Queer as Folk - Episode 3.07

Nach Unten

Brian liegt scheinbar teilnahmslos auf seinem Sofa, während ein Typ seine Brust hinunterküsst und seinen Schwanz in den Mund nimmt und im Hintergrund ein Porno läuft, der in einem Gerichtssaal spielt. Zur selben Zeit diskutiert Melanie als Teds Anwältin mit der Richterin und dem Staatsanwalt im Gericht, dass 100.000 Dollar Kaution doch sehr harsch und übertrieben sei. Es sei klar bewiesen, dass Mr. Schmidt sein ganzes Leben lang ein gesetzestreuer Steuerzahler war, der keine Ahnung davon hatte, dass sein Assistent noch nicht volljährig war. Die Richterin erwidert, dass sie auf keinen Fall zulassen wird, dass Teds Verführung eines Minderjährigen nicht in dem vollen Ausmaß des Gesetzes bestraft werde.

Justin kauft sich einen Kaffee, während Ethan ihm begeistert von seinem Konzert erzählen möchte, doch alles was er sagen will, von seiner Brillianz bis hin zu den Standing Ovations, weiß Justin schon: Er sagt Ethan, dass er bei dem Konzert war, während sie die Straße entlang gehen. „Du... du warst da?“, fragt Ethan erstaunt. „Was hast du gesehen?“ „Dich, und deine Verehrer.“ Ethan meint, dass Justin ihn doch dann hätte retten sollen, doch der erwidert, dass es nicht so aussah, als würde es Ethan etwas ausmachen, als er mit dem süßen Typen abgehauen sei. „Was für ein süßer Typ? Das war nur ein Musikstudent, er wollte sich meine Violine anschauen. Wir haben uns über Unis unterhalten, ich glaube nicht mal, dass er schwul war.“ Justin, bisher kühl und unnahbar, schaut Ethan zweifelnd an. „Wirklich?“ Und Ethan nickt. Wirklich. Fans würden mit ihm flirten wollen, Männer, Frauen, aber das hatten sie doch vorher gewusst. Aber wie auch immer – „du bist der einzige, den ich liebe und der einzige, für den ich spiele.“

Debbie stürzt am Morgen in ihr Badezimmer, weil sie ein ganz dringendes Geschäft zu erledigen hat. Sie entschuldigt sich bei dem zugezogenen Duschvorhang, hinter dem das Wasser läuft, und wo sie natürlich Vic vermutet. Debbie schlägt die Zeitung auf und erkennt Ted! „Scheiße, Vic, sie haben Ted verhaftet!“
Keine Reaktion von hinter dem Duschvorhang. „Vic? Vic?!“ Da zieht sich der Vorhang auf einmal zurück und ein fremder Mann steht nackt in Debbies Dusche! Sie kreischt, er auch, bedeckt sich hastig mit dem Duschvorhang als auch schon Vic im Bademantel herbeieilt und Debbie den Fremden vorstellt: „Hey Schwesterherz, ich sehe, du hast Rodney schon kennen gelernt.“

Jim Stockwell, seine beiden Berater und Brian spazieren über die Liberty Avenue; Stockwell zeigt Brian den Artikel, in dem über Teds Verhaftung berichtet wird. Das habe ihm nicht nur einige Stimmen mehr bei den Umfragen eingebracht, sondern auch noch etwas gutes bewirkt: Eine Pornoseite weniger, über die seine Kinder stolpern könnten. Habe Brian Kinder? „Ja, einen Sohn“, antwortet dieser nach einer kurzen Pause. Er zeigt keine Regung, auch nicht, ob ihn die Nachricht von Teds Verhaftung schockiert hat. „Dann machst du dir doch sicher auch Sorgen darum, dass er auf einer Seite wie die von diesem Abschaum Schmidt landen könnte?“, fragt Stockwell. Erneut eine kleine Pause, Brian drückt Stockwell die Zeitung wieder in die Hand und erwidert: „Er ist erst zwei.“ Alle lachen, bevor sie sich auf der Liberty Avenue umschauen: Es sei ein Ort des Schmutzes, Sexclubs, Saunen, ein Brutplatz für jedwede sexuell übertragbare Krankheit. „Aber mit deiner Hilfe“, sagt Stockwell und sieht Brian eindringlich an, „werden wir sie säubern.“ „Und währenddessen die Wahlen gewinnen“, fügt seine Ratgeberin hinzu. Bevor sie sich verabschieden lädt Jim Stockwell Brian noch zu einer Runde Squash am folgenden Tag ein. Ein schwules Pärchen schaut Brian vorwurfsvoll an... dieser beißt sich auf die Lippe, und geht dann allein weiter.

Ben fickt Michael als er plötzlich innehält; Michael fragt ihn, ob alles in Ordnung sei, ist er gekommen?, doch Ben verneint, Gott sei dank nicht! Er glaubt, dass das Kondom gerissen ist. Michael starrt ihn an, dann schlingt er beide Hände fest um Bens Rücken und zieht ihn zu sich, während er seine Hüften bewegt. „Ist mir egal.“ „Michael!“ „Nein, es ist mir egal.“ Ben sagt Michaels Namen wieder und wieder, doch er kann sich der—es ist beinah schon eine Attacke—seines Freundes anscheinend nicht erwehren.
Die Szene färbt sich rot und verblasst, weil der verträumte Michael im Diner von Debbie angesprochen wird, die meint, er sähe genauso aus wie damals, als er zwölf Jahre alt war und davon träumte, dass Captain Astro mit ihm wegfliegen – oder ficken – würde. Sie fragt ihn, wo Ben sei, sie habe ihn lange nicht mehr gesehen. Michael zuckt nur mit den Schultern, meint, Ben müsse viel für die Uni tun. Debbie nickt ungläubig, bohrt aber nicht weiter nach, weil Vic da zu ihnen stößt und sie Michael ja die neuesten Neuigkeiten erzählen muss: VIC HAT EINEN FREUND! Und gut ausgestattet sei dieser auch noch... Vic stellt klar, dass sie erst einige Male ausgegangen sind, er aber so glücklich wie noch nie zuvor. Er hatte schon geglaubt, er würde für den Rest seines Lebens nur noch seine rechte Hand daten! Er habe Rodney am folgenden Abend zum Essen bei den Novotnys eingeladen, und Debbie lädt Ben und Michael ein, trotz Vics Widerwillen Rodney gleich mit der ganzen Familie zu konfrontieren. Michael freut sich unheimlich für seinen Onkel.

Emmett, Melanie und Ted betreten seine Wohnung, alle drei mitgenommen. Ted ist nur froh, dass seine Mutter diesen Artikel über ihn nicht sehen wird. „Wieso, ist sie gestorben?“, fragt Mel. „Nein, sie liest keine Zeitung.“ In diesem Moment klingelt das Telefon. Emmett nimmt ab und reicht es dann an Ted weiter. „Deine Mutter.“ Ted sieht so aus, als könnte dies nicht mehr schlimmer werden, und erklärt seiner Mutter, dass dies nur ein Missverständnis sei, er sie später anrufen würde und dass sie nicht vergessen sollte, ihre Blutdrucktabletten zu nehmen! Nachdem er aufgelegt hat, steigert er sich in eine wütende Rede der Verzweiflung: „ ‚Schwuler Porno König’ (Schlagzeile der Zeitung) – ich habe nur eine lausige Website!“ Eddi sei die ganze Zeit da gewesen, direkt vor seiner Nase, während er jedes Detail dreimal, viermal überprüft habe! Als Ted den Namen seines Assistenten ausspricht sieht er aus, als habe er Mordgedanken. Er werde ein exzentrischer Verrückter werden! In 40 Jahren würden sie seine Zelltür öffnen und man würde ganze Geschichten an seiner Zellwand finden, winzige Krakeleien! Melanie versucht, ihn zu beruhigen: „Wir werden unser Bestes tun, damit das nicht passiert. Aber es wird nicht leicht werden. Stockwell will Blut sehen, er möchte an dir ein Exempel statuieren.“ Und es gebe nur einen, der ihnen irgendwie helfen könnte: „Brian.“ Ted denkt in diesem Moment sicher, sterben zu müssen: „Oh mein Gott. Ich bin ein toter Mann.“

Justin zeigt Michael in dessen Wohnung einige Zeichnung für den neuen Bösewicht in ihrer zweiten Ausgabe von RAGE: Michael meint, er sehe etwas zu... „böse“ aus. Justin erwidert, dass Michael doch meinte, der Mann werde durch den magischen Zaubertrank böse. „Ja, aber innerlich ist er immer noch lieb...“ in diesem Moment betritt Ben die Wohnung und lässt sich von dem ahnungslosen Justin und dem zögerlichen Michael den neuen Bösewicht mit dem Namen „Juice Pig“ vorstellen: Dr. Jekyll und Mr. Hyde-artig sei er manchmal liebevoll und süß und dann auch manchmal... ein Monster. Ben fragt ironisch, woher Michael diese Idee wohl habe und gratuliert Justin zu Ethans Erfolg; nachdem der Schüler sich verabschiedet hat, erzählt Michael Ben begeistert von Vics neuem Freund und dass sie zum Abendessen eingeladen sind. Ben erwidert, dass er am folgenden Abend eigentlich seine Beine trainieren wolle. Michael bittet ihn darum, doch seine Beine früher zu trainieren, und Ben antwortet wütend, dass er vorher unterrichten würde. Außerdem müsse er noch einige Anrufe wegen Pauls Beerdigung tätigen. „Ich könnte dir helfen.“ „Hey, nichts für ungut, aber das ist nicht deine Welt!“, schnauzt Ben ihn an. Und was soll Michael darauf noch sagen? Sie schweigen beide.

Enttäuscht betrachtet Mel im Badezimmer ihren Schwangerschaftstest – schon wieder negativ! Linds meint, sie solle es nicht persönlich nehmen, während die beiden ins Schlafzimmer gehen. Die meisten Frauen würden nicht beim ersten Versuch schwanger werden. „Ich bin nicht die meisten Frauen“, erwidert Mel bockig. Was sollten sie denn jetzt machen? „Name aussuchen?“, schlägt Linds lachend vor und betet für ein Mädchen, nachdem sie die Namen von Melanies Großvätern erfahren hat, nachdem man einen Sohn im jüdischen Glauben benennen müsse. Sie legen sich ins Bett, eng aneinander geschmiegt, Lindsays Kopf auf Mels Brust und Melanies Hand in Linds’ Haar, das sie sanft küsst. In der gemütlichen, dunklen Zweisamkeit fragt Melanie Lindsay plötzlich, ob sie glaube, dass ihr Kind irgendwo dort draußen sei, und nur darauf warte, dass Mel und Linds ihm eine Existenz schenken. So habe Linds das noch gesehen, antwortet diese, und kuschelt sich noch enger an ihre Frau. „Komm schon, Kind. Komm zu uns“, flüstert Melanie.

Brian schreitet zu seiner eingeschneiten Corvette, als Ted, gekleidet in eine Kappe und eine Sonnenbrille, ihn aufhält. Wie gehe es Brian denn so? Er habe ihn ja lange nicht mehr gesehen, hatte keine Zeit, zwischen verhaftet werden und alledem. Oh ja, antwortet Brian, er habe das Bild in der Zeitung gesehen. Er persönlich würde sie ja verklagen – das Foto ist schrecklich. Ted lacht hohl, klar, wenn er dann erst mal im Gefängnis sei könne er dort ja Jura studieren. Brian möchte schon ins Auto steigen, doch Ted hält die Tür fest und bittet ihn mit zitternder Stimme, ein gutes Wort bei Stockwell für ihn einzulegen. Aber gleichgültig, wie sehr er Brian beleidigt, ihn anfleht oder argumentiert – für Brian ist es nur Beruf. Da könne er nichts machen.

Daphne hilft Justin dabei, einen Käse auszusuchen, denn er möchte eine kleine Party mit Rotwein für ihn und Ethan planen (was Daphne begeisterungslos aufnimmt): Erst mal, um seinen Erfolg zu feiern, und damit Justin sich auf Knien dafür entschuldigen kann, dass er geglaubt habe, Ethan würde ihn betrügen. Das komme wahrscheinlich davon, dass er so lange mit Brian zusammen gelebt habe. Daphne korrigiert ihn scharf, dass Brian ihn niemals betrogen habe, er sei immer ehrlich gewesen, von Anfang an. In der Gemüseabteilung unterhalten sich währenddessen Vic und Michael über eine Aubergine; Vic fordert Michael dazu auf, dass Gemüse zu berühren, es zu streicheln. „Soll ich es vielleicht auch einführen?“, fragt Michael und beide grinsen. Seit Vic Rodney getroffen habe nehme eben alles einen sexuellen Beigeschmack an! Michael betont noch einmal, wie sehr er sich für Vic freue, und entschuldigt sich dafür, dass Ben nicht da sein wird, weil er ja ins Fitnessstudio müsse. Er klingt deutlich genervt, und Vic schnaubt nur. Ben müsse überhaupt nicht mehr ins Fitnessstudio. Daphne zeigt Justin währenddessen lachend einen Käse, der aus der Milch von Lamas gemacht wurde, doch er scheint ihr nicht einmal zuzuhören. Stattdessen erzählt er ihr, dass er nicht glauben kann, wirklich eifersüchtig gewesen zu sein. Er glaubt, dass das nur beweise, wie sehr er Ethan liebe, aber nicht nur sexuell, sondern auch... romantischer. Wie... Brahms. Als er bemerkt, dass Daphne so aussieht, als würde sie sich jeden Moment übergeben, entschuldigt er sich dafür, so ein schnulziger Romantiker zu sein. Gerade da erzählt Michael Vic wütend, dass Ben grausam und ununterbrochen zornig sei; „ich habe es einfach satt, mir anhören zu müssen, dass ich mir nicht vorstellen kann, was er durchmacht, nur weil ich kein HIV habe!“

Cynthia betritt Brians Büro, obwohl er darum gebeten hat, nicht gestört zu werden, und sagt ihm, dass eine Mrs. Ted Schmidt wegen eines Notfalls hier sei. Er lässt Emmett hineinkommen und fragt ihn geradeheraus, ob dieser für Ted um Gnade winseln wolle. Der betont, dass er niemals bei Brian um irgendetwas winseln würde. „Was für eine Erleichterung!“, antwortet Brian, steht von seinem Schreibtisch auf und öffnet seine Bürotür; dann könne Emmett ja gehen. Der macht jedoch keine Anstalten dazu, sondern sagt Brian, dass es sehr wahrscheinlich ist, dass Ted ins Gefängnis gesteckt werde. „Wenigstens wird er dann regelmäßig gefickt“, erwidert Brian ausdruckslos. Emmett schaut ihn an: Das sollte wohl eine schlagfertige Antwort sein; sie wüssten ja alle, wie eloquent Brian sei, wie genial, wie unberührbar. Emmett schließt Brians Bürotür wieder, bestimmt, und stellt sich direkt vor ihn, die beiden Männer gleich groß. Er weiß auch, wie Brian über Ted und Emmett denkt. Sie seien nur ein paar dumme Schwuchteln, die sich ein Haus kaufen, es werde nie klappen. Es gab eine Zeit, in der hätte Em genau das selbe gedacht, aber jetzt könnte er nicht glücklicher sein! Denn Ted schenkt ihm Liebe und Respekt. Und jetzt ist es an der Zeit, dass Em ihm etwas zurück gibt. Emmett hält eine Sekunde inne, seine Stärke mit einem Male verschwunden, Tränen in den Augen „Aber ich weiß auch, dass du uns insgeheim alle liebst. Bitte Brian. Ich flehe dich an! Hilf ihm!“

Debbie redet und redet bei dem gemeinsamen Abendessen mit Rodney, Vic und Michael, bis ihr Sohn sie bittet, Rodney doch auch endlich einmal zu Wort kommen zu lassen. Er erzählt ihnen daraufhin, wie er und Vic sich kennen gelernt hätten: Bei dem Treffen einer Gruppe von Männern mit HIV. Sie sahen sich über eine ganze Menschenmenge hinweg. Erst wollte Rodney gar nicht dorthin, doch einige Freunde überzeugten ihn, dass es gut sei, wenn er einige positive Männer träfe. „Wieso?“, fragt Michael. Rodney antwortet, dass er oft mit Männern zusammen war, die kein HIV hatten, und es habe nie funktioniert; sie hätten nicht verstanden, was er durchmachen müsse, während es bei Vic nichts zu erklären gebe. Es bringe sie näher zusammen, anstatt sie voneinander zu trennen, schließt er mit einem zärtlichen Lächeln. Debbie und Vic sehen besorgt und Michael resigniert aus. Vic ergänzt, dass natürlich nicht jeder positive Mann so denkt. Als Rodney erfährt, dass Michael zwar selbst kein HIV hat, aber sein Freund, fügt er hastig hinzu, dass er natürlich niemals sagen wollte—doch Michael unterbricht ihn: „Schon gut.“ Er nimmt sein Weinglas. „Es gibt sicher viele Dinge, die ich nie verstehen werde... aber das liegt nicht daran, dass ich es nicht versuchen würde.“ Und er nimmt einen vielsagenden Schluck.

Das Squash-Spiel zwischen Jim Stockwell und Brian Kinney ist hart! Wer wird gewinnen? Ein Punkt für Stockwell, einer für Kinney, noch ein Punkt für Kinney uuuuuund Stockwell geht zu Boden! Kinney gewinnt!
Tatsächlich sinkt Stockwell vor Erschöpfung auf den Boden, und Brian gewinnt. Scherzhaft fragt der Politiker, ob Brian ihn denn nicht gewinnen lassen sollte, aber Brian erwidert, dass Jim dann doch keinen Grund hätte, ihm zu vertrauen. Das kann Stockwell nicht abstreiten. Sie gehen in die Sauna, wo Stockwell Brian erzählt, dass er erwirkt hat, dass Schmidts Gerichtsverhandlung vorgezogen werde, damit sie vor den Wahlen noch stattfinde. Er stelle sich außerdem einen Werbespot vor, in dem er mit einigen potentiell Porno-gefährdeten Kindern zu sehen sei. Brian antwortet, dass es eine gute Idee sei, das Image des Familienvaters aufrecht zu erhalten... doch er könne mit dieser Gerichtsverhandlung nicht viel anfangen. Das seien Neuigkeiten von gestern; deswegen möchte Stockwell, dass Brian sie am Leben erhalte. Doch der schüttelt den Kopf. Das sei so, als würde er das Model der letzten Saison verkaufen, jeder habe es schon gesehen. Außerdem sei Schmidt nur ein Wurm. Stockwell hätte ja keinen Pornokönig verhaftet. „Aber wenn wir ein Urteil erreichen würden...“ „das wäre das schlimmste“, fällt Brian ihm ins Wort, „dein Gegenspieler würde dir vorwerfen, gegen einen kleinen Mann vorzugehen nur um der freien Publicity Willen, die Presse würde Schmidt zu einem Märtyrer machen.“ Also fragt Stockwell ihn, was sie als nächstes vorhätten. Brian schlägt die Duschen vor. Stockwell lacht, schlägt ihm männlich auf den Oberschenkel und geht schon einmal vor, weil Brian den Blick eines Mannes aufgefangen hat... .

Ethan und Justin sitzen an ihrem Tisch, umgeben von Kerzenschein, jeder ein erhobenes Glas Rotwein in seiner Hand. Sie stoßen auf das Konzert in Harrisburg an – und auf das in Paris, in Berlin, in... „schnell, sag noch eins“, sagt Ethan grinsend und Justin nennt kurzerhand den Namen eines alten Schulkameraden. Lachend stoßen sie auch auf diesen an. Dann füttert Ethan Justin mit einer Weintraube, während er ihm erzählt, dass er seine Lippen liebt – sie seien perfekt. „Natürlich liebe ich den Rest von dir auch“, fügt er hinzu und streichelt Justins Wange. Er erzählt, dass er in Harrisburg allein in seinem Hotelzimmer lag und sich einen runterholte... Justin wirft entsetzt ein, warum er ihn denn nicht angerufen hätte! Ethan geht nicht darauf ein, sondern sagt, er habe sich vorgestellt, dass Justin ihn überall geküsst habe. Der schreitet sofort zur Tat und überschwemmt Ethans Gesicht mit Küssen, „süßen, zärtlichen Küssen“, fährt dieser fort, die Augen genüsslich geschlossen. „Und dann habe ich mich deinem heißen, harten Schwanz gewidmet“, feixt Justin und sinkt tatsächlich vor Ethan auf die Knie, öffnet dessen Hose—und es klopft! Beide jungen Männer sind sichtlich verstimmt und Justin steht auf mit dem festen Entschluss, dem Idioten zu sagen, er solle sich verpissen. Bis er die Tür öffnet und den jungen Mann vom Konzert in Harrisburg vor sich stehen sieht. Er trägt einen großen Strauß roter Rosen im Arm und fragt, ob Ethan dort sei, der beinah zur Tür rennt. Justins Gesichtsausdruck wechselt von unbekümmert-glücklich zu... verraten. Der junge Mann sagt, dass er Ethan wiedersehen wollte, deswegen sei er nach Pittsburgh gekommen. Ethan antwortet, dass er das nicht hätten tun und nun gehen sollte, doch Justin hält ihn auf. „Nein, warte! Er ist extra aus Harrisburg her gekommen. Das ist eine lange Fahrt. Ich weiß das.“ Der junge Mann nickt und fragt Justin: „Wer bist du, sein Mitbewohner?“ Justin schaut Ethan an und sagt vernichtend: „Ich bin seine Muse.“

Als Ben nach Hause kommt findet er Michael vor, der im Dunkeln sitzt. Er warte dort auf Ben. „Ich hab’ dir gesagt, dass ich ins Fitnessstudio gehen würde.“ „Klar, Beine.“ Ben fragt ihn, wie Vics neuer Freund so sei. „Sie sind sich so ähnlich, es ist unheimlich.“ „Dieselben Interessen, dasselbe Temperament?“ „Dieselbe Krankheit.“ Ben schaut Michael an und entdeckt, dass dieser eine von seinen benutzten Spritzen in der Hand hält! Er sagt Michael, er solle diese weglegen, sofort, doch der scheint ihm kaum zuzuhören. Michael habe über das nachgedacht, was Ben ihm gesagt habe. Vielleicht sollte Ben wirklich mit einem positiven Mann zusammenleben. Vielleicht sollte Michael dieser positive Mann sein. Nein nein, streitet Ben ab, so habe er das nicht gemeint, das habe er nicht gesagt... . „Du hast gesagt, dass du mit jemandem zusammen sein willst, der jeden Morgen aufwacht und sich denkt, ‚hey richtig, ich hab’ dieses Ding’. Der jedes mal, wenn er eine beschissene Erkältung oder einen Husten hat denkt, ‚das war’s, das ist das Ende’. Der mit Wut und Verbitterung erfüllt ist, weil er keine Kinder haben kann und sich mit Steroiden voll pumpt, weil sein Geliebter gestorben ist und er scheiß Angst hat, dass er der nächste ist! Der die Person, die er liebt, verjagt – weil er es nicht versteht. Nun, jetzt werde ich es verstehen!“ Und Michael setzt die Nadel kurzentschlossen an seine Ader. Ben, der aussieht, als würde er jeden Moment in Tränen ausbrechen, schreit Michael an, dass dieser aufhören soll! Michael schleudert die Spitze weg und schießt aus dem Sessel: „Nein, du hörst auf! Hör auf, dieses Zeug zu benutzen. Hör auf, dich zu zerstören. Hör auf, uns zu zerstören!“

Justin zerreißt den Strauß Rosen. „ ‚Ich will mit jemandem zusammen sein, der nur mit mir zusammen sein möchte! Jemand, mit dem ich für immer zusammen sein kann!’ “ Er schleudert Ethan eine Rose gegen die Brust. „Was für ein Haufen Scheiße!“ Ethan steht, verloren und unter jedem Wort zusammenzuckend, da und beteuert, dass er es so meinte. Ja, erwidert Justin, zerreißt den Rosenstrauß mit bloßen Händen; Ethan habe es sicher gemeint, als er es gesagt habe. „Scheiße, schau dir an, was du mit deinen Händen machst“, sagt Ethan, doch Justin achtet nicht auf das Blut, das seine Handflächen bedeckt. „Na und?! Du bist ein verfickter Lügner!“ Ethan versucht, es zu erklären: Er wollte Justin nicht verletzen, doch das findet dieser so lächerlich, so armselig lahm, dass er es nicht einmal kommentieren wird. Ethan sagt weiter, dass er seinen Arsch bedeckt hielt. Er habe Justin vermisst. „Und weil du es einfach nicht ertragen konntest, eine befickte Nacht lang ohne mich zu verbringen, hast du dich dazu entschieden, irgendeinen sabbernden Verehrer aufzugabeln?!“ Ethan dreht den Kopf zur Seite, beinah lachend, verletzt. „Im Grunde genommen ja.“ Justin nickt. Und schmettert ihm die zerfetzten Rosen an die Brust. „Und, wie war’s, Mr. Gold? Kniete er vor deinen Füßen und betete dein riesiges Talent an? Bewunderte er die Art und Weise wie du deinen Bogen atemlos gestreichelt hast?!“ Da kann Ethan sich nicht mehr zurückhalten und schreit zurück: „Es war ein dummer Fehler! Wie oft hast du Brian vergeben?“ „Ich habe Brian niemals vergeben!“ schreit Justin mit Tränen in den Augen. Die geschockte Stille, Ethans ratloses Gesicht, Justins eigene Verzweiflung. „Ich musste es niemals, denn er hat mir nichts versprochen. Du schon.“ Justin zieht den Ring vom Finger und geht zur Tür. Ethan packt seinen Arm und hält ihn auf, er bräuchte ihn, er wüsste nicht, was er ohne Justin machen würde! Doch der reißt sich los. Ethan würde es überleben. Er habe schließlich immer noch seine Musik, das einzige, das er wirklich liebe. Dann nimmt er sich seine Jacke und lässt die Tür der Wohnung hinter sich zufallen.

Emmett versucht den wie gelähmt auf dem Sofa liegenden Ted zu trösten. Sanft streichelt er seine Schultern, während er ihm erzählt, dass auch eine Gefängnisstrafe nicht so schlimm sein wird. Er würde dann Zeit haben um zu lesen, zu lernen... es wäre wie eine Spa Wellness Reise! Oh ja, erwidert Ted, die Gefängniswärter sind hervorragend im Köper-Wickeln und das Essen bestehe ausschließlich aus Delikatessen. Er bezweifelt auch, dass der Staat Emmett Sexbesuche erlauben würde. Er wisse zwar zu schätzen, dass Em versuche, ihn aufzumuntern, doch an seinem Untergang gebe es nichts zu rütteln. Da klopft es an der Tür. Panisch springt Ted auf, das sei die Polizei, die komme, um ihn zu holen, hilfe! Er versteckt sich hinter der Couch, während Emmett Melanie hereinlässt, die überglücklich zu sein scheint. Sie habe gerade einen Deal vorgeschlagen bekommen: Wenn Ted seine Schuld zugibt, dann wird keine Gefängnisstrafe verhangen werden! Emmett und Ted können ihr Glück kaum fassen, auch wenn Melanie sie warnt, dass Ted trotzdem eine mehr als happige Geldstrafe bekommen und seine Website aufgeben müssen wird. Aber was bedeutet das schon? Kein Gefängnis!

Ben zieht einen Anzug an, als er bemerkt, dass Michael wach im Bett liegt. Er habe ihn nicht wecken wollen, doch Michael meint, er hätte sowieso nicht viel geschlafen. Und wer habe Ben gesagt, dass er auf der Couch übernachten soll? „Na ja, nachdem was du gesagt hast... .“ Michael setzt sich auf und sieht ihn dunkel an. Ben bittet ihn darum, es ihm nicht so schwer zu machen, sein Tag sei sowieso schlimm genug: Er müsse zu Pauls Beerdigung und dort all die kranken Männer mit ihren eingesunkenen Wangen sehen... Michael sagt jedoch nur auf dem Weg ins Badezimmer, dass sie wenigstens noch am Leben sind – genau wie Ben. Er wirft Ben einen gestörten Blick zu, als dieser ihm sogar bis zur Toilette folgt, um ihm zu sagen, dass er aufgehört hat, die Steroide zu benutzen und sich entschuldigt. „Gut für dich, aber du entschuldigst dich für die falsche Sache.“ Ben folgt ihm ins Wohnzimmer und fährt fort, dass er nicht hätte sagen sollen, dass er mit jemandem zusammen sein möchte, der HIV hat. Das waren die Drogen, die aus ihm sprachen, doch Michael glaubt das nicht. Wenn Ben das wolle, solle er es sich holen! Aber Ben bleibt dieses Mal ruhig. Bestimmt sagt er, dass er Michael will. Jetzt, und morgen, und übermorgen, und an jedem anderen Tag. Also warum ziehe sich Michael nicht an und komme mit ihm? Doch der schüttelt den Kopf. Das sei nicht seine Welt, dort gehöre er nicht hin. Ben senkt kurz den Blick, dann nimmt er Michaels Wange in seine Hand und streichelt sie mit seinem Daumen. „Du gehörst zu mir.“ Und auch wenn Michael noch nicht lächeln kann, lässt er es doch zu.

Im Diner stellt Brian fest, dass Justin nicht Zuhause geschlafen hat, weil er dasselbe umwerfende Outfit wie am Vortag trage. Justin antwortet, dass er bei Daphne übernachtet habe, falls ihn das auch nur einen Scheiß angehe. Brian isst genüsslich eine in Ketchup getauchte Pommes und fragt, ob er da die Abwesenheit zärtlicher Liebe heraushöre? Bevor sie das weiter thematisieren setzt sich Ted neben ihn bestellt sich einen Kaffee und kommt dann direkt zum Punkt: Er habe sich stundenlang überlegt, wie er das hier möglichst unsentimental machen könne, um Brians Wut nicht auf sich zu ziehen; also würde er jede Bemerkung über Freundschaft, Brüderlichkeit und Verantwortung streichen und es bei einem simplen „danke“ belassen. Brian streitet natürlich ab, dass er es für Ted getan habe – er habe lediglich versucht, Stockwell vor einem Fiasko zu bewahren. Nachdem er gegangen ist, sagt die überglückliche Debbie Justin, dass sie einfach niemals verstehen wird, wieso Brian sich benimmt wie ein gleichgültiges Arschloch, wenn es doch offensichtlich ist, dass er soeben Ted das Leben gerettet hat.

Lindsay steht vor der geschlossenen Badezimmertür und erinnert ihre Frau daran, dass sie nicht jedes Mal einen Schwangerschaftstest machen muss, wenn sie pinkelt! Es ist merkwürdig still auf der anderen Seite, und als Linds fragt, welches Abendessen sie haben möchte, öffnet sich stattdessen nur die Tür. Vor ihr steht Mel, mit einen breiten, triumphierenden Grinsen. „Er ist blau.“ Melanie ist schwanger! Die beiden Frauen brechen in Jubel aus!

Ted und Emmett räumen gemeinsam die dunkle Firma aus, packen Dinge zusammen, lassen Erinnerungen wieder aufleben. Ted sieht müder aus als je zuvor – dies war sein Traum. Jeden Gegenstand berührt er mit kaum nachzuahmender Zärtlichkeit, jeder Blick ist ein Ausdruck von Sehnsucht. Sie entdecken Emmetts rotierendes Bett, das niemals von jemand anderem benutzt wurde. Emmett zieht Ted für eine letzte Fahrt darauf, auch wenn dieser sich sträubt, und so rotieren sie langsam im totenstillen Gebäude. Sie lachen... bis Ted auf einmal anfangen muss zu weinen. Emmett schließt ihn fest in die Arme. Am meisten täte es Ted leid, dass Emmett sein Haus nicht bekommen würde, doch der drückt ihn nur noch fester. Da, wo er als Kind lebte, gab es Tornados. Einmal im Jahr lag ihr Haus in Schutt und Asche, doch sie sahen es nie als Desaster, sondern als Neuanfang. Also auch wenn er und Ted nichts, absolut nichts haben – sie werden das durchstehen. Denn sie haben doch sich. Sie verschlingen ihre Hände ineinander und drehen sich weiter.

Im Babylon raucht Michael als Beruhigung eine hervorragende, geschmuggelte kubanische Zigarre, die Brian ihm schenkt. Er sei jetzt Vater, und er habe nicht vor, so einer wie Brian zu sein. Michael möchte eine Rolle im Leben seines Kindes spielen, er möchte ein richtiger Vater sein – wenn er um Gottes Willen nur wüsste wie! „Ach, du wirst ein wundervoller Vater sein.“ „Woher willst du das wissen?“ „Na, du hast doch mich aufgezogen. Schau mal, was aus mir geworden ist“, antwortet Brian grinsend, küsst ihn auf die Wange und verschwindet im Hinterzimmer. Dort erwartet ihn jemand: Justin fickt einen Typen und sieht Brian, der sich direkt daneben einen blasen lässt, die ganze Zeit in die Augen. Auch Brian kann den Blick nicht abwenden, in dem gespenstischen blauen Licht, treffen sich blau und haselnussbraun immer wieder und lassen nicht voneinander ab, und wenn nur aus den Augenwinkeln... .

“I want to feel you from the inside
to make me feel alive
make me feel alive”

Gioia Bruno – From The Inside (Junior Vasquesz Mix), Endlied


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