Queer as Folk - Episode 3.08

Nach Unten

Michael und Ben können schon wieder nicht schlafen, da sich eine Gruppe Stricher unter ihrem Fenster versammelt hat und dort lautstark Kunden auf sich aufmerksam macht. Michael hat endgültig genug und steht auf, fest entschlossen, mit seinem Schuh wenigstens einen der Männer am Kopf zu treffen, doch Ben hält ihn von diesem besonnenen Plan ab, zieht sich an und tritt auf die Straße. Er weist die jungen Männer höflich darauf hin, dass einige Leute versuchen würden, hier zu schlafen. Sie entgegnen grinsend, während einer ihrer Kollegen sich gerade feil bietet, dass sie hier versuchen würden zu arbeiten. Ben antwortet, dass er keinen Ärger möchte, aber wenn sie sich nicht einen anderen Platz zum Arbeiten suchen würden, riefe er die Polizei. Die beiden jungen Männer lachen nur, doch der Mann im Auto, der einen Stricher mitnehmen wollte, hat das Wort „Polizei“ offenbar aufgeschnappt und ergreift die Flucht, sehr zum Ärger des Strichers, der Ben anschreit, er habe ihn gerade 200 Dollar gekostet! Ben fragt ihn, hin und hergerissen zwischen Ekel und Entsetzen, wie alt er sei; der Junge erwidert, wie alt Ben ihn denn gerne hätte, aber er kann kaum älter als 16 Jahre sein. Der Junge bietet Ben an, dass er ihn für 200 Dollar ohne Kondom ficken darf. Ben findet keine Worte mehr außer einem hastigen „Nein, danke“.

Justin sitzt auf dem Bett und wippt hin und her. Er kniet unter einem Lampenschirm, bis sein Kopf frustriert auf die Sofalehne sinkt. Er liegt auf dem Bett und konsumiert eine Zigarette nach der anderen, als Daphne in rosa Plüschpantoffeln hineinkommt. Sie möchte, dass es ihm besser geht! Seit er eingezogen ist, sei er deprimiert. Justin seufzt. Er wisse das ja, aber er könne nicht aufhören, an ihn zu denken! Letzte Nacht habe er sogar geträumt, dass er schweben könne und sie mitten in der Luft gefickt haben. Daphne antwortet, es sei nur normal, dass diese Dinge Zeit bräuchten – er müsse sich einfach sagen: Ethan ist Vergangenheit! Justin schaut sie an wie ein Auto. „Wer redet denn von Ethan? Ich rede von Brian!“
Erst sieht Daphne so aus, als könne sie es kaum glauben, doch dann grinst sie breit. Sie dachte, Justin wäre über Brian hinweg, doch der erwidert, dass er den größten Fehler seines ganzen, armseligen, beschissenen Lebens begangen hat, als er Brian verließ. Was solle er jetzt tun? Daphne schlägt alles vor, von ‚es in seinem Unterbewusstsein zu vergraben und es zu vergessen’ (Aber das klappt ja offensichtlich nicht) über das klassische Schreiben eines Briefes (Brian würde ihn zerreißen, meint Justin) bis hin zu versuchtem Selbstmord (er würde mich sterben lassen, meint Justin). Erst dann rückt sie mit ihrem Masterplan heraus: Als sie damals in der High School völlig verrückt nach einem Typen gewesen war habe sie – „dich lächerlich gemacht“, wirft Justin grinsend ein – sich zu jedem Kurs angemeldet, in dem er war, jede AG mit ihm besucht und sich auf jeder Party eingeladen, auf der er war. Wo immer er auch hinging, sie war dort, er konnte Daphne nicht aus dem Weg gehen.

Als Lindsay mit einem neuen Haarschnitt und sportlich-elegantem Outfit am Morgen die Küche betritt bleibt Mel nichts anderes als einen Laut der Begeisterung! Linds interpretiert das falsch und glaubt, sie sähe lächerlich aus. Sie habe das falsche Oberteil angezogen, oder? Sie hätte eine andere Farbe nehmen sollen, richtig?! Sie sollte die andere Farbe nehmen! Und sie ist schon wieder auf dem Weg nach oben als Melanie lachend ihren Arm festhält und ihr sagt, dass sie wundervoll aussieht! Erleichtert atmet Linds aus und schaut dann nach ihrem Sohn. Habe er gegessen? Natürlich, antwortet Mel. Was habe sie ihm denn gegeben? Sehe er denn nicht ein wenig krank aus? Denke Mel nicht auch, dass er krank aussieht?! „Nein, ich denke nicht, dass er krank aussieht. Und jetzt geh endlich!“ Lindsay hebt ihren Sohn aus dem Stuhl, um sich mit zärtlichen Liebkosungen und Spitznamen von ihm zu verabschieden, was Melanie mit Freude beobachtet. Linds würde ihn eben vermissen, sie war schließlich beinah drei Jahre lang und praktisch jede Minute seines Lebens bei ihm. Melanie nimmt das Gesicht ihrer Frau in beide Hände und küsst sie. Linds wollte diesen Job, und jetzt solle sie gehen und teil haben an der Welt da draußen! Sie küssen sich liebevoll, dann rauscht Lindsay, immer noch nervös, aus dem Haus.

Michael und Ben, umgeben von muskulösen Körpern, beide stöhnen, Schweiß bricht auf Michaels Stirn aus, „perfekt, Michael, perfekt“, und so gelingt es ihm schließlich, seine Übung um Fitnessstudio mit Bens Hilfe zu beenden. Brian kommentiert trocken, es sei ein Wunder, dass sie noch nicht verhaftet wurden, wenn ein Orgasmus bei ihnen so klingen würde. Bald müssten sie sowieso umziehen, erwidern die beiden, denn sein Freund Stockwell habe alle Stricher von der Liberty Avenue genau unter ihr Fenster gejagt. Ben erzählt immer noch etwas mitgenommen von dem Jungen, der ihm erlaubt hätte, ihn ohne Kondom zu ficken, als Michael auf einmal aufgeregt, „Ted! Ted!“ ruft. Es ist tatsächlich Ted, der da an Emmetts Seite das Fitnessstudio betritt und sich fragt, ob Michael sich denn ein wenig leiser verhalten könnte. Em meint, dass sie es kaum abwarten konnten, endlich herzukommen – dann flüstert er Michael zu, dass er Ted praktisch zwingen musste. Trotzdem wird dieser enthusiastisch von Michael und Ben begrüßt, die ihm Mut machen, Aufmunterungen verstreuen und ihn fest umarmen. Brian währenddessen hält sich weitestgehend heraus, sagt Ted jedoch, dass er ihn wirklich bewundere; jeder Mensch mit ein wenig Selbstachtung wäre zu erniedrigt, um sich herauszuwagen, doch nicht Ted Schmidt. Beide grinsen. Danach verkündet Emmett, dass er eine Lösung für Teds Wohnungsproblem hat: Er würde einfach einen Zweitjob annehmen. Das möchte Ted absolut nicht, doch sein Freund lässt keine Widerrede zu. Sie sollten jetzt trainieren! Als Ted sich bückt, um seine Tasche aufzuheben und zu den Umkleidekabinen zu gehen, hält er plötzlich schmerzverzerrt inne. Oh Gott, sein Rücken!

Lindsay führt einen älteren Herren durch eine Galerie und erzählt ihm von den Gemälden; auf eines richtet sie ihr ganz besonderes Augenmerk, welches eine nackte Frau zeigt, die der Legende nach eine Hure gewesen sein soll. Als ein Künstler ihre Dienste erkaufte fand er sie malend vor und bestand darauf, dass sie ihr Gemälde vollendete, anstatt Sex zu haben. Er stellte ihre Kunst auch der Pariser Welt vor und sorgte so für Horror unter seinen Zeitgenossen. Doch wenn sie ein Mann gewesen wäre, so hätte sie denselben Status wie Monet. Der ältere Herr ist beeindruckt – er möchte das Gemälde kaufen! Lindsay fällt aus allen Wolken, doch fängt sich schnell wieder und verabschiedet den Herren höflich, gerade als Sydney Bloom, der Besitzer der Galerie, eintritt. Er verabschiedet den Mann ebenfalls, scheint aber genau so erstaunt. Der Mann käme schon seit zehn Jahren in seiner Galerie – und er vergewissert sich mit einen prüfenden Blick, dass ihr Kunde außer Hörweite ist – und habe niemals etwas gekauft! Lindsay ist natürlich erfreut, gleich so gute Arbeit geleistet zu haben, und erhält von Sydney direkt einen neuen Auftrag: Florinda Zeckendorf, ehemals Hitlers Meisterin, würde am folgenden Tag kommen, um die endgültigen Details der neuen Ausstellungseröffnung zu besprechen. Sie sei ein Drache und erinnere Sydney an seine Ex-Frau, doch wenn irgendjemand damit klar kommen würde, dann Lindsay. Die sieht hingegen etwas zweifelnd aus.

Brian ist in seinem Art Department, um nützliche Verbesserungsvorschläge zu verteilen, Kritik anzubringen und den Leiter zu fragen, wo zum Teufel die neuen Layouts seien. Dieser verspricht, sie bis mittags auf Brians Tisch zu legen und fügt hinzu, dass es ab heute auch schneller gehen würde, sie hätten nämlich einen neuen Praktikanten, der zufällig gerade zu ihnen stößt. „Das hier ist Justin Taylor, unser Praktikant. Justin, das hier ist Brian Kinney, einer der Partner.“ „Schön sie kennenzulernen, Mr. Kinney“, antwortet Justin höflich und schüttelt Brians Hand während diesem der Mund ein klein wenig offen hängt.
In seinem Büro fragt er Justin dann, was er hier eigentlich mache?! Denn er würde diese Stelle nur bekommen, wenn Brian unterschreibt. Der Student erklärt, dass er ihm Rahmen seiner Ausbildung drei Praktika zu absolvieren habe, also sandte er Beispiele seiner Arbeit und einen Bewerbungsbrief an den Leiter des Art Department, der ihn annahm; Brian schlägt vor, er solle in eine andere Agentur gehen, wo Brian nicht arbeite! Das sei unfair, erwidert Justin, er wurde wegen seines Talents angenommen, nicht wegen Brian. Außerdem sei Vangard die beste Agentur, dort zu arbeiten würde gut in seinem Lebenslauf aussehen und er könne wichtige Kontakte knüpfen. Er habe geglaubt, er würde Brian sogar eine Freude machen. Brian antwortet schnaubend, dass es ihm keine Freude machen wird, Justins Gesicht jeden Tag zu sehen. Der antwortet in bedauerlichem Tonfall, er habe ja nicht gewusst, dass ihre vergangene Beziehung immer noch ein Problem für Brian sei. Der antwortet, dass es kein Problem sei und sie niemals in einer Beziehung waren. „Dann sehe ich keinen Grund, der dagegen spricht, dass ich hier meine Ausbildung perfektioniere...“, und Justin erlaubt sich ein selbstgefälliges Grinsen, „...für die du ja auch noch bezahlst.“ Brian schweigt, dann wendet er sich seinen Papieren zu. Justin sollte einfach keine Sonderbehandlungen erwarten. Habe er nie, antwortet der Student.

Im Diner holt sich Lindsay etwas zu Essen auf die Hand, weil sie noch tausend Dinge zu erledigen hat, gerade als Ted, gestützt von Emmett, eintritt. Em erzählt Debbie und Linds, dass Ted sich im Fitnessstudio verletzt habe, Lindsay berichtet von einem Freund, der auch auf einmal unglaubliche Rückenschmerzen hatte und seitdem unvorstellbare Schmerzen erleide und Debbie fragt, ob es weh tue. Seinen Blicken nach zu urteilen könnte Ted beide umbringen, weigert sich aber, eine Tablette gegen den Schmerz zu nehmen. Emmett flüstert Debbie recht laut zu, dass sie eine Pille in der Eiscreme verstecken soll, so habe er das früher immer mit seinem Hund Fetch gemacht. Ted schaut ihn vorwurfsvoll an. Glaube er denn wirklich, er hätte das nicht hören können? Lindsay, die Teds Hand beruhigend gestreichelt hat, steht auf und macht sich auf den Weg, weil Mr. Bloom sie ja beauftragt habe, eine Eröffnungsparty zu planen! Emmett springt lachend auf, habe sie da Party gesagt?, und fängt Linds an der Tür ab. Dieses Mal wirklich leise fragt er sie, ob sie einen Kellner, ein Mädchen für alles, irgendjemanden bräuchte – denn nach allem, was passiert sei, könnten sie das Geld wirklich gut gebrauchen. Linds küsst seine Wange und verspricht ihm, zu tun, was sie kann. Ted macht ein schmerzverzerrtes Gesicht, hat er sie gehört oder nicht?, doch er kommentiert es nicht und verlangt stattdessen seine Schmerztablette, scheiß auf die Eiscreme!

Justin schaut sich suchend im Hinterzimmer um, konnte jedoch wohl nicht finden, was er sucht, und tritt zurück auf die Tanzfläche. Alles geht seinen üblichen Gang, halbnackten Männer, das schwule thumpa thumpa, blitzende Lichter... schließlich wird Justin aber doch noch fündig: Brian steht an der Bar, und Justin gesellt sich zu ihm. Wo sei denn sein Freund? Justin nimmt seinen Drink, sie hätten Schluss gemacht. Was sei mit der Liebe passiert, die eine Ewigkeit lang halten sollte?, fragt Brian spöttisch, aber scheint er interessiert...? „Eine Ewigkeit ist nicht mehr so lang, wie sie einmal war“, erwidert Justin und bietet Brian an, ihm einen auszugeben, der einwilligt. Da beginnt ein neues Lied. „Ich liebe diesen Song!“, sagt Justin. Er habe schon lange nicht mehr getanzt... Brian antwortet, er solle sich keinen Zwang antun, aber nicht zu lange machen, er müsse schließlich am nächsten Tag arbeiten und schön ausgeschlafen sein, sodass sein Chef ihn nicht feuere. Grinsend bedankt er sich für den Drink und lässt Justin allein stehen.

Michael erzählt Ben begeistert von ihrem neuen Bösewicht, Eis-Tina, die Rage mit nur einen bösen Blick in eine Eisstatur verwandelt, doch JT taut ihn mit dem heißesten blowjob der Welt wieder auf. Ben antwortet jedoch nicht – er hat seine Ohrenstöpsel nämlich noch nicht herausgenommen. Das habe er wohl vergessen, meint er lachend, als es ihm endlich selbst auffällt. Jaja, erwidert Michael, er wollte sie einfach behalten, damit sein Freund ihn nicht dauernd nerven würde. Ben lacht und küsst ihn, Michael könne ihm das alles erneut auf dem Weg zur Bushaltestelle erzählen, er würde ihm seine ungeteilte Aufmerksamkeit sche—da bemerken sie, dass jemand auf der Treppe schläft. Sie versuchen, ihn aufzuwecken – Michael auf Sicherheitsabstand mit dem Fuß, Ben sanft mit seiner Hand – und auf einmal schreckt die Person hoch! Es ist der Junge, der für 200 Dollar mit Ben ohne Kondom gefickt hätte. Er wiederholt das Angebot, das gelte natürlich auch für sie alle beide, aber Michael schnauzt ihn nur an, er solle verschwinden und aufhören, unter ihrem Fenster zu arbeiten! Der Junge macht sich murrend auf den Weg die Treppe hinunter, wird aber von Ben zurückgerufen: „Wann hast du das letzte Mal gegessen?“
Im Diner schlingt der Junge einen Burger hinunter als habe es nie etwas köstlicheres gegeben, während Michael Ben missmutig anschaut, der aber die Ruhig selbst ist. Debbie unterhält sich währenddessen mit dem Kind, erhält aber keine Antwort, bis der Junge erfährt, dass Michael keinen Vater hat. Da habe er aber Glück. Als Ben sagt, dass das nicht so klinge, als würde der Junge sich gut mit seinem Vater verstehen, antwortet dieser, dass er tot sei. Wo sei denn seine Mutter, fragt Debbie. Im Gefängnis, weil sie seinen Vater getötet habe. Aber es müsste doch einen besseren Ort als die Straße für den Jungen geben, werfen Debbie und Ben ein – eine Pflegefamilie? Der Junge schnaubt. Wenigstens würden seinen Kunden ihn bezahlen, wenn sie ihn fickten. Über die anderen Vorschläge, vom Gay and Lesbian Center bis hin zu einem „Zurück-zur-Schule“-Programm, macht er sich ebenfalls nur lustig, greift nach einem Brötchen und verschwindet.

Brian betritt das verlassene Art Department, nur Justin hat die Beine auf den Tisch gelegt und liest eine Zeitschrift. Der Student begrüßt seinen Chef mit einem lockeren „Hi, Brian“, und der erwidert, dass er „Mr. Kinney“ hieße. Es sei ja wundervoll, dass sich seine Mitarbeiter erlauben könnten, eine Mittagspause einzulegen, und er schubst Justins Beine vom Tisch, während er in zwei Stunden ein Meeting habe und die Boards einfach nur scheiße seien. Er gibt Justin einige Anweisungen, der weiterhin seine Zeitschrift liest. „...solltest du dir das nicht aufschreiben?“ Justin gelingt es, Brians Anweisungen Wort für Wort zu wiederholen, ohne auch nur aufzusehen. Der scheint wenigstens ansatzweise beeindruckt und fragt „Taylor“, wie es denn so laufen würde. Justin legt die Zeitschrift zur Seite erzählt, dass er viel lernen würde... auch über Brian selbst. Man sagt ja, dass die Arbeitsatmosphäre von oben aufgebaut werde, deswegen sei es ein großes Kompliment an Brian, dass er solch loyale und hart arbeitende Angestellte habe. Sie sehen sich lange in die Augen, beide mit der Andeutung eines selbstgefälligen Grinsens, und Brian klopft Justin auf die Schulter. Vielleicht habe er ihn ja ein wenig zu schlecht eingeschätzt. Und jetzt solle er wieder arbeiten! „Ja, Mr. Kinney“, antwortet Justin, legt die Füße wieder auf den Tisch und greift nach seiner Zeitschrift.

Miss Zeckendorf ist so schlimm, wie Sydney sie beschrieben hat. Ständig redet sie Lindsay mit „Liebes“ an und schenkt ihr bei jeglichen Änderungsvorschlägen nur abfällige Blicke, besonders als sie vorschlägt, statt eines Büffets Kellner zu engagieren, die die Häppchen zu den Gästen bringen. Als Linds sie dann zum wiederholten Male unterbricht informiert Miss Zeckendorf sie energisch darüber, dass sie diese Veranstaltungen seit über fünfzehn Jahren organisiere, sie kenne sich aus! Vielleicht sei es an der Zeit, etwas zu ändern, erwidert Lindsay; sie würde etwas wollen, was das Thema das Abends reflektiert, etwas einzigartiges, besonderes! Zum Beispiel....... Kekse mit impressionistischen Gemälden darauf! Kekse, wiederholt die Frau in ihrer quietschigsten Stimme, und schraubt sie dann wieder eine Oktave herunter; sie werde Sydney mitteilen, dass seine Sekretärin Anrufe entgegen nehmen und Nachrichten weiterleiten sollte, anstatt sich in die Arbeit von respektierten Experten einzumischen! „Sie werden ihm gar nichts mehr sagen, Miss Zeckendorf! Denn Sie... sind gefeuert!“ Miss Zeckendorf erwidert nur höhnisch, dass Linds sie nicht feuern könne, doch die hat dafür nicht mal mehr einen Gedanken übrig. „Entschuldigen Sie mich bitte, *Liebes*, ich muss einen Monet aufhängen.“

Es ist Zeit für das Meeting. Vance und Brian sitzen gemeinsam mit einer Frau, ihrer Kundin, in einem Raum und erklären ihr das Verkaufskonzept für ihre neue Brille, während Justin die Boards auf die Gestelle stellt – und prompt fällt eins herunter. Vance unterbricht seinen Vortrag nur für den Bruchteil einer Sekunde, Justin behebt den Schaden und stellt sich dann ruhig in eine Ecke. Bis die Frau sagt, dass sie nicht blau als Farbe für die Schrift haben möchte. Brian und Vance erwidern, dass dies aber die momentane Trendfarbe sei. Da murmelt Justin auf einmal: „Orange.“ Die Frau hört das, auch wenn Justin abstreitet etwas gesagt zu haben, besteht sie darauf, also erklärt er, dass jeder an seiner Schule sagt, Orange sei das neue Blau. Die Kundin hat sich entschieden! Orange soll es sein! Brian widerspricht noch, doch Vance ehrt die Wünsche seiner Kundin selbstverständlich ohne Umschweife. Diese grinst und sagt den beiden Männern, dass sie aufpassen sollten, sonst würde das Kind in der Ecke noch eines Tages ihren Job haben.

Als Ben und Michael nach Hause spazieren werden sie Zeuge, wie ein Junge plötzlich von einigen anderen Jugendlichen angegriffen und verprügelt wird. Ben stürzt ohne Umschweife auf sie zu, während Michael ihn noch aufhalten will, doch die Kinder verziehen sich ziemlich schnell, als Ben sie von dem Opfer reißt und sie anschreit, sie sollten verschwinden! Der, den er gerettet hat, ist nicht irgendein Junge – es ist der Junge. Der Ben beinah undankbar ansieht und fragt, wer ihn denn zu Superman gemacht hätte.

Lindsay erzählt Melanie über einer Pizza und Rotwein (für Mel selbstverständlich nur Wasser), wie erniedrigend diese Miss Zeckendorf sie behandelt habe. Wenn sie sich noch einmal „Liebes“ von ihr hätte nennen lassen müssen, hätte Lindsay sie ermordet! „Aber stattdessen habe ich sie gefeuert“, sagt sie mit einem selbstzufriedenen Lächeln. Melanie lacht voller Bewunderung. „Ich habe jemanden gefeuert. Ich!“ Lindsay scheint an der Grenze zur größenwahnsinnigen Genugtuung; Sydney habe ihr sogar eine Gehaltserhöhung angeboten, denn er hatte sich einfach nie getraut, Miss Zeckendorf zu feuern, auch wenn er es schon lange plante. Sie stoßen auf ihren Erfolg an, nur um gleich mit dem Problem konfrontiert zu werden, dass Linds in weniger als 48 Stunden eine Eröffnungsparty organisieren muss. Doch Melanie weiß eine Lösung. Sie holt ein Fotoalbum hervor. Sie kenne da diese zwei Frauen, die eine Hochzeit planten, doch alles ging schief. Also schalteten sich alle ihre Freund ein, und bescherten ihnen die wunderschönste Hochzeit der ganzen Welt. Sie klappt das Album auf und man sieht Fotos von ihrer und Lindsays eigener. Erinnere das Linds an irgendetwas?

Emmett kommt mit einigen Einkäufen in Teds Wohnung und findet seinen Freund auf dem Boden liegend vor, gestützt von einer Vielzahl Kissen. Er habe seine Tabletten genommen und so sei es am bequemsten. Außerdem trinkt er etwas stark alkoholisch anmutendes mit einem Strohhalm aus einem Glas, und Emmett antwortet, er hofft, er habe die Tabletten nicht damit eingenommen. Ted wisse ja, was nach zu viel Tabletten und Alkohol passiere! Na ja, erwidert dieser trocken, wenigstens leide er keine Schmerzen mehr. Er warte außerdem auf einen Anruf; er habe sich nämlich bei einem Steuerberatungsunternehmen beworben, wo ein alter Freund von ihm arbeite, die ihn zurückrufen wollte. Gerade in diesem Moment klingelt auch das Telefon, aber es ist Linds. Die Emmett anbietet, nicht nur den Kellner zu spielen, sondern die gesamte Eröffnung zu organisieren! Emmett ist überglücklich, während Ted etwas benebelt grinst.

Brian räumt mit Justin die Überreste des Meetings weg, während er ihm mitteilt, dass er gefeuert ist. „Was?!“ Justin kann es kaum fassen. Was, fragt Brian, er habe doch praktische Erfahrung gesucht! Nummer 1, wenn du es verscheißt, bist du draußen. „Brian! ...Mr. Kinney. Ich würde es zu schätzen wissen, wenn Sie mir eine zweite Chance geben würden.“ Brian antwortet jedoch lediglich, dass er ihm die erste schon niemals hätte geben sollen und dass Justin jetzt besser sein Zeug zusammenpacken und gehen würde. Der greift nach seinem Mantel. Er hätte das erwarten sollen, schließlich habe Brian ihn ja von Anfang an nicht hier haben, von Anfang an nicht jeden Tag sein Gesicht sehen wollen. Aber ein Teil von ihm habe wohl gehofft, dass Brian sich daran gewöhnen würde... dass es ihm irgendwann nichts mehr ausmachen würde... er habe gehofft, dass... „ach, scheiße, vergiss es.“ „Was? Dass du wieder angerannt kommen könntest, wenn deine kleine Romanze mit Paganini Junior vorbei ist?“ Das sei ungefähr genauso dumm, fährt Brian fort, wie überhaupt auf die romantische Scheiße hereinzufallen. Aber Justin sei ja noch jung und unerfahren. „Was, und du bist so klug?!“, faucht Justin ihn an. Wenn Brian auch nur ansatzweise intelligent wäre, hätte er ihn niemals gehen lassen! Er hätte ihm gesagt, dass er den größten Fehler seines Lebens machen würde, dass er es sein ganzes Leben lang bereuen würde! Dass das, was Brian ihm zu bieten hatte tausend-, millionenmal mehr wert war als alles, was Ethan ihm hätte geben können! „Du hättest mir gesagt, dass du mich liebst. Dass du mich weiterhin lieben würdest, auch, nachdem ich weg war.“ Aber wie immer hat Brian es nicht gesagt. Also könne Justin auch genauso gut gehen. Er geht auch tatsächlich, doch Brian packt seine Hüfte und reißt ihn zurück. Das sei so typisch Justin! Er würde nicht hören, was er wollte, also würde er einfach abhauen! Wie wäre es denn mal damit, für sich selbst einzustehen? Er solle gefälligst Eier zeigen! Justin starrt ihn an, die Luft prickelt förmlich. Dann greift er Brians Hinterkopf, zieht ihn blitzartig zu sich heran und küsst ihn. Leidenschaftlich. Doch genau so schnell beendet Justin wieder den Kuss. Ohne noch ein weiteres Wort zu sagen lässt er Brian los und verlässt den Raum.

Während die Dusche läuft diskutieren Ben und Michael irgendwo zwischen leise- und lautstark im Wohnzimmer darüber, dass Michael nicht die Polizei rufen wird, um die Prostituierten vor ihrer Tür zu vertreiben. Es seien doch nur Kinder, sagt Ben, doch Michael widerspricht, sie seien Stricher und Drogenabhängige und Kriminelle und er will sie nicht vor ihrer Wohnung, geschweige denn darin! Ben meint vorsichtig, er habe sich gedacht, dass der Junge doch für eine Nacht bei ihnen bleiben könne. Michael schaut ihn entsetzt an. NEIN! „Komm schon, es ist Weihnachten.“ „Es ist nicht Weihnachten!“ Trotzdem könnten sie ein wenig Nächstenliebe zeigen, erwidert Ben, doch ihnen bleibt keine Gelegenheit, um das auszudiskutieren. Denn in diesem Moment tritt der Junge aus der Dusche, splitternackt und mit einem sehr großen Bluterguss an seinem blassen Oberkörper. „Also, wer von euch will mich zuerst ficken?“ Das sei nicht, weswegen sie ihn hergebracht hätten, antwortet Ben. Der Junge scheint plötzlich unsicher – weswegen denn dann? Widerwillig antwortet Michael, sie wollten nicht, dass er getötet werde. „Das wäre ja ein Verlust“, sagt der Junge in seinem üblich ironisch-dreistem Ton und sammelt seine Sachen ein, er würde wieder zurück zur Arbeit gehen. Doch Ben hält ihn bestimmt auf. Er würde mit dieser Verletzung auf keinen Fall auf die Straße gehen, sondern bei ihnen bleiben. Nun solle er sich das anziehen, Ben drückt ihm ein Kleidungsstück in die Hand, und ihm folgen! Und ohne auf Michaels Blicke zu achten führt er den Jungen in eins ihrer Zimmer.

Lindsay weist zwei Männer an, die ein Gemälde aufhängen – „nein, zu hoch... nein, das ist zu tief.“ Währenddessen versammelt Emmett seine Kellnerinnen um sich, allesamt Drag Queens. Als Sydney diese sieht ist außer sich. Er warnt Lindsay und Emmett, dass sie besser wissen, was sie da täten, denn er sei ein großes Risiko eingegangen, als er Linds die Verantwortung für die Eröffnung übertrug! Energisch schnauzt er einige der Kellnerinnen an, sie sollten ihm aus dem Weg gehen, die lediglich pfeifen und sich angemacht fühlen. Lindsay, die anscheinend kurz vor einem Nervenzusammenbruch steht, wird von Emmett zu einer Treppe geführt, wo sie sich hinsetzen. Dort erzählt sie ihm, dass sie wirklich hinaus in die wirkliche Welt gehen und sich beweisen wollte! Und nun könne sie sich nichts schöneres vorstellen, als Zuhause zu sein und Gus’ Windeln zu wechseln. Emmett antwortet, dass das mit ihm und Ted genau dasselbe sei – abgesehen von den Windeln, natürlich. Sie verstehen auch beide nicht, wieso überhaupt jemand sein sicheres Zuhause würde verlassen wollen, um sich dem hier auszusetzen... „weil dann nie etwas passieren würde.“ „Du würdest dort sitzen und dich fragen, was hätte sein können.“ Die beiden schauen sich viel-sagend lächelnd an - holen dann tief Luft, ergreifen ihre Hände und helfen sich gegenseitig auf. Emmett geht wieder zu seinen Kellnerinnen, während Lindsay ein neues Gemälde hängt. „Nein, zu hoch... nein, das ist zu tief!“

Am folgenden Morgen kommt Ben aus dem Zimmer des Jungen, der immer noch schläft, und stellt Frühstück auf den Tisch. Michael ist missgelaunt, und Ben fragt ihn, wieso ihm das Schicksal dieses Kindes so egal sei? Das sei doch sonst nicht Michaels Art. Der erwidert, dass er wisse, wohin das hier führe. „Können wir ihn behalten, bitte Mami! Die Antwort ist nein!“ Sie würde niemanden aufnehmen. Habe Ben ihn darum gebeten, fragt dieser lediglich. Michael seufzt, er würde ja lieben, dass Ben so gutherzig sei – „solange ich das nicht durchführe“, antwortet Ben – aber sie hätten genug getan. Was, und nun sollten sie ihn wieder auf die Straße schmeißen, fragt Ben. „Er will unsere Hilfe nicht mal!“ „Aber wenn sein Leben so weiter geht wird er tot sein, bevor er zwanzig ist!“ In diesem Moment verlässt der Junge sein Zimmer und fragt verschlafen nach der Uhrzeit. Als er erfährt, dass es fast Mittag ist, zieht er sich in rasendem Tempo an. Das sei seine beste Geschäftszeit, die ganzen verheirateten Geschäftsleute! Ben kann ihn nicht dazu bewegen, wenigstens zum Essen zu bleiben, also gibt er ihm seine Telefonnummer, falls der Junge irgendetwas bräuchte oder nur reden wollte, und zweihundert Dollar für Notfälle. Der Junge sieht sowohl ihn als auch Michael an, als seien sie wahnsinnig, und geht. Michael sagt, dass sie immerhin mehr für ihn getan hätten als alle anderen, doch Ben erwidert, dass sie sich ihr Gewissen lediglich für den Preis rein gekauft hätten, den der Junge für Sex ohne ein Kondom verlangt. Missmutig starrt Michael auf seinen Teller.

Die Eröffnung ist fabelhaft! Emmetts Kellnerinnen sind wie aus den Gemälden ausgeschnitten, spielerisch bieten sie Häppchen an oder füttern den Besitzer Sydney Bloom sogar persönlich. Die Gäste sind begeistert, lachen, die Blumendekoration um altmodische Lampen herum gewickelt erweckt das Moulin Rouge wieder zum Leben! Emmett wird überhäuft mit Visitenkarten, Lindsay heimst ein riesiges Lob von Sydney und viel Liebe von Melanie ein. Sie bucht Emmett außerdem auch für die nächste Eröffnung, der schon jetzt einen vollen Terminkalender zu haben scheint. Ted sagt ihm, dass er stolz auf ihn ist. Emmett und Lindsay müssen gehen, um sich weiter zu kümmern, und Mel erzählt Ted, wie lustig es sei, dass es sich bei solchen Veranstaltungen eigentlich meistens um ihren Beruf handele und Lindsay zur Unterstützung dort sei... doch heute sei Mel die Ehefrau! Lachend geht sie. Ted spült seine Schmerztablette mit einem Sekt hinunter und sagt zu sich selbst: „Ja. Ich wohl auch.“

Ben beobachtet, wie der Junge unten auf der Straße am Abend in das Auto eines Fremden steigt und davon fährt, die Gestik unmissverständlich. Die Rufe, der Lärm der Stricher ist lauter als Michael, der Ben zum Abendessen ruft, lauter als ihre Unterhaltung, während die gemeinsam essen, lauter als alles andere... .

„Mr. Kinney?“
„Taylor.“
Die Agentur ist dunkel, sie scheinen die einzigen zwei Verbliebenden zu sein, als Justin an Brians Tür klopft. Justin betritt das Büro und setzt sich in den Stuhl vor seinen Schreibtisch. „Du wolltest mich sehen?“, fragt Brian und schiebt seinen Laptop zur Seite. Justin nickt. Er habe nachgedacht. Und habe sich dazu entschlossen, dass Brian ihn wieder zurücknehmen sollte. „Oh?“, fragt Brian. Auch, wenn er einige Fehler gemacht habe, glaubt er, dass Brian einen noch größeren begehen würde, wenn er ihm keine zweite Chance geben würde. „Verstehe.“ Denn jetzt wisse er, wieso Brian ihn wollte, fährt Justin fort. Und er wisse auch, was er von Brian erwarten könne. Brian schweigt, die zweideutige Bitte selbstverständlich verstehend und fragt dann, ob Justin auch wisse, dass er lang, hart und manchmal bis tief in die Nacht hinein arbeiten werden müsste. Justin lächelt nur leicht. „Es wird ein Vergnügen sein, unter ihnen zu arbeiten, Sir.“ Brian schweigt wieder. Dann schaut er Justin an. „Und du darfst nie wieder in meiner Gegenwart Violinenmusik spielen.“
„Ich verspreche es.“, flüstert Justin lächelnd.
Brian nickt wieder, sie sehen sich an, ihre Mundwinkel zucken. Brian steht auf, setzt sich auf die Tischkante vor Justin und sagt ihm, dass er in dem Fall sofort beginnen könnte. Der schaut ihn noch einen Moment lang an, dann schließt er die Tür des Büros. Durch die milchige Scheibe hindurch küssen sich Brian und Justin endlich zum ersten Mal wieder, ziehen sich aus, küssen sich wieder, und wieder zum ersten Mal als sie auf einmal klar und deutlich vor uns stehen, Justin seinen Arm um Brian schlingt, der seinen Nacken küsst... wieder und wieder, wieder und wieder, wie beim ersten Mal.


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