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Ein junges Paar läuft die Liberty Avenue entlang, Hände in einander verschlungen. Die beiden Männer starren beide einem heißen Typen hinterher. „Er ist heiß.“ „Aber nicht so heiß wie du.“ Sie küssen sich liebevoll, schauen wieder geradeaus – und sehen, wie zwei Polizisten auf sie zukommen. Schulter an Schulter laufen sie wie ein breiter Klotz über den Bürgersteig, weder das Paar noch die Uniformierten wollen weichen, doch schließlich trennen sich die Hände der Liebenden, sie lassen sich von den Polizisten auseinanderbringen, und die Liberty Avenue wird all ihrer Farben entraubt und in schwarz-weiß getaucht. Brian und Justin, die das beobachten, sind entsetzt – und Brian macht seinem Frust Luft. Die Straße sei nur noch ein Schatten seiner Selbst, Polizisten in den Bars, Polizisten auf den Straßen, Polizisten in den Clubs, „es ist scheiß deprimierend!“, schnauzt Brian die Polizisten an, greift nach Justins Hinterkopf und zieht ihn in einen übertrieben-leidenschaftlichen Kuss, die Cops hinterher vielsagend angrinsend. Einige Schritte weiter begegnen die beiden Vic und Debbie, eingedeckt in „Vote for Deekins“ Buttons und Kappen, die Flyer verteilen, um Stockwell aufzuhalten. Justin nimmt ebenfalls einen Stapel und hilft mit, aber Brian sagt nur, es bräuchte mehr als nur ein Stück Papier. Michael, Ben und Hunter verlassen mit ihren Fahrrädern die Wohnung, auf dem Weg zum Comicshop, zur Uni und zur Schule. Hunter erzählt, er würde später nach Hause kommen, da er erst zum Chor und dann noch mit Susi lernen wollte. Michael fragt entsetzt, wer Susi sei, und Ben merkt an, dass Hunter sie natürlich auf den Arm nimmt. Hunter lacht und erzählt weiter, er habe seinen alten Freunden erzählt, er arbeite für zwei Schwuchteln die ihn dafür bezahlten, den ganzen Tag nackt in ihrer Wohnung herumzulaufen. Und das sei sogar die Wahrheit! Lachend machen sich die drei auf den Weg. Melanie beschaut sich am Morgen die Wölbung ihres Bauches im Spiegel, während Lindsay sanft darüber streichelt. Es sei einfach so sexy... oder habe Mel sie immer angelogen, als sie damals sagte, Lindsay sei sexy? Vielleicht wollte sie ihre Frau ja einfach nur trösten, weil sie aussah wie ein Wal. Melanie kichert, nein, eine schwangere Frau habe einfach dieses Leuchten – trotz morgendlicher Übelkeit und dem widersprüchlichen Verlangen nach Peperoni-Ananas Pizza. Da holt Lindsay auf einmal einen weißen, flachen Karton aus der Kommode, in dem sich allerdings nicht das italienisch-touristische Nationalgericht, sondern eine wunderschöne kleine Decke für das Baby befindet. Melanie sagt, auf einmal gereizt und angespannt, Lindsay solle das Ding aus dem Haus schaffen, es sei eine jüdische Tradition, niemals vor der Geburt eines Kindes schon etwas für das Kind zu kaufen. Auf dem Weg nach unten entschuldigt sich Lindsay und verspricht, die Decke zurückzugeben. Auf ihrer Couch finden sie Emmett vor, der The Psychology of the Vagina liest. Als er Vic dann auch noch per Handy Bescheid gibt, dass dieser sich doch bitte um das heutige Treffen mit einem Kunden kümmern soll, wissen die Frauen, es ist an der Zeit, etwas zu unternehme. Lindsay setzt sich neben Emmett und sagt ihm, wenn Ted sich zerstören wollte, dann sei das sein Problem, aber Emmett dürfe sich nicht auch zerstören lassen. Emmett wisse das ja, antwortet er, aber Ted war, ist, sein Partner, sein Freund... wenn irgendjemand das verstehen könne, dann doch Melanie und Lindsay. Melanie nickt, gerade deswegen müsse er stark sein. Stark sein, wiederholt Emmett, das habe sein Vater auch immer gesagt und ihm Boxhandschuhe gekauft. Melanie lacht, sie habe Boxen geliebt! „Natürlich“, antwortet Emmett. Er habe Strass auf seine geklebt. „Natürlich“, antwortet Mel. Sie lächeln, und Lindsay fügt hinzu: „Wäre dein Vater nicht überrascht, zu sehen, was für ein Mann du geworden bist?“
Justin weist Brian in dessen Loft darauf hin, dass nicht jeder, der gerade gefeuert wurde, losziehen würde um sich einen neuen 5000 Dollar LCD Fernseher zu kaufen. Denn das ist genau das, was Brian getan hat. Alle möglichen Knöpfe auf der neuen Fernbedienung drückend, um das Gerät einzurichten, fragt der Ex-Werbefachmann allerdings, was er denn sonst mit seiner Zeit anfangen sollte als einzukaufen? In dieser Sekunde erscheint endlich ein Bild auf dem Schirm – und zwar Stockwells Werbespott in dem er Basketball spielt. Brian dreht sich ungläubig weg und Justin lacht nur. Welch ein Zufall. Das erste was Brian auf seinem brandneuen Fernseher sieht ist Stockwell. Doch Brian korrigiert: Es ist kein Zufall. Diese Spots laufen praktisch immer und überall. Er muss es ja wissen – er hat die Sendezeit selbst gekauft.
Ben und Michael fallen in ihrer Mittagspause (selbstverständlich innerhalb ihrer schützenden vier Wände) übereinander her, endlich können sie wieder ungeniert ihr Sexleben genießen! Bis es klopft. Das darf doch nicht wahr sein! Vor der Tür steht eine rothaarige Frau, die ihnen allerdings nichts verkaufen möchte, sondern nach Ben Bruckner sucht. Sie sei wegen Hunter hier, die Schule habe ihr diese Adresse gegeben. „Ich bin seine Mutter.“ Brian sitzt in Bürgermeisterkandidat Deekins’ Wahlbüro und zeigt ihm eine Videokassette. Dieser bezeichnet deren Inhalt als sehr interessant, doch es seien ja alles nur Spekulationen. Warum habe Brian ihm es überhaupt gebracht, wenn man Brians einstige Position in Stockwells Kampagne bedenkt? „Ich hatte schon immer eine loyale Verantwortung gegenüber der Wahrheit.“ Deekins nickt, das Video könnte ihm den Sieg einbringen... oder aber wie ein letzter Akt der Verzweiflung aussehen, und seinem Ruf schaden, sollte es sich als falsch herausstellen. „Stadtrat Deekins...!“, beginnt Brian, doch der Mann unterbricht ihn. Er habe eine saubere Kampagne gehabt, und so würde er es gerne auch zu Ende bringen. Als Melanie in ihrem Wohnzimmer aufräumt, steht auf einmal Emmett vor ihr, angezogen und bereit für die weite Welt. Er müsse Kunden kraulen, Konzepte kreieren, Feiern veranstalten. Richtig so!, sagt Melanie stolz und Emmett antwortet, sie habe ja Recht. Er könne sich nicht von Ted herunterziehen lassen, er habe gar keine andere Wahl, als weiterzumachen. Gerade da klingelt es an der Tür – und wer sonst sollte es sein außer Ted höchstpersönlich, blass, aber nüchtern? Melanie lässt ihn kalt hinein und führt ihn zu Emmett. Ted versucht, einige schüchterne Witze zu machen, er ist wieder der alte Buchhalter, und schließlich tritt er einen weiteren Schritt auf Emmett zu und bittet diesen darum, nach Hause zu kommen. Seien sie denn nicht immer noch Freunde, Geliebte? „Geliebter“, flüstert Emmett wehmütig, „wie sehr ich dieses Wort geliebt habe... .“ Ted antwortet lächelnd, dann sollte er ihn vielleicht daran erinnern, wie es gewesen ist... und küsst ihn. Sie küssen sich, Ted sei immer noch ein hervorragender Küsser, Küsse Küsse Küsse und alles scheint wie vorher, alles wieder beim Alten—bis Melanie ein lautes Geräusch macht. Es sei Zeit für Gus’ Bad sagt sie, und wirft Em einen ermahnenden Blick zu.. Ted verspricht Emmett, aufzuhören, doch Emmett glaubt ihm nicht. Mehr noch, er vertraut ihm nicht. Das trifft bei Ted auf Entsetzen, aber Emmett fragt ihn gereizt, ob Ted ihm denn auch nur den geringsten Anlass dazu gegeben hätte?! „Du bist abhängig!“ Ted streitet das verächtlich ab. Em erwidert, gut, wenn Ted abhängig sein will, kann er ihn nicht davon abhalten – aber er würde ihm dabei zum Teufel noch mal keine Gesellschaft leisten! Da scheint für Ted alles klar zu werden: Melanie und Lindsay haben Emmett gegen ihn gekehrt, richtig? Doch Emmett kann ihn beruhigen. Niemand habe ihn bekehrt, außer Ted selbst. Und er hofft, dass Ted sich Hilfe holen wird—„Ich brauche keine Hilfe! Und du musst mir nicht sagen, was ich zu tun und zu lassen habe!“, schnauzt Ted ihn an und knallt die Haustür hinter sich zu.
Im Woody’s versucht Debbie noch immer, ihre Flyer an den Mann zu bringen, doch nicht nur hört ihr kaum jemand zu, sogar Justin (der aus den Flugblättern Flieger bastelt) und Vic haben schon aufgegeben. Es bringt einfach nichts, bevor diese apathischen Affen Stockwell aufhalten fällt ein Komet auf die Erde. Dann wird die arme Debbie auch noch mit zwei tottraurigen Menschen konfrontiert: Michael und Ben sitzen deprimiert an einem Tisch. Wie kann Hunters Mutter einfach so auftauchen und ihn ihnen wegnehmen?! Sie weiß doch gar nichts über ihn, weder, wie er sich durchs Leben geschlagen noch dass er HIV hat. Sie haben ihn aus reiner Liebe aufgenommen... und jetzt... . Debbie küsst ihren Sohn, sie verstehe das ja, aber ein Kind gehört zu seiner Mutter. Melanie und Lindsay gönnen sich das, was Michael und Ben verwehrt geblieben ist: Sie knien auf ihrem großen Bett und küssen sich, genüsslich, sinnlich, Melanies Reißverschluss gleitet nach unten, Linds’ Knöpfe gehen auf, während sie ihre schwangere Frau langsam in die weichen Kissen drückt. Lindsay lächelt vielsagend, verheißungsvoll, küsst Mel wieder und streichelt ihren Hals entlang, zu ihren Brüsten, gefolgt von Lippen und Zunge. Lindsays blonde Strähnen fallen in ihr Gesicht als sie die Nippel ihrer Frau verwöhnt, Melanies Kopf fällt genussvoll nach hinten und hebt sich wieder, als Linds sich ihrem Bauch zu wendet, diesen sanft küsst, und ihr zuflüstert, dass sie ihn mit Öl einreiben und massieren wird... Melanie stöhnt, warum haben sie bloß kein Massageöl?!, aber Lindsay hat eine Überraschung parat: Sie hat ein Set gekauft, es befindet sich in der unteren Schublade. Melanie beugt sich zur Seite, öffnet die Schublade, Lindsay ruft noch „nein!“, aber es zu spät, Mel hat den weißen, flachen Karton entdeckt. Linds versucht, es mit Humor zu nehmen, aber Melanie klingt auf einmal hart und wieder verspannt. Lindsay solle endlich dieses Ding hier herausschaffen! Auf den verwirrten Blick ihrer Frau hin nimmt Mel sich ein Kissen, umarmt es fest und erzählt Linds, wieso sie so sehr darauf besteht: Als sie klein war, sagten ihre Eltern ihr, sie würde ein kleines Geschwisterchen bekommen. Sie freuten sich sehr, richteten das Kinderzimmer ein, kauften Spielzeug und Kleidung für das Baby. Dann, in ihrem ersten Trimester, hatte Melanies Mutter eine Fehlgeburt. Sie gab sich jahrelang die Schuld daran, sagte, es sei arrogant von ihnen gewesen, zu glauben, dass das Erschaffen von Leben in ihrer Hand liegt und nicht in der von Gott. Und jetzt... jetzt steht Melanie kurz vor dem Ende ihres ersten Trimesters. Was, wenn ihr dasselbe passiert? Als sie ihre Frau das fragt, sieht Melanie fast so hilflos und geängstigt aus wie das kleine Mädchen, welches doch kein Geschwisterkind bekam. Lindsay streichelt tröstend über das Kissen. Brian und Justin sind in den Toiletten des Babylons, als Justin fragt, wer denn diese Besorgten Bürger um die Wahrheit, Concerned Citiziens for the Truth, eigentlich seien. „Ein Haufen Irrer.“ „Ein Haufen Irrer mit Geld!“ Brian bestätigt das. Der Spot koste jedes Mal, wenn er läuft, 5000 Dollar, und er wird jede Stunde bis zur Wahl gezeigt werden. Auch Ted ist im Babylon, mit Dr. Marc – auf Drogen. Emmett beobachtet ihn von Weitem, scheinbar hin- und hergerissen, als Brian und Justin zu ihm kommen. Justin geht zur Bar, um ihm einen Cosmo auszugeben, während Brian Emmetts Hand ergreift und ihn auf die Tanzfläche zieht. Emmett ist erst völlig erstaunt, denn er und Brian haben das noch nie getan. Brian lächelt nur und erwidert, das sei wirklich Schade, sie würden doch so ein hübsches Paar abgeben, sie sind beide... groß. Also tanzen sie, tatsächlich beide gleich groß, der König und die Königin... und Brian bemerkt, wie Emmett wieder und wieder zu Ted schaut. Er sagt ihm, dass Emmett Ted gehen lassen müsse. „Er ist tot.“ „Er ist nicht tot!“ „Ja, aber das wird er bald sein. Aber das ist sein Problem, nicht deins.“ Vor Unglaube über Brians Grausamkeit bleibt Emmett stehen. Brian lächelt und sagt, Emmett sollte einfach weiter tanzen. Doch Emmett fragt, wie er so herzlos sein kann. Brian lächelt nur weiter, es brauche etwas Übung aber letztlich hat man den Dreh raus. Emmett schüttelt nur den Kopf und will gehen, doch Brian schreit im hinterher: „Dann geh doch! Zeige ihm, wie sehr du ihn liebst. Lass ihn dich auch umbringen!“ Emmett bleibt stehen, erneut, zögert. Dann dreht er sich um, tanzt weiter mit Brian. Ted beobachtet das, geschockt, wütend, entsetzt? Ted geht mit seinen „Freunden“ an Em vorbei. Ein langer, kalter, Blick wird zwischen den beiden ausgetauscht, doch Emmett beobachtet Ted nicht weiter, sondern tanzt einfach wie wild, als müsste er gegen all seinen Schmerz antanzen, Brian immer neben ihm.
In ihrer Wohnung sortiert Michael gerade die Wäsche, während er Pläne macht: Sie könnte doch heute Abend mit Hunter essen und danach ins Kino gehen. Aber Ben ist und bleibt Realist: Sie müssen es ihm sagen. Gerade da betritt der Junge die Wohnung, bietet Ben fettige Donuts an. Der lehnt dankend ab und bringt es mit Mühe über sich, zu sagen, sie müssten mit ihm reden. Jemand, der Hunter sehr gerne wiedersehen würde, habe sie besucht... „deine Mutter.“
Ein ganz normaler Besuch im Hause Kinney: Justin möchte sich Brians Briefmarkensammlung ansehen, also macht er sich auf den langen Weg zum Loft. Doch im Eingang der Wohnung muss der Ex-Student überrascht feststellen, dass zwei Männer mit dem berühmt-berüchtigten Gemälde des nackten Mannes an ihm vorbei nach unten laufen. Laut ruft der verwirrte jungen Mann Brians Namen, „wieso gibst du den Nackten Kerl weg?... und dein Esstisch und dein italienisches Sofa...“ Brians Loft ist praktisch leer. Esstisch, Chaise Longue, Stühle, Couch, Sessel, Tisch, nichts mehr da. Brian meint er will umdekorieren. Etwas... minimales, das sich seinem aktuellen Kontostand anpasst. Lediglich Kleinigkeiten, Brians Schreibtisch, sein Computer und ein Wägelchen mit Rädern, auf dem der Alkohol steht, ist geblieben. Dort befindet sich Brian auch, nachdem er die Möbelpacker entlassen hat, um sich eine Zigarette zu nehmen. Justin kratzt sich am Kopf, er habe Brian doch gesagt, es war nicht unbedingt die beste Zeit gewesen, um sich einen Fernseher zu—oh. Auch der ist nämlich weg. Justin greift nach Brians Hand, „Brian, wenn du in Schwierigkeiten bist, ich könnte dir sicher was leihen...“ „100.000 Dollar?“
Ted, krank, dunkle Ringe unter seinen Augen, unrasiert und schmutzig, taumelt durch ein fremdes Haus. Er scheint noch immer nicht ganz nüchtern, schwach und „verkatert“ wären noch geschmeichelt. Überall sind nackte, rauchende, Drogen-konsumierende Männer. Schließlich findet er Dr. Marc, der einen Joint rauchend auf einer Couch sitzt. Ted sagt, er muss wohl weggetreten sein, was Dr. Marc bestätigt, er war ja schließlich für ein paar Tage auf den Beinen. Dr. Marc bietet Ted eine Pfeife mit Crystal an, aber bevor Ted einen Zug nimmt, fällt ihm auf, dass viele Männer aufgeregt jubelnd um den Fernseher herum versammelt sind. Dort läuft ein selbstgedrehter Porno, ein Gang Bang, an dem sie sich aufgeilen. Ted lächelt verschlafen. „Das sieht heiß aus.“ „Es ist heiß“, sagt Dr. Marc. Ted schaut noch immer lächelnd, gebannt auf den Bildschirm, entzündet schon das Feuerzeug für die Pfeife, er findet es heiß, sexy... viele Männer ficken einen, der auf dem Rücken unter ihnen liegt, wie ein Tier, sie werden angefeuert, heißt, sexy, das Gesicht des Mannes kommt ins Bild, immer näher, erst unscharf, dann schärfer, immer näher, immer schärfer – es ist Ted.
Es ist Wahltag! Debbie feiert das, indem sie nur den Kunden ihr Essen serviert, die bereits gewählt haben. Und das zieht sie durch. Justin schafft es, einen kleinen Fernseher einsatzbereit zu machen gerade als Brian und Michael eintreten, um sich einen Zitronenkuchen mitzunehmen, doch Debbie verbietet es ihnen. Im Fernsehen erscheint gerade Stockwells Gesicht, der einer Frau in einer Sendung versichert, er habe mit dem Mord an dem schwulen jungen Mann nichts zu tun. Dieses Video sei einfach ein Versuch, ihm in letzter Minute zu schaden. Brian schüttelt angewidert den Kopf, und die beiden lassen sich wieder hinausjagen.
Das Bild ist furchtbar unscharf, gehalten in grünem und grauen Licht. Ein Mann geht einen Korridor entlang, das Bild wird schärfer. Es ist Ted. Noch immer in demselben grünen Hemd, dass er vor ein paar Tagen in Mel und Linds Haus, im Babylon und vor einigen Momenten auf Dr. Marcs Party trug. Er sieht kränker aus denn je, aber er ist wieder Ted, der tief, tief durchatmet, einmal, zweimal, dreimal... und dann den Mann hinter der Rezeption anspricht: „Entschuldigen Sie bitte.“ Der Mann, der seinen Blick gerade noch zum über die Wahlen berichtenden Fernseher gewandt hatte, schenkt Ted lächelnd seine Aufmerksamkeit und Ted fährt fort „Hi. ...mein Name ist Ted Schdmidt...“, er schnieft, sieht aus, als könnte er die Tränen nur mit Mühe zurückhalten „...und... ich brauche Hilfe.“ Michael, Ben und Hunter kommen vom Einkaufen zurück, und sowohl Ben als auch Michael berichten von unheimlich langen Schlangen vor den Wahllokalen. Vor ihrer Haustür erwartet sie allerdings niemand anders als Rita Montgomery, die laut den Namen ihres Sohnes kreischt: „Jimmy?!“ Hunter fährt hoch, schrumpft sofort in sich zusammen, als seine Mutter auf ihn zu schreitet, „Oh mein Gott, ich hab’ dich ja kaum erkannt, du bist ja richtig erwachsen geworden!“ Sie will ihn umarmen, aber Hunter weicht zurück und Ben und Michael stellen sich schützend vor ihnen. „Mrs. Montgomery, wir haben uns dazu entschlossen, dass Hunter bei uns bleibt.“ Die schaut sie verständnislos an. „Wieso?“ „Weil er es so will.“ Ben schaltet sich auch ein. „Nachdem was er uns gesagt hat, geht er nirgends hin.“ „Was hat er denn erzählt? Noch mehr Geschichten?“ Michael sieht sie scharf an, „Wie sie ihn als ‚steuerfreies Nebeneinkommen’ genutzt haben.“ Rita schweigt, hat Michael einen Nerv getroffen oder nicht?, und schnell wird sie dann grantig: „Ich weiß zwar nicht, was Jimmy erzählt hat, aber ich habe eine Ahnung, wieso Sie ihn bei sich behalten wollen. Und wenn ich der Polizei erzähle, dass mein Sohn bei zwei Schwuchteln—“ „gut, Mrs. Montgomery, das reicht, also wenn es Ihnen nichts ausmachen würde“, unterbricht Ben sie, den Arm fest um Hunter gelegt, doch jetzt hat Rita Montgomery erst richtig angefangen. Sie greift sich Hunter, küsst ihn auf die Wange, der scheint einfach nur wie erstarrt, sie verspricht ihm, dass sie kommen und ihn holen wird! Ben nimmt Hunter mit ins Haus, schnell, nur weg von dieser Frau, aber Michael schaut ihr lange nach, mit einem Blick, der sie töten könnte.
Die Entzugsklinik ist völlig deprimierend. Grün, grau, das Licht zeichnet Augenringe und blasse Haut stärker, als sie sind, im Aufenthaltsraum schauen die sich immerzu unruhig bewegenden Patienten fern, eine Frau steht in der Ecke, hinten an einem Tisch isst jemand, während Ted sich zitternd einen Becher Kaffee nimmt, totunglücklich wie nie zuvor. Auf einmal sagt jemand seinen Namen: „Ted?“ Im Woody’s läuft die Wahl auf einem großen Flachbildfernseher. Debbie, Vic, Rodney, Lindsay, Emmett, Brian und Justin sind neben vielen anderen dort versammelt und verfolgen die Zählung der Stimmen: Nach wie vor sei das Ergebnis laut Sprecherin noch zu knapp, um verkündet zu werden oder auch nur eine Prognose zu stellen. Debbie fragt frustriert, ob ihr jemand anderes seine Nägel zum Kauen anbieten kann, weil sie mit ihren schon fertig ist, woraufhin Brian ihr seine eigenen reicht. Sie lacht nur, ergreift mütterlich seine Hand und küsst seine Schläfe liebevoll – welch ein Akt der Großherzigkeit. Lindsay sagt, sie erinnere das alles an die Wahl zur Homecoming Queen – zum Glück gewann sie das. „Ach, du auch?“, fragt Emmett, und alle müssen lachen. Vic bemerkt zwar, er möchte nicht theatralisch werden, aber er hat schon zwei Bushes, Nixon und Reagan hinter sich, und wenn er das alles überstehen kann, und noch viel mehr, dann werden sie auch Stockwell überstehen. Darauf stoßen alle einstimmig an. Vor Bens und Michaels Haustür steigt Rita Montgomery aus einem Polizeiauto. Hunter, der das vom Fenster aus beobachtet, sagt den beiden aufgeregt Bescheid – was sollen sie denn jetzt machen?! Ben antwortet, sie müssten ruhig bleiben, vielleicht sollte Hunter einfach eine Nacht lang mit ihr gehen, und am nächsten Tag werden sie sich einen Anwalt besorgen und die beste Strategie herausfinden, um das Problem zu lösen. „Nein, ihr habt’s versprochen!“, schreit Hunter. „Es ist doch nur eine Nacht – oder, Micheal?“ Michael, der bisher geschwiegen hat, sieht Ben jetzt auf einmal fanatisch an: „Nein. Du weißt ganz genau, dass wenn wir ihn jetzt gehen lassen, wir ihn niemals wiedersehen werden. Denn was auch immer sie ihm angetan hat, sie ist immer noch seine Mutter und wir nur die zwei Schwuchteln!“ Er ergreift Hunters Arm und zieht daran, „komm jetzt!“, „Michael! Wohin willst du?“, „weg!“, Michael und Hunter ziehen sich ihre Jacken an, Ben völlig verzweifelt, „Michael, glaubst du wirklich, dass das die richtige Entscheidung ist?“ „Nein“, antwortet er, „aber gerade jetzt ist mir das scheiß egal!“ Er nimmt Bens Gesicht in seine Hände und küsst ihn heftig, während Hunter schon die Tür geöffnet hat, scheiße, wie lang soll das denn noch dauern? „Leute, wenn ihr euch weiter fickt bin ich im Arsch!“ Ben folgt den beiden auf den Flur, immer noch Michaels Namen rufend, der die Tür zur Hintertreppe aufstößt, doch Hunter geht noch einmal zurück. „Wenn du was vergessen hast, lass es einfach da, wir haben keine Zei—“, aber Hunter fällt Ben einfach nur in die Arme. Er drückt ihn so fest, als sei es ein Abschied für immer, dann stürmt er mit Michael die Treppe hinunter, als vom Eingang her schon die Polizei zu hören ist.
Der Fernseher läuft immer noch, die Moderatoren reden irgendwelchen unwichtigen Unsinn über Hühnchenbrust, als die Frau auf einmal inne hält und an ihr Headset greift. Sie hat soeben eine Nachricht über die Wahlen erhalten: „Jetzt, da 84 % der Stimmen gezählt sind, können wir den Sieger verkünden: Es ist Kandidat Deekins.“
“I feel so extraordinary |
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