Queer as Folk - Episode 3.14

Nach Unten

Ein junges Paar läuft die Liberty Avenue entlang, Hände in einander verschlungen. Die beiden Männer starren beide einem heißen Typen hinterher. „Er ist heiß.“ „Aber nicht so heiß wie du.“ Sie küssen sich liebevoll, schauen wieder geradeaus – und sehen, wie zwei Polizisten auf sie zukommen. Schulter an Schulter laufen sie wie ein breiter Klotz über den Bürgersteig, weder das Paar noch die Uniformierten wollen weichen, doch schließlich trennen sich die Hände der Liebenden, sie lassen sich von den Polizisten auseinanderbringen, und die Liberty Avenue wird all ihrer Farben entraubt und in schwarz-weiß getaucht.
Brian und Justin, die das beobachten, sind entsetzt – und Brian macht seinem Frust Luft. Die Straße sei nur noch ein Schatten seiner Selbst, Polizisten in den Bars, Polizisten auf den Straßen, Polizisten in den Clubs, „es ist scheiß deprimierend!“, schnauzt Brian die Polizisten an, greift nach Justins Hinterkopf und zieht ihn in einen übertrieben-leidenschaftlichen Kuss, die Cops hinterher vielsagend angrinsend. Einige Schritte weiter begegnen die beiden Vic und Debbie, eingedeckt in „Vote for Deekins“ Buttons und Kappen, die Flyer verteilen, um Stockwell aufzuhalten. Justin nimmt ebenfalls einen Stapel und hilft mit, aber Brian sagt nur, es bräuchte mehr als nur ein Stück Papier.

Michael, Ben und Hunter verlassen mit ihren Fahrrädern die Wohnung, auf dem Weg zum Comicshop, zur Uni und zur Schule. Hunter erzählt, er würde später nach Hause kommen, da er erst zum Chor und dann noch mit Susi lernen wollte. Michael fragt entsetzt, wer Susi sei, und Ben merkt an, dass Hunter sie natürlich auf den Arm nimmt. Hunter lacht und erzählt weiter, er habe seinen alten Freunden erzählt, er arbeite für zwei Schwuchteln die ihn dafür bezahlten, den ganzen Tag nackt in ihrer Wohnung herumzulaufen. Und das sei sogar die Wahrheit! Lachend machen sich die drei auf den Weg.

Melanie beschaut sich am Morgen die Wölbung ihres Bauches im Spiegel, während Lindsay sanft darüber streichelt. Es sei einfach so sexy... oder habe Mel sie immer angelogen, als sie damals sagte, Lindsay sei sexy? Vielleicht wollte sie ihre Frau ja einfach nur trösten, weil sie aussah wie ein Wal. Melanie kichert, nein, eine schwangere Frau habe einfach dieses Leuchten – trotz morgendlicher Übelkeit und dem widersprüchlichen Verlangen nach Peperoni-Ananas Pizza. Da holt Lindsay auf einmal einen weißen, flachen Karton aus der Kommode, in dem sich allerdings nicht das italienisch-touristische Nationalgericht, sondern eine wunderschöne kleine Decke für das Baby befindet. Melanie sagt, auf einmal gereizt und angespannt, Lindsay solle das Ding aus dem Haus schaffen, es sei eine jüdische Tradition, niemals vor der Geburt eines Kindes schon etwas für das Kind zu kaufen. Auf dem Weg nach unten entschuldigt sich Lindsay und verspricht, die Decke zurückzugeben. Auf ihrer Couch finden sie Emmett vor, der The Psychology of the Vagina liest. Als er Vic dann auch noch per Handy Bescheid gibt, dass dieser sich doch bitte um das heutige Treffen mit einem Kunden kümmern soll, wissen die Frauen, es ist an der Zeit, etwas zu unternehme. Lindsay setzt sich neben Emmett und sagt ihm, wenn Ted sich zerstören wollte, dann sei das sein Problem, aber Emmett dürfe sich nicht auch zerstören lassen. Emmett wisse das ja, antwortet er, aber Ted war, ist, sein Partner, sein Freund... wenn irgendjemand das verstehen könne, dann doch Melanie und Lindsay. Melanie nickt, gerade deswegen müsse er stark sein. Stark sein, wiederholt Emmett, das habe sein Vater auch immer gesagt und ihm Boxhandschuhe gekauft. Melanie lacht, sie habe Boxen geliebt! „Natürlich“, antwortet Emmett. Er habe Strass auf seine geklebt. „Natürlich“, antwortet Mel. Sie lächeln, und Lindsay fügt hinzu: „Wäre dein Vater nicht überrascht, zu sehen, was für ein Mann du geworden bist?“

Justin weist Brian in dessen Loft darauf hin, dass nicht jeder, der gerade gefeuert wurde, losziehen würde um sich einen neuen 5000 Dollar LCD Fernseher zu kaufen. Denn das ist genau das, was Brian getan hat. Alle möglichen Knöpfe auf der neuen Fernbedienung drückend, um das Gerät einzurichten, fragt der Ex-Werbefachmann allerdings, was er denn sonst mit seiner Zeit anfangen sollte als einzukaufen? In dieser Sekunde erscheint endlich ein Bild auf dem Schirm – und zwar Stockwells Werbespott in dem er Basketball spielt. Brian dreht sich ungläubig weg und Justin lacht nur. Welch ein Zufall. Das erste was Brian auf seinem brandneuen Fernseher sieht ist Stockwell. Doch Brian korrigiert: Es ist kein Zufall. Diese Spots laufen praktisch immer und überall. Er muss es ja wissen – er hat die Sendezeit selbst gekauft.
Justin will Brian aufmuntern und zeigt ihm die Skizze für einen neuen Bösewicht für RAGE. Razorback – ein Schweine-ähnliches Monster. Dank eines herzlosen Werbefachmanns allerdings kann Razorback fast-menschliche Gestallt annehmen und kandiert für das Amt des Bürgermeisters von Gayopolis. Brian sagt, dass er beeindruckt sei, wie Justin bloß immer auf solche Ideen kommt. Justin redet weiter: Razorback hat schon fast alle Menschen dazu gebracht, ihn zu wählen. Doch was die Wähler nicht wissen ist, dass er sie ins Schlachthaus schicken wird. Also muss Rage seine Gedankenkräfte einsetzen um die bösen Machenschaften von Razorback aufzudecken und die Menschen wieder zu Vernunft zu bringen. „Wenn es bloß einen echten Rage geben würde, der jedermanns Meinung ändert.“ Brian schaut, Justin anscheinend nicht zuhörend, wieder auf den Bildschirm und drückt weiter auf der Fernbedienung herum – nur um dieses Mal bei dem Werbespot mit Stockwell und dessen Söhnen zu landen.

Ben und Michael fallen in ihrer Mittagspause (selbstverständlich innerhalb ihrer schützenden vier Wände) übereinander her, endlich können sie wieder ungeniert ihr Sexleben genießen! Bis es klopft. Das darf doch nicht wahr sein! Vor der Tür steht eine rothaarige Frau, die ihnen allerdings nichts verkaufen möchte, sondern nach Ben Bruckner sucht. Sie sei wegen Hunter hier, die Schule habe ihr diese Adresse gegeben. „Ich bin seine Mutter.“
Das war es wohl mit dem Sex. Michael, Ben und Rita Montgomery sitzen am Esstisch; schrill lachend stellt sie richtig, dass Hunter gelogen hat: Sie habe ihren Mann doch nicht umgebracht! Obwohl sie ab und zu natürlich daran dachte... er habe sie betrogen und sie mit einem Kind allein gelassen, ohne einen Cent. Ihre wirren, roten Locken sind in einem Zopf zusammengebunden. Sie habe sich kaum selbst versorgen können, deswegen gab sie James – Jimmy – in eine Pflegefamilie. Ben nickt verständnisvoll. Rita sagt, sie habe Social Services angerufen, doch der habe ihr gesagt, ihr Sohn sei davon gelaufen, seitdem habe sie ihn gesucht. Sie kann sich nicht vorstellen, wie er all die Zeit alleine überlebt hat. Ben und Michael sehen sich schweigend an, doch sagen nichts von Hunters ehemaligem „Job“, sondern nur, dass er in sehr schlechter Verfassung war. Rita sagt den beiden, sie seien Engel! Engel! Es folgt kurzes Schweigen – dann räuspert Michael sich. Will sie von nun an mit Hunter in Kontakt bleiben? Aber Rita will mehr tun. Jetzt, wo sie eine Wohnung und einen Job hat, will sie ihn wieder zu sich nehmen!

Brian sitzt in Bürgermeisterkandidat Deekins’ Wahlbüro und zeigt ihm eine Videokassette. Dieser bezeichnet deren Inhalt als sehr interessant, doch es seien ja alles nur Spekulationen. Warum habe Brian ihm es überhaupt gebracht, wenn man Brians einstige Position in Stockwells Kampagne bedenkt? „Ich hatte schon immer eine loyale Verantwortung gegenüber der Wahrheit.“ Deekins nickt, das Video könnte ihm den Sieg einbringen... oder aber wie ein letzter Akt der Verzweiflung aussehen, und seinem Ruf schaden, sollte es sich als falsch herausstellen. „Stadtrat Deekins...!“, beginnt Brian, doch der Mann unterbricht ihn. Er habe eine saubere Kampagne gehabt, und so würde er es gerne auch zu Ende bringen.

Als Melanie in ihrem Wohnzimmer aufräumt, steht auf einmal Emmett vor ihr, angezogen und bereit für die weite Welt. Er müsse Kunden kraulen, Konzepte kreieren, Feiern veranstalten. Richtig so!, sagt Melanie stolz und Emmett antwortet, sie habe ja Recht. Er könne sich nicht von Ted herunterziehen lassen, er habe gar keine andere Wahl, als weiterzumachen. Gerade da klingelt es an der Tür – und wer sonst sollte es sein außer Ted höchstpersönlich, blass, aber nüchtern? Melanie lässt ihn kalt hinein und führt ihn zu Emmett. Ted versucht, einige schüchterne Witze zu machen, er ist wieder der alte Buchhalter, und schließlich tritt er einen weiteren Schritt auf Emmett zu und bittet diesen darum, nach Hause zu kommen. Seien sie denn nicht immer noch Freunde, Geliebte? „Geliebter“, flüstert Emmett wehmütig, „wie sehr ich dieses Wort geliebt habe... .“ Ted antwortet lächelnd, dann sollte er ihn vielleicht daran erinnern, wie es gewesen ist... und küsst ihn. Sie küssen sich, Ted sei immer noch ein hervorragender Küsser, Küsse Küsse Küsse und alles scheint wie vorher, alles wieder beim Alten—bis Melanie ein lautes Geräusch macht. Es sei Zeit für Gus’ Bad sagt sie, und wirft Em einen ermahnenden Blick zu.. Ted verspricht Emmett, aufzuhören, doch Emmett glaubt ihm nicht. Mehr noch, er vertraut ihm nicht. Das trifft bei Ted auf Entsetzen, aber Emmett fragt ihn gereizt, ob Ted ihm denn auch nur den geringsten Anlass dazu gegeben hätte?! „Du bist abhängig!“ Ted streitet das verächtlich ab. Em erwidert, gut, wenn Ted abhängig sein will, kann er ihn nicht davon abhalten – aber er würde ihm dabei zum Teufel noch mal keine Gesellschaft leisten! Da scheint für Ted alles klar zu werden: Melanie und Lindsay haben Emmett gegen ihn gekehrt, richtig? Doch Emmett kann ihn beruhigen. Niemand habe ihn bekehrt, außer Ted selbst. Und er hofft, dass Ted sich Hilfe holen wird—„Ich brauche keine Hilfe! Und du musst mir nicht sagen, was ich zu tun und zu lassen habe!“, schnauzt Ted ihn an und knallt die Haustür hinter sich zu.

Im Woody’s versucht Debbie noch immer, ihre Flyer an den Mann zu bringen, doch nicht nur hört ihr kaum jemand zu, sogar Justin (der aus den Flugblättern Flieger bastelt) und Vic haben schon aufgegeben. Es bringt einfach nichts, bevor diese apathischen Affen Stockwell aufhalten fällt ein Komet auf die Erde. Dann wird die arme Debbie auch noch mit zwei tottraurigen Menschen konfrontiert: Michael und Ben sitzen deprimiert an einem Tisch. Wie kann Hunters Mutter einfach so auftauchen und ihn ihnen wegnehmen?! Sie weiß doch gar nichts über ihn, weder, wie er sich durchs Leben geschlagen noch dass er HIV hat. Sie haben ihn aus reiner Liebe aufgenommen... und jetzt... . Debbie küsst ihren Sohn, sie verstehe das ja, aber ein Kind gehört zu seiner Mutter.
Glücklicherweise tritt da gerade Brian ein, tippt Justin auf die Schulter, um dessen Aufmerksamkeit auf sich zu lenken und ruft dem Barmann zu, „mach den beschissenen Fernseher an!“ Das Ende einer Autowerbung flackert gerade über den Bildschirm, dann füllen auf einmal laute, regelmäßige elektronische Basstöne die Bar. Ein Foto von Jason Kemp erscheint auf dem Bildschirm, und eine Männerstimme beginnt zu erzählen: „Am 11. Mai 2002 wird Jason Kemp, 19 Jahre alt, ermordet.“ Passende Untertitel halten noch einmal fest, welche ungeheuerliche Geschichte dort im Fernsehen ausgestrahlt wird: „Weniger als einen Monat später beendet Polizeipräsident Jim Stockwell die Ermittlungen“, ein Ausschnitt aus Stockwells Kampagne ist zu sehen, dann eine blinkende Polizeisirene, „fünf Tage später tritt Kenneth Rikert, Jim Stockwells Partner, unerwartet vom Polizeidienst zurück.“ Der Werbespot zieht die Aufmerksamkeit jedes der Insassen auf sich, die Basstöne immer noch konstant, „ein Jahr später beweisen DNS-Tests eine Verbindung zwischen Rikert und Jason Kemp in der Nacht seines Todes. Wenige Tage später begeht Kenneth Rikert Selbstmord. Bevor Sie Jim Stockwell zum Bürgermeister wählen, würden Sie nicht gerne einige Antworten haben?“ Das Bild von Jim Stockwell gefriert auf dem Bildschirm, die Stimme verkündet noch, dass dieser Werbespot von den Concerned Citiziens for the Truth, Besorgten Bürgern um die Wahrheit, bezahlt wurde, dann geht das Licht im Woody’s wieder an. Genial!

Melanie und Lindsay gönnen sich das, was Michael und Ben verwehrt geblieben ist: Sie knien auf ihrem großen Bett und küssen sich, genüsslich, sinnlich, Melanies Reißverschluss gleitet nach unten, Linds’ Knöpfe gehen auf, während sie ihre schwangere Frau langsam in die weichen Kissen drückt. Lindsay lächelt vielsagend, verheißungsvoll, küsst Mel wieder und streichelt ihren Hals entlang, zu ihren Brüsten, gefolgt von Lippen und Zunge. Lindsays blonde Strähnen fallen in ihr Gesicht als sie die Nippel ihrer Frau verwöhnt, Melanies Kopf fällt genussvoll nach hinten und hebt sich wieder, als Linds sich ihrem Bauch zu wendet, diesen sanft küsst, und ihr zuflüstert, dass sie ihn mit Öl einreiben und massieren wird... Melanie stöhnt, warum haben sie bloß kein Massageöl?!, aber Lindsay hat eine Überraschung parat: Sie hat ein Set gekauft, es befindet sich in der unteren Schublade. Melanie beugt sich zur Seite, öffnet die Schublade, Lindsay ruft noch „nein!“, aber es zu spät, Mel hat den weißen, flachen Karton entdeckt. Linds versucht, es mit Humor zu nehmen, aber Melanie klingt auf einmal hart und wieder verspannt. Lindsay solle endlich dieses Ding hier herausschaffen! Auf den verwirrten Blick ihrer Frau hin nimmt Mel sich ein Kissen, umarmt es fest und erzählt Linds, wieso sie so sehr darauf besteht: Als sie klein war, sagten ihre Eltern ihr, sie würde ein kleines Geschwisterchen bekommen. Sie freuten sich sehr, richteten das Kinderzimmer ein, kauften Spielzeug und Kleidung für das Baby. Dann, in ihrem ersten Trimester, hatte Melanies Mutter eine Fehlgeburt. Sie gab sich jahrelang die Schuld daran, sagte, es sei arrogant von ihnen gewesen, zu glauben, dass das Erschaffen von Leben in ihrer Hand liegt und nicht in der von Gott. Und jetzt... jetzt steht Melanie kurz vor dem Ende ihres ersten Trimesters. Was, wenn ihr dasselbe passiert? Als sie ihre Frau das fragt, sieht Melanie fast so hilflos und geängstigt aus wie das kleine Mädchen, welches doch kein Geschwisterkind bekam. Lindsay streichelt tröstend über das Kissen.

Brian und Justin sind in den Toiletten des Babylons, als Justin fragt, wer denn diese Besorgten Bürger um die Wahrheit, Concerned Citiziens for the Truth, eigentlich seien. „Ein Haufen Irrer.“ „Ein Haufen Irrer mit Geld!“ Brian bestätigt das. Der Spot koste jedes Mal, wenn er läuft, 5000 Dollar, und er wird jede Stunde bis zur Wahl gezeigt werden. Auch Ted ist im Babylon, mit Dr. Marc – auf Drogen. Emmett beobachtet ihn von Weitem, scheinbar hin- und hergerissen, als Brian und Justin zu ihm kommen. Justin geht zur Bar, um ihm einen Cosmo auszugeben, während Brian Emmetts Hand ergreift und ihn auf die Tanzfläche zieht. Emmett ist erst völlig erstaunt, denn er und Brian haben das noch nie getan. Brian lächelt nur und erwidert, das sei wirklich Schade, sie würden doch so ein hübsches Paar abgeben, sie sind beide... groß. Also tanzen sie, tatsächlich beide gleich groß, der König und die Königin... und Brian bemerkt, wie Emmett wieder und wieder zu Ted schaut. Er sagt ihm, dass Emmett Ted gehen lassen müsse. „Er ist tot.“ „Er ist nicht tot!“ „Ja, aber das wird er bald sein. Aber das ist sein Problem, nicht deins.“ Vor Unglaube über Brians Grausamkeit bleibt Emmett stehen. Brian lächelt und sagt, Emmett sollte einfach weiter tanzen. Doch Emmett fragt, wie er so herzlos sein kann. Brian lächelt nur weiter, es brauche etwas Übung aber letztlich hat man den Dreh raus. Emmett schüttelt nur den Kopf und will gehen, doch Brian schreit im hinterher: „Dann geh doch! Zeige ihm, wie sehr du ihn liebst. Lass ihn dich auch umbringen!“ Emmett bleibt stehen, erneut, zögert. Dann dreht er sich um, tanzt weiter mit Brian. Ted beobachtet das, geschockt, wütend, entsetzt? Ted geht mit seinen „Freunden“ an Em vorbei. Ein langer, kalter, Blick wird zwischen den beiden ausgetauscht, doch Emmett beobachtet Ted nicht weiter, sondern tanzt einfach wie wild, als müsste er gegen all seinen Schmerz antanzen, Brian immer neben ihm.

In ihrer Wohnung sortiert Michael gerade die Wäsche, während er Pläne macht: Sie könnte doch heute Abend mit Hunter essen und danach ins Kino gehen. Aber Ben ist und bleibt Realist: Sie müssen es ihm sagen. Gerade da betritt der Junge die Wohnung, bietet Ben fettige Donuts an. Der lehnt dankend ab und bringt es mit Mühe über sich, zu sagen, sie müssten mit ihm reden. Jemand, der Hunter sehr gerne wiedersehen würde, habe sie besucht... „deine Mutter.“
„Scheiße! Wie hat sie mich gefunden?! Fuck!“ Hunter rennt, aus der Wohnung, schleudert die Tür auf, hinaus in den Flur, aus dem Haus, in dem schwarz-weißen Film, der im Fernsehen läuft, tönen Polizeisirenen, als Ben und Michael ihm hinterher hetzen, Hunter rennt mit der Geschwindigkeit eines Verzweifelten die Straße hinunter, aber schließlich bekommt Ben in zu packen, was um Gottes Willen tue er denn da?! Hunter antwortet, so schnell und weit weg von hier zu kommen wie möglich! Ben erklärt ihm, dass Rita sich schrecklich fühlt, ihn weggegeben zu haben, doch Hunter schreit, seine Mutter sei eine verdammte Lügnerin! Michael erwidert, er habe sie doch auch angelogen, seine Mutter hat seinen Vater gar nicht umgebracht. „Oh, entschuldige“, antwortet Hunter aufgebracht, „sie hat ja nur auf ihn eingestochen!“ Michael und Ben versuchen, ihm zu erklären, dass seine Mutter gerne einen Neuanfang mit ihm hätte, doch der lacht nur hohl: „Ich weiß, wieso sie mich wiederhaben will. Steuerfreies Nebeneinkommen.“
Die beiden schweigen. Sie trauen sich nicht, zu fragen. Schließlich fasst Ben sich ein Herz: „Wie das?“ Hunter schweigt. Der freche, unverschämte Jugendliche sinkt auf der Straße in sich zusammen, setzt sich auf den Boden, völlig gelähmt. „...magst du junge Schwänze?“, flüstert er, „für 50 Dollar kannst du ihn blasen, für 100 mich ficken.“
Michael und Ben wissen nicht, was sie sagen sollen. Sie sind völlig erstarrt, und Hunter steht schon wieder auf, bereit zu rennen, weil er befürchtet, sie glauben ihm nicht, aber Michael hält ihn auf. „Wir glauben dir. Wir werden dich auf gar keinen Fall mit ihr gehen lassen. Das ist ein Versprechen, okay?“

Ein ganz normaler Besuch im Hause Kinney: Justin möchte sich Brians Briefmarkensammlung ansehen, also macht er sich auf den langen Weg zum Loft. Doch im Eingang der Wohnung muss der Ex-Student überrascht feststellen, dass zwei Männer mit dem berühmt-berüchtigten Gemälde des nackten Mannes an ihm vorbei nach unten laufen. Laut ruft der verwirrte jungen Mann Brians Namen, „wieso gibst du den Nackten Kerl weg?... und dein Esstisch und dein italienisches Sofa...“ Brians Loft ist praktisch leer. Esstisch, Chaise Longue, Stühle, Couch, Sessel, Tisch, nichts mehr da. Brian meint er will umdekorieren. Etwas... minimales, das sich seinem aktuellen Kontostand anpasst. Lediglich Kleinigkeiten, Brians Schreibtisch, sein Computer und ein Wägelchen mit Rädern, auf dem der Alkohol steht, ist geblieben. Dort befindet sich Brian auch, nachdem er die Möbelpacker entlassen hat, um sich eine Zigarette zu nehmen. Justin kratzt sich am Kopf, er habe Brian doch gesagt, es war nicht unbedingt die beste Zeit gewesen, um sich einen Fernseher zu—oh. Auch der ist nämlich weg. Justin greift nach Brians Hand, „Brian, wenn du in Schwierigkeiten bist, ich könnte dir sicher was leihen...“ „100.000 Dollar?“
Justin starrt Brian an. „...wieviel?“ Brian legt die Zigarette wieder weg, schreitet durch sein nun bis auf ein paar Kissen völlig entkleidetes Wohnzimmer und streicht gestresst über seinen Nacken. „Der Preis für zwanzig dreißig-Sekunden-lange TV-Spots in den Prime-Time Werbeslots.“ Er steht mit dem Rücken zu Justin, vermutlich völlig entsetzt über die gähnende Leere. Justin fragt: „Ich dachte das sei bezahlt worden, von den...“, Brian dreht sich auf den Fersen um, Arme ausgebreitet: „Darf ich vorstellen? Die Besorgten Bürger um die Wahrheit.“
Brian hat dafür fünf Kreditkarten bis zum Limit aufgebraucht. Justin kann es einfach nicht glauben. Er kann nicht. Brian?! Diese Besorgen Bürger sind wirklich Irre! Wie um festzustellen, ob Brian auch wirklich existiert, streicht Justin über die Oberarme seines Partners, nimmt seine Hand. Brian wirkt plötzlich schwach, sagt, er erlebe gerade Besitz-Entzugserscheinungen und zieht Justin erledigt auf sein Bett – er würde eher eine Niere verkaufen als sein Bett – und lässt sich in die Kissen sinken. Justin ist immer noch fassungslos, das ist ja so... „Nobel?“ „Untypisch. Wieso hast du das getan?“ Brian wendet sich ihm zu: „Irgend so ein Arschloch hat mir gesagt, wenn man an etwas glaubt, dann muss man alles dafür opfern.“ Justin schweigt kurz... dann küsst er Brian. Sie schauen sich wieder an und küssen sich dann noch einmal, länger, in dem leeren, leeren Loft. Wenn man an etwas glaubt, muss man alles dafür opfern... .

Ted, krank, dunkle Ringe unter seinen Augen, unrasiert und schmutzig, taumelt durch ein fremdes Haus. Er scheint noch immer nicht ganz nüchtern, schwach und „verkatert“ wären noch geschmeichelt. Überall sind nackte, rauchende, Drogen-konsumierende Männer. Schließlich findet er Dr. Marc, der einen Joint rauchend auf einer Couch sitzt. Ted sagt, er muss wohl weggetreten sein, was Dr. Marc bestätigt, er war ja schließlich für ein paar Tage auf den Beinen. Dr. Marc bietet Ted eine Pfeife mit Crystal an, aber bevor Ted einen Zug nimmt, fällt ihm auf, dass viele Männer aufgeregt jubelnd um den Fernseher herum versammelt sind. Dort läuft ein selbstgedrehter Porno, ein Gang Bang, an dem sie sich aufgeilen. Ted lächelt verschlafen. „Das sieht heiß aus.“ „Es ist heiß“, sagt Dr. Marc. Ted schaut noch immer lächelnd, gebannt auf den Bildschirm, entzündet schon das Feuerzeug für die Pfeife, er findet es heiß, sexy... viele Männer ficken einen, der auf dem Rücken unter ihnen liegt, wie ein Tier, sie werden angefeuert, heißt, sexy, das Gesicht des Mannes kommt ins Bild, immer näher, erst unscharf, dann schärfer, immer näher, immer schärfer – es ist Ted.
Ted, der im Rausch die Augen verdreht und völlig weggetreten wie ein Tier gefickt wird.
Teds Lächeln weicht aus seinem Gesicht, der Unglaube in seinen Augen ist kaum zu beschreiben. Dr. Marc lacht. „Du bist heiß, heiß, heiß, Darling.“, aber Ted starrt nur völlig entgeistert auf den Bildschirm. „Wie fühlt es sich an, ein Porno-Star zu sein?“ Es scheint wie ein Alptraum, aber es ist bittere, bittere Realität.

Es ist Wahltag! Debbie feiert das, indem sie nur den Kunden ihr Essen serviert, die bereits gewählt haben. Und das zieht sie durch. Justin schafft es, einen kleinen Fernseher einsatzbereit zu machen gerade als Brian und Michael eintreten, um sich einen Zitronenkuchen mitzunehmen, doch Debbie verbietet es ihnen. Im Fernsehen erscheint gerade Stockwells Gesicht, der einer Frau in einer Sendung versichert, er habe mit dem Mord an dem schwulen jungen Mann nichts zu tun. Dieses Video sei einfach ein Versuch, ihm in letzter Minute zu schaden. Brian schüttelt angewidert den Kopf, und die beiden lassen sich wieder hinausjagen.
Michael kann es nicht aussprechen ohne an einer Herzattacke zu sterben, also sagt Brian es: 100 000 Dollar Schulden! Michael hyperventiliert fast. Und er verkauft sein Eigentum?! Brian nickt bestätigend, na ja, die ‘vette muss dann wohl als nächstes weichen. „Nein, nicht die Corvette!“ „Ach komm, es ist nur ein Auto.“ „Es ist nicht nur ein Auto“, widerspricht Michael heftig, „es ist das Auto deiner Träume!“ Unterbrochen wird diese Diskussion von einer langen Schlange, die auf einmal mitten auf der Straße auftaucht. Brian fragt, ob es hier gratis Poppers gebe. Der Typ am Ende der Schlange schaut ihn verständnislos an: „Falls ihr’s noch nicht gehört habt, es findet eine Wahl statt?“ „Ach, echt?“, fragt Brian, „wer kandidiert denn?“ Lachend legen Michael und Brian die Arme umeinander und stellen sich an.

Das Bild ist furchtbar unscharf, gehalten in grünem und grauen Licht. Ein Mann geht einen Korridor entlang, das Bild wird schärfer. Es ist Ted. Noch immer in demselben grünen Hemd, dass er vor ein paar Tagen in Mel und Linds Haus, im Babylon und vor einigen Momenten auf Dr. Marcs Party trug. Er sieht kränker aus denn je, aber er ist wieder Ted, der tief, tief durchatmet, einmal, zweimal, dreimal... und dann den Mann hinter der Rezeption anspricht: „Entschuldigen Sie bitte.“ Der Mann, der seinen Blick gerade noch zum über die Wahlen berichtenden Fernseher gewandt hatte, schenkt Ted lächelnd seine Aufmerksamkeit und Ted fährt fort „Hi. ...mein Name ist Ted Schdmidt...“, er schnieft, sieht aus, als könnte er die Tränen nur mit Mühe zurückhalten „...und... ich brauche Hilfe.“

Michael, Ben und Hunter kommen vom Einkaufen zurück, und sowohl Ben als auch Michael berichten von unheimlich langen Schlangen vor den Wahllokalen. Vor ihrer Haustür erwartet sie allerdings niemand anders als Rita Montgomery, die laut den Namen ihres Sohnes kreischt: „Jimmy?!“ Hunter fährt hoch, schrumpft sofort in sich zusammen, als seine Mutter auf ihn zu schreitet, „Oh mein Gott, ich hab’ dich ja kaum erkannt, du bist ja richtig erwachsen geworden!“ Sie will ihn umarmen, aber Hunter weicht zurück und Ben und Michael stellen sich schützend vor ihnen. „Mrs. Montgomery, wir haben uns dazu entschlossen, dass Hunter bei uns bleibt.“ Die schaut sie verständnislos an. „Wieso?“ „Weil er es so will.“ Ben schaltet sich auch ein. „Nachdem was er uns gesagt hat, geht er nirgends hin.“ „Was hat er denn erzählt? Noch mehr Geschichten?“ Michael sieht sie scharf an, „Wie sie ihn als ‚steuerfreies Nebeneinkommen’ genutzt haben.“ Rita schweigt, hat Michael einen Nerv getroffen oder nicht?, und schnell wird sie dann grantig: „Ich weiß zwar nicht, was Jimmy erzählt hat, aber ich habe eine Ahnung, wieso Sie ihn bei sich behalten wollen. Und wenn ich der Polizei erzähle, dass mein Sohn bei zwei Schwuchteln—“ „gut, Mrs. Montgomery, das reicht, also wenn es Ihnen nichts ausmachen würde“, unterbricht Ben sie, den Arm fest um Hunter gelegt, doch jetzt hat Rita Montgomery erst richtig angefangen. Sie greift sich Hunter, küsst ihn auf die Wange, der scheint einfach nur wie erstarrt, sie verspricht ihm, dass sie kommen und ihn holen wird! Ben nimmt Hunter mit ins Haus, schnell, nur weg von dieser Frau, aber Michael schaut ihr lange nach, mit einem Blick, der sie töten könnte.

Die Entzugsklinik ist völlig deprimierend. Grün, grau, das Licht zeichnet Augenringe und blasse Haut stärker, als sie sind, im Aufenthaltsraum schauen die sich immerzu unruhig bewegenden Patienten fern, eine Frau steht in der Ecke, hinten an einem Tisch isst jemand, während Ted sich zitternd einen Becher Kaffee nimmt, totunglücklich wie nie zuvor. Auf einmal sagt jemand seinen Namen: „Ted?“
Ted dreht sich um... und hinter ihm steht Blake!
Die Wiedersehensfreude ist aufgrund der Situation beschränkt, aber dennoch scheint Ted glücklich, wenn auch gleichzeitig beschämt. Teds Stimme zittert, die Tränen stehen ihm in den Augen, als er Blake sagt: „Ich habe mich ein wenig in Schwierigkeiten gebracht...!“ „Schon gut. Du musst nichts erklären.“ Blake fragt Ted, ob er mit zu einer Selbsthilfegruppe kommen möchte. Der witzelt schwach, er habe sich ja eigentlich für das Badmintonturnier eingetragen. Blake muss lachen, „du bist immer noch lustig.“ Ted lächelt erschöpft, schließt sich Blake allerdings an. „Das letzte Mal hab ich dich gesehen...“ „...als du mich her gebracht hast. Ich bin nicht lang geblieben.“ „Und jetzt bist du zurück.“ „Kann man so sagen“, antwortet Blake, seine Augen leuchten in dem Licht nur noch blauer. Ted lässt in diesem Moment wohl alle Hoffnung fahren, es sei also doch nicht so einfach, das Zeug loszuwerden. Blake lächelt ihm aufmunternd zu: „Du schaffst das.“ Sie setzen sich in den Stuhlkreis in einem viel helleren, freundlicheren Raum mit einigen Fenstern und Blake beginnt zu reden: „Dann fangen wir mal an. Mein Name ist Blake und ich bin euer Therapeut.“ Ted starrt ihn völlig entsetzt an. Wärend Blake die Neuzugänge in der Runde begrüßt lässt Ted beschämt den Kopf sinken. So viel Demütigung an einem Tag... Blake ist wieder da.

Im Woody’s läuft die Wahl auf einem großen Flachbildfernseher. Debbie, Vic, Rodney, Lindsay, Emmett, Brian und Justin sind neben vielen anderen dort versammelt und verfolgen die Zählung der Stimmen: Nach wie vor sei das Ergebnis laut Sprecherin noch zu knapp, um verkündet zu werden oder auch nur eine Prognose zu stellen. Debbie fragt frustriert, ob ihr jemand anderes seine Nägel zum Kauen anbieten kann, weil sie mit ihren schon fertig ist, woraufhin Brian ihr seine eigenen reicht. Sie lacht nur, ergreift mütterlich seine Hand und küsst seine Schläfe liebevoll – welch ein Akt der Großherzigkeit. Lindsay sagt, sie erinnere das alles an die Wahl zur Homecoming Queen – zum Glück gewann sie das. „Ach, du auch?“, fragt Emmett, und alle müssen lachen. Vic bemerkt zwar, er möchte nicht theatralisch werden, aber er hat schon zwei Bushes, Nixon und Reagan hinter sich, und wenn er das alles überstehen kann, und noch viel mehr, dann werden sie auch Stockwell überstehen. Darauf stoßen alle einstimmig an.

Vor Bens und Michaels Haustür steigt Rita Montgomery aus einem Polizeiauto. Hunter, der das vom Fenster aus beobachtet, sagt den beiden aufgeregt Bescheid – was sollen sie denn jetzt machen?! Ben antwortet, sie müssten ruhig bleiben, vielleicht sollte Hunter einfach eine Nacht lang mit ihr gehen, und am nächsten Tag werden sie sich einen Anwalt besorgen und die beste Strategie herausfinden, um das Problem zu lösen. „Nein, ihr habt’s versprochen!“, schreit Hunter. „Es ist doch nur eine Nacht – oder, Micheal?“ Michael, der bisher geschwiegen hat, sieht Ben jetzt auf einmal fanatisch an: „Nein. Du weißt ganz genau, dass wenn wir ihn jetzt gehen lassen, wir ihn niemals wiedersehen werden. Denn was auch immer sie ihm angetan hat, sie ist immer noch seine Mutter und wir nur die zwei Schwuchteln!“ Er ergreift Hunters Arm und zieht daran, „komm jetzt!“, „Michael! Wohin willst du?“, „weg!“, Michael und Hunter ziehen sich ihre Jacken an, Ben völlig verzweifelt, „Michael, glaubst du wirklich, dass das die richtige Entscheidung ist?“ „Nein“, antwortet er, „aber gerade jetzt ist mir das scheiß egal!“ Er nimmt Bens Gesicht in seine Hände und küsst ihn heftig, während Hunter schon die Tür geöffnet hat, scheiße, wie lang soll das denn noch dauern? „Leute, wenn ihr euch weiter fickt bin ich im Arsch!“ Ben folgt den beiden auf den Flur, immer noch Michaels Namen rufend, der die Tür zur Hintertreppe aufstößt, doch Hunter geht noch einmal zurück. „Wenn du was vergessen hast, lass es einfach da, wir haben keine Zei—“, aber Hunter fällt Ben einfach nur in die Arme. Er drückt ihn so fest, als sei es ein Abschied für immer, dann stürmt er mit Michael die Treppe hinunter, als vom Eingang her schon die Polizei zu hören ist.

Der Fernseher läuft immer noch, die Moderatoren reden irgendwelchen unwichtigen Unsinn über Hühnchenbrust, als die Frau auf einmal inne hält und an ihr Headset greift. Sie hat soeben eine Nachricht über die Wahlen erhalten: „Jetzt, da 84 % der Stimmen gezählt sind, können wir den Sieger verkünden: Es ist Kandidat Deekins.“
Das komplette Woody’s bricht in ungehemmten Jubel aus, alle fallen sich einander in die Arme, Brian sinkt auf der Theke in sich zusammen, bevor Justin ihn küsst und sie sich fest umarmen. Die Frau im Fernsehen verkündet, dass der achte Wahlbezirk anscheinend das Ergebnis entscheidend beeinflusst hätte, und Debbie jubelt, ihre Stimmen wären vielleicht als letztes gezählt worden, aber sie zählten am meisten! Der Moderator verkündet außerdem, Stockwells Verlust sei sicherlich auf seine zweifelhafte Beteiligung an der Ermordung eines jungen, schwulen Mann zurückzuführen gewesen. Lindsay ruft laut, sie sollten tanzen, und Debbie erwidert, „wir werden tanzen, auf der Straße!“ Sie stürmen hinaus, auch aus den anderen Häusern quellen Menschenmassen auf die schwarz-weiße Liberty Avenue, der immer noch ihre Farben fehlt, völlig fremde Menschen umarmen sich, feiern mit Wunderkerzen und Feuerzeugen. Ein Mann klettert auf einen Stromkasten und hisst die riesengroße Regenbogenflagge, die in all ihrer Pracht, all ihren Farben erstrahlt, und langsam, Farbe für Farbe, kehren diese auch auf die Liberty Avenue zurück. Das junge Paar, das von der Polizei getrennt wurde, steht nun sich küssend vor den Polizisten, und sie sind nicht die einzigen! Nur Emmett... Emmett steht verloren am Straßenrand. Debbie stellt sich neben ihn: „Ein Rat, mein süßer Emmett? Trauere über die Verluste, denn es gibt viele. Aber feiere die Siege, dann sie sind selten.“ Er nickt, aber so recht will es nicht. Debbie schaut sich um und seufzt, „ich habe ewig nicht mehr getanzt.“ Da lächelt Emmett sie an, da trifft es sich ja gut, dass er ein Tanzlehrer ist! Und er ergreift ihre Hand und schwingt sie mit sich, hinein in die perfekte Tanzpose, beide laut lachend. Irgendwo in der Menge klingelt Lindsays Telefon, es ist Mel, aber sie verstehen sich gegenseitig nicht, denn um sie herum wird getanzt, geschrien und gesungen, auch Melanie ist mitten in der Menschenmenge, und schließlich stoßen sie ineinander. Überglücklich vor Freude fallen sie sich in die Arme, „er hat verloren“, schreit Lindsay, aber das wusste Melanie noch gar nicht! Warum ist sie dann so glücklich? Melanie sagt nur strahlend vor Freunde „Ich bin heute durch mein erstes Trimester durch!“ Lindsay greift sich ihre Frau, hebt sie hoch und dreht sie im Kreis herum, „das ist ein Grund zum Feiern!“ und beide lachen und könnten glücklicher gar nicht sein.
Regenbogenflaggen, Wunderkerzen, Pfiffe, Küsse, als Brian und Justin die Bar verlassen und oben auf der Eingangstreppe stehen bleiben, begegnet ihnen ein Spektakel, wie selbst Pride es nicht bewerkstelligen kann. Justin lacht, dank Rage seien die Straßen von Gayopolis wieder sicher für Perverse. Brian schaut ihn seltsam starr an, lang, hebt seine Augenbraue, er sieht einfach zum Lachen aus... „Was machst du da?“, fragt Justin verwirrt grinsend. „Ich benutze meine Gedankenkraft...“ Justin spielt mit, sieht Brian vernebelt an und antwortet in monotoner Stimme: „Lass deine Hose fallen. Bück dich.“ Dann kichert er, Brian könne seine Kräfte doch sicher besser verwenden. Der lacht nur und küsst seinen Freund glücklich. „So sehr ich mich auch anstrenge, mir fällt nichts schöneres ein.“ Da kämpfen sich Michael und Hunter durch die Menge, zu Brian und Justin, Michael erzählt atemlos, dass Rita Montgomery mit der Polizei aufgetaucht ist um Hunter mitzunehmen, also hat er sich den Jungen geschnappt und ist weggerannt. Brian lacht, habe Michael denn keinen Respekt vor dem Gesetz? „Irgendwas musste ich doch tun.“. „Also hast du alles riskiert?“ Brian lächelt nur: „Mikey, du bist so...“ „...armselig, ich weiß. Aber was soll ich jetzt tun?!“ Da landet schon der Schlüssel der Corvette in Michaels Händen. Michael, Justin und Hunter sehen Brian völlig erstaunt an. „Lauf.“ „Bist du dir sicher?“ „Ich habe mit einer Mutter gelebt, das ist ein Schicksal schlimmer als die Geburt.“ Brian und Michael küssen sich, dann rennen Hunter und er davon, und Justin sieht Brian verstimmt, resigniert, einfach irgendwie an. „Scheiße, Brian, jetzt hast du ja nicht mal mehr ein Auto.“ „Tja, sieht so aus, als hätte ich alles verloren“, antwortet sein Freund und schaut auf die Straße, seltsam berührt von sich selbst. Justin schweigt kurz, dann: „Nicht alles.“ Er legt seinen Arm um Brian, und der kann sich das Lächeln einfach nicht verkneifen, als sie hinab von ihrem Thron und in die Menge hinein steigen, in die Farben, das Licht, die Feier, Arme umeinander gelegt, nah beieinander, entrückt der Realität in ihrem eigenen kleinen Königreich.

“I feel so extraordinary
Something’s got a hold on me
I get this feeling I’m in motion
A sudden sense of liberty
The chances are we’ve gone too far
I can’t tell you where we’re going
I guess there was just no way of knowing
I used to think that the day would never come
That my life would depend on the morning sun...”

(New Order - True Faith, Endlied)



Ende der dritten Staffel von Queer as Folk

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Text & Screencaps © QaF Germany
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