenfarbigen Teppich, der Erdbeercouch und den Pfirsichwänden? Emmett antwortet zögerlich, dass Melanie und Lindsay vielleicht Recht hatten, sie sollten sich mehr anpassen. Ted fragt ihn erstaunt, wo denn „fuck ’em all“ Honeycutt hin sei? Sein Freund seufzt und erzählt ihm dann von den Häusern in Hazelhurst, wo er als Kind gelebt hat, von dem Viertel in dem die „richtigen“ Leute wohnten. Er wollte immer so sein wie sie, und jetzt, wo es soweit ist, möchte er nicht... „...die Schwuchtel von nebenan sein“, beendet Ted den Satz für ihn, aber da könnten sie gar nichts gegen tun. Sie würden immer die Schwuchteln von nebenan sein, egal, was sie täten. Nur weil sie die Liberty Avenue verlassen müssen sie doch nicht auch ihr Farbschema, ihre Selbstachtung, ihre Würde zurücklassen. Er verschwindet in einem Raum und kehrt mit einem schnittigen, blauen, breitkarierten und mit roten Blumen versehenem Hemd zurück. Das wird Emmett tragen. Und ganz ehrlich, als könne der da widerstehen!

Ben besorgt sich gerade von seinem Kumpel wieder Steroide, als Brian die Umkleide betritt. Er kommt nicht umhin, das Geschäft zu beobachten, kommentiert es jedoch nicht, antwortet aber auch auf Bens Smalltalk-Versuche nur einsilbig. Ben sagt dann schließlich, dass es nicht das war, was er jetzt denkt. Brian erwidert, dass er denkt, dass es genau das war, was er denkt. Mit freiem Oberkörper tritt er näher zu Ben und spricht leiser: Michael hätte ihm gesagt, dass er mit Ben reden würde. Ben nickt, das habe er, und er würde es verstehen. Brian schnaubt. „Ja, das ist unser Mikey. Immer verständnisvoll.“ Ben fährt ihn an, auf einmal wütend, er solle sich um seinen eigenen Kram kümmern! Brian lässt sich nicht beirren und spricht mit leiser, beinah kratziger Stimme weiter: „Wenn es nur du wärest, würde ich das. Aber es ist nicht nur du. Du ziehst ihn mit dir runter—“ ihm bleibt keine Zeit um auszureden, Ben rammt ihn gewaltsam gegen einen der Schränke, sodass das Metall scheppert, beide Hände auf Brians Brust. „Ich werde mir keinen Vortrag von der größten Hure in Pittsburgh anhören! Du hast ein scheiß Glück, dass du kein HIV hast!“ Dann rast er aus der Umkleide. Brian sagt nichts, hat nicht mal einen Laut von sich gegeben, doch verzieht jetzt schmerzhaft das Gesicht.

Ethan küsst sanft Justins Oberkörper, doch er merkt, dass etwas nicht stimmt. Justin streitet zwar ab, dass das Interview ihm etwas ausgemacht habe, obwohl Daphne wirklich verstimmt gewesen sei. Werde es ab jetzt so sein? Immer zu lügen, sich zu verstecken, irgendwelche blöden Spiele zu spielen, und nun gehe Ethan weg... . Doch nur für eine Nacht nach Harrisburg, beruhigt ihn Ethan, es sei doch keine Welttournee. „Das kommt als nächstes“, antwortet Justin, und das wäre ja noch Ethans Traum! Man weiß ja nie, was als nächstes passiert. Es könnte eine Bombe hochgehen und das wär's dann. Aber Ethan hat auch einen anderen Traum ... wenn das hier funktionieren sollte, dann könnten er und Justin dieses wundervolle Leben haben: In einem großen Farmhaus, mit einem Proberaum für ihn und einem Atelier für Justin. Der lacht leise und lehnt die Stirn kurz an Ethan’s, er würde so ehrgeizig träumen, er sei so ein Romantiker... . Ethan flüstert, wie sehr er es hassen wird, dass Justin nicht da sein kann – wie soll er ohne seine Muse auftreten? Er würde doch nur für Justin spielen... . Die beiden küssen sich, und machen dann dort weiter, wo sie aufgehört hatten.

Michael betritt das Loft, um Brian zum Babylon abzuholen, doch der ist noch nicht einmal angezogen – und er will auch nicht gehen! Es dauert natürlich nicht lang, bis Michael eine hässliche Verletzung auf Brian’s linkem Schulterblatt entdeckt. Mit dem könne Brian sich nicht im Babylon zeigen, er wollte doch heute sein neues Oberteil anziehen! Er erzählt ihm, dass Ben ihn praktisch in einen Stinkt gestopft hat, weil er offenbar nicht mochte, was Brian über die Steroide gesagt habe. Michael fragt ihn etwas vorwurfsvoll, wieso er denn überhaupt irgendetwas gesagt habe, und Brian antwortet, dass es für einen Universitätsprofessor und Autor vielleicht nicht so gut sei, wenn er in öffentlichen Umkleiden beim Handeln mit Drogen erwischt wird! Er dachte, dass Michael mit ihm reden würde. Das sagt er bestimmt und eindringlich. Michael antwortet, dass Ben ihm gesagt habe, er müsse dies tun. Brian lacht. Ja, genau. Ben brauche mehr Muskeln ungefähr genauso sehr wie Brian einen zweiten Schwanz. Aber gut, wenn Michael mit offenen Augen und einer Waffe unter seinem Kopfkissen schlafen könne, sei das seine Sache, aber er solle Ben gefälligst von Brian fernhalten!

Justin hilft Ethan, seine ganzen Taschen auf die Straße zu tragen, wo dieser sich ein Taxi ruft und noch einmal alles wichtige überprüft: Zugticket, Zahnbürste, Mischa – und natürlich Justin. Er räumt alles in den Kofferraum, dann zieht er seinen Freund zu sich. Er würde ihn so gerne mitnehmen. „Morgen wirst du doch wieder da sein.“ Ethan küsst Justin, der ihn noch grinsend vor den Paparazzia warnt, die sich ja hinter irgendeinem Fenster verstecken könnten. Als dann tatsächlich ein paar kleine Kinder „bäääh!“ rufen, trennt Ethan sich mit einem überraschten Blick dorthin und lacht dann. Ehtan geht zur Autotür. „Ich werde an dich denken, jeden Schritt des Weges.“ „Ich auch.“ „Du wirst ja auch dabei sein“, antwortet Ethan und wedelt mit dem Ring vor Justins Augen, der lacht. Ethan sei so ein schmalziger Romantiker! „Deswegen liebst du mich!“, ruft der Violinist und steigt ein. Justin schaut dem Taxi nach.

Vance und Brian sind mit Jim Stockwell in einer Bar, wo seine Berater ihn empfangen: Es sei unglaublich, er habe 8 Punkte bei den Umfragen dazu gewonnen! Vance berichtet außerdem, dass sie den ganzen Tag schon wegen dem Werbespot angerufen wurden. Stockwell sagt zu Brian, dass er von Anfang an vollstes Vertrauen in ihn hatte. „Hattest du nicht. Aber du hast es einfach riskiert.“ Er lacht, und Jim schaut ihn ernsthaft eine lange Zeit an. Dann fragt Vance, was Brian als nächstes plant. Der schaut auf den Fernseher, wo gerade seine Werbung läuft, und dann wieder zu Jim Stockwell: „Sorg dafür, dass dein Gesicht in den Nachrichten bleibt, dann sorge ich dafür, dass es auf dem Bildschirm bleibt.“

Ted muss Emmett praktisch zu dem Haus ihrer Nachbarn zerren, der einfach im Gefühl hat, dass etwas heute Abend schief gehen wird. Ted lacht, sein Gefühl habe ihm ja auch gesagt, dass Madonna einen Oscar gewinnen würde. Sie klingeln und werden von Sunnys kreischendem, schrillen Lachen empfangen, die ihre Namen vergessen hat und Emmett für sein wunderschönes Hemd lobt! Sie könne so etwas ja nicht tragen, aber Ted und Emmett als Schwule könnten ja alles anziehen - mit den tollen Körpern! Sie stellt ihnen ihren Mann Dennis vor, der sie fragt, was für einen Drink sie haben möchte. Emmett würde seine rechte Titte—ähm, seinen rechten Arm—für einen Cosmo hergeben, während Ted das nimmt, was alle anderen auch trinken. Einer nach dem anderen stellen sich die benachbarten heterosexuellen Paare vor: Die einen schauen am allerliebsten „Gay as Blazes“, weil sie die Charaktere ja so lieben würde: Schwule hätten genau dieselben Probleme wie sie! „Was für eine Überraschung“, antwortet Emmett. Das nächste Paar lädt sie zu dem Schulmusical ihrer Tochter ein, das folgende zu einem Abendessen. Ihre Cousine sei nämlich eine Lesbe, aber ihr Ehemann kann das noch überbieten: Sein Bruder ist eine „Trannie“, ein Transsexueller. Ted und Emmett sind völlig überrannt von dieser Menge an homosexueller Verwandtschaft, tolerantem Fernsehprogramm, hohen Stimmen und Lachen. Glücklicherweise erscheint da Dennis mit ihren Drinks, und sie stoßen alle auf eine gute Nachbarschaft an!

Als Ethan nach dem Konzert den Empfangssaal gemeinsam mit Glen betritt wird er mit Applaus begrüßt. Für einen Moment ist er völlig überrumpelt, dann fasst er sich und unterhält sich mit seinen Fans, zuerst einem älteren Paar, das ihn nur bewundert und denen er höflich und bescheiden gegenüber tritt. Glen sagt, dass er seine Bewunderer fast so gut wie seine Violine handhabe, und er erwidert, dass er nicht umsonst an Straßenecken gespielt habe. Dann offenbart ihm Glen, dass er einen weiteren Termin in der Tasche hat, jemand hat um ihn gebeten! Der nächste Auftritt ist ihm sicher und Ethan überglücklich! Er wimmelt weitere Fans höflich ab, um sich mit Glen darüber unterhalten zu können, als Justin sich auf einmal aus der Menge löst. Er steht am Fuß der Treppe und Ethan ganz oben, also hat er ihn noch nicht gesehen. Justin versteckt sich mit gesenktem Kopf, bis er sieht, dass Glen verschwunden ist, dann geht er auf die Treppe zu, um zu seinem Freund zu gelangen, doch da stellt sich auf einmal ein süßer junger Mann zu Ethan. Justin hält mitten in der Bewegung inne, beobachtet die beiden genau. Jedes Augenzwinkern, jede Lippenbewegung... mit Horror beobachtet er, wie Ethan mit dem jungen Mann den Saal verlässt, mit einem letzten, prüfenden Blick in die Runde.

Die Party läuft hervorragend. Emmett berichtet von seinen Plänen, gerne ein Partyplaner zu werden, und sofort hat er viele Aufträge in der Hand. Ted lehnt sich zu ihm und flüstert lachend, dass Emmetts dunkle Prophezeiung sich offenbar nicht erfüllen soll, als es an der Tür klingelt. Dort stehen zwei Polizisten, die sich nach Ted Schmidt erkundigen. Verwirrt führt Sunny sie ins Wohnzimmer, wo diese Ted verhaften möchten. „Verhaften?! Wofür?“ „Verführung eines Minderjährigen.“ Die Nachbarn halten entsetzt den Atem an. Angeblich soll Ted bei seiner pornographischen Website einen minderjährigen Mitarbeiter haben, doch das ist unmöglich! Er habe jeden drei- und viermal kontrolliert! Aber Eddy, sein Assistent, würde erst in drei Monaten 18 Jahre alt werden, informieren ihn die Polizisten. Das sei klar auf seiner Geburtsurkunde vermerkt. Ted kann nichts tun, als ihm die Handschellen angelegt werden, denn er dachte, Eddy sei 21! Er ruft nur verzweifelt nach Emmett, der ihre Jacken nimmt, alle Nachbarn zu einem Barbecue einlädt und geht.

Ben übergibt sich in die Toilette ihrer Wohnung und spült dann seinen Mund im Waschbecken aus, während Michael seinen Rücken streichelt und fragt, ob er irgendetwas tun kann. Ben meint, das sei wohl etwas gewesen, was er gegessen habe. „Oder die Steroide.“ Michael sagt ihm, dass sie ihn zerstören. Er könne nicht einfach herumlaufen und Leute verletzen! Ob er Brian nun geschlagen oder geschubst oder zum Bluten gebracht hat sei Michael egal, er könne das nicht einfach so tun! Er verhalte sich wie ein Verrückter! Da steht Ben zornentbrannt von der Couch auf. Oh, jetzt sei er also auch noch verrückt? „Fick dich, Michael!“ „Nicht verrückt, aber manchmal verhältst du dich so!“ Ben schaut Michael an, wirklich wie ein Verrückter. „Du verstehst es einfach nicht. Weil du dieses Ding nicht hast. Du musst niemals einen Handvoll Medizin nehmen, musst dich niemals wundern, wann sie aufhören werden, zu wirken; musst dich niemals wundern, wann eine beschissene Erkältung oder ein Husten dich töten wird, denn für dich ist es nur eine beschissene Erkältung oder ein Husten! Und immer wenn ich die küsse oder dir einen blase oder dich ficke dann habe ich dieses schuldige, nagende Gefühl, dass du dich auch infizieren wirst! Manchmal denke ich...!“ „Was?“ Tränen glitzern in Michaels Augen, doch er lässt sich davon nicht beirren: „Was denkst du manchmal?“
„Dass es einfacher wäre, mit jemandem zusammen zu sein, der auch HIV hat.“

Justin sitzt allein und niedergeschlagen vor einem Glas Whisky im Woody’s. Brian beobachtet ihn eine Weile, dann gesellt er sich zu ihm. Er bietet ihm an, ihm einen Drink zu spendieren, doch Justin lehnt ab. Brian zündet sich eine Zigarette an und fragt, wo Justins Verlobter sei. „Spielt irgendwo.“ Brian nickt, und tippt dann auf Justins Ring. „Zum Glück hast du ja den hier.“ Dann steht er auf und geht wieder. Justin entzündet ein Streichholz und beobachtet, wie es abbrennt. Immer weiter und weiter... .


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