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Eine Dragqueen tritt auf die Bühne und beginnt leidenschaftlich zu singen. „Kiss today goodbye, and point me towards tomorrow! We did what we had to do, won’t forget, can’t regret, what I did for…“ „Scheiße!“ Brian läuft fluchend durch sein Loft, denn es ist mal wieder die Zeit des Monats – der Tag, an dem nicht nur alle schwul-lesbischen Organisationen des Planeten ihn per Post um Spenden bitten, sondern auch seine Kreditkarten-Rechnungen ins Haus flattern. Justin beschaut sich seine Finanzen und stellt fest, er könne nicht einmal ansatzweise genug blowjobs geben, um das noch in Ordnung zu bringen. Aber er und Michael hätten über 3000 Exemplare von RAGE über das Internet verkauft, er könnte Brian also etwas leihen. „Nein.“ antwortet Brian noch bevor Justin seinen Satz zu Ende bringen kann. „Ich dachte, wir seien Partner?“ „Sind wir auch.“ „Wieso soll ich dir dann kein Geld leihen?“ „Weil ich deine Hilfe nicht brauche. Ich brauche von niemandem Hilfe.“ Er schreitet zu seinem Alkohol-Wägelchen und hebt eine Whisky-Flasche an, die jedoch leer ist. „Was ich brauche ist...“ Das Babylon, natürlich. Dort bestellt sich Brian das, was er Zuhause nicht hat, an der Bar. Justin möchte ihm den Drink spendieren, aber Brian weigert sich. Auf dem Weg ins Hinterzimmer beschwert Justin sich bei Brian darüber, dass dieser einfach ein Idiot ist. „Du hilfst allen. Liberty Avenue wäre ohne dich ein Polizeistaat. Und trotzdem willst du nicht—oh, hi, Todd, wie geht’s?“ „Gut“, antwortet Todd, der (wie zu Beginn fast jeder Staffel) gerade gefickt wird, und Justin fährt zufrieden fort: „Und du willst dir nicht mal von mir helfen lassen. Und weißt du auch, woran das liegt?“ Brian drückt ihn gegen eine Wand, Arme links und rechts von Justins Kopf an der Wand. „Das liegt daran, dass du immer den Oberbefehl haben, immer in Kontrolle, immer ganz oben sein willst!“ Brian grinst, dreht Justin um und öffnet seine Hose. „Erraten.“ Ben wird auf der Straße vor seiner Wohnung von Rita Montgomery abgefangen, die ihn fragt, wo Hunter denn jetzt sei. Im Kino? Auf dem Jahrmarkt? Ben antwortet, er habe ihr doch schon gesagt, dass Hunter weggelaufen ist! Wäre ja nicht das erste Mal. „Ach, und Ihr kleiner Freund? Wo ist der jetzt? Der scheint ja auch nicht in der Gegend zu sein.“ Ben antwortet, Michael würde nach Hunter suchen, und jetzt müsse er zur Uni. „Ja, und ich muss Dienstag zu einer Sorgerechtsverhandlung“, erwidert Rita, „und wenn Jimmy nicht da ist, werde ich Ihrem kleinen Freund die Polizisten auf den Arsch hetzen. Ein Kind von seiner Mutter fernzuhalten ist eine Straftat. Und wenn er ihn mitgenommen hat, ist das eine Entführung. Sie sind ein kluger Mann, Professor. Rechnen Sie sich aus, wie lang Ihr Süßer sitzen wird.“ Melanie und Lindsay können ebenfalls feststellen, dass sie mit Einladungen zu Benefizveranstaltungen geradezu überschwemmt werden – interessanterweise auch Ted. Lindsay meint, sie wäre ja gerne bereit, zu helfen, aber wenn sie jeden unterstützen würde, müsste man ein Benefiz für sie veranstalten. Da schneit Emmett gerade herein, der in energiereicher Eile verkündet, er müsse sofort weiter, heute würden er und Vic sich mit einem Kunden treffen—oh, was für eine schöne Orchidee! Dabei deutet er auf die Pflanze, die auf Mels und Linds’ Tisch steht. „Ted hat genau so eine gehabt, sie hat auch genau wie diese immer den Kopf hängen lassen, deshalb hat er ihr auch einen Spitznamen gegeben.“ Lindsay und Melanie schauen sich bedeutungsschwer an, dann sagen sie Emmett, dass es in der Tat Teds Orchidee ist. Ted rief sie an und bat sie darum, sich um seine Post und die Pflanzen zu kümmern. „Ah“, antwortet Emmett trocken, „ist er wieder auf eine Party gefahren?“ „Er ist auf Entzug. Er hat sich selbst eingewiesen“, erwidert Melanie, „wir wollten ihn vielleicht besuchen. Möchtest du mitkommen?“ Emmett zögert kurz, dann zuckt er leichtfertig mit den Schultern und antwortet, er habe keine Zeit, der Kunde. „Muss nicht heute sein“, fährt Mel unbeirrt fort, „aber er könnte die Unterstützung wirklich gebrauchen.“ „Und das von dir, Melanie?“, fragt Emmett, überrascht und gereizt. „Du warst praktisch die erste, die ihn verurteilt hat, und jetzt bist du seine Cheerleaderin?“ Aber Mel und Linds erklären es ihm: „Er versucht, sich selbst zu helfen.“ „Ist es nicht das, was du wolltest?“ In einem Motel zappt Hunter wild durch die Kanäle, was Michael nur noch nervöser macht, der sowieso schon unruhig durch das Zimmer schreitet. Und zu allem Überfluss sind die Chips auch noch leer! Außerdem sind sie in einem regelrechten Monsun gefangen, der Regen prasselt nur so auf den Asphalt. Um alles nur noch schlimmer zu machen geht Michael das Bargeld aus. „Du hast eine Kreditkarte.“ „Wenn ich die benutze, können sie das zurückverfolgen!“ Hunter schlägt vor, sie könnten, sobald das Wetter aufklart, nach Mexico fliehen und dort Drogenbarone mit langen Schnurrbärten werden! „...warum tue ich das hier überhaupt?“, fragt Michael trocken, als gerade sein Handy klingelt. „Ben!“ Hunter reißt es ihm aus der Hand und erzählt seinem zweiten Ersatzvater fröhlich, sie säßen in einem verregneten Motel ohne etwas zu essen, aber abgesehen davon sei das Leben wunderbar, dann holt Michael sich das Handy wieder zurück. Ben erzählt seinem Freund, dass Rita Montgomery gedroht hat, ihn verhaften zu lassen, wegen der Unterstüzung von kriminellem Verhalten eines Minderjährigen oder Entführung oder weiß der Geier was, aber, „Michael, du musst nach Hause kommen!“ „Ich kann nicht“, flüstert Michael, „ich habe dir gesagt, ich werde ihn nicht mit ihr gehen lassen.“ Hunter horcht auf. „Wo bist du?“, fragt Ben. „Ich will nicht, dass du lügen musst.“ Und Michael legt auf. „Michael! Michael!“ Ben, der in Pittsburgh durch einen Park läuft, flucht laut. Hunter hingegen verlässt das Motel. „Ich besorge uns was zu essen, bevor wir verhungern!“ Michael bleibt erledigt im nackten Türrahmen stehen, während der Regen immer noch hart auf die graue Straße und den dunkelgrünen Lack der geparkten Corvette prasselt. Im Diner sitzen Melanie, Lindsay, Ben und Brian beim Mittagessen, und Justin gesellt sich zu ihnen, während Debbie sich laut darüber aufregt, dass sie schon seit drei vollen Tagen nichts mehr von Michael gehört hat, außer einer kryptischen Nachricht: „Keine Sorge, Mama, mir geht’s gut.“ „Klingt für mich nicht besonders kryptisch“, antwortet Justin, aber Debbie will nichts hören. Das ist das erste Mal in ihrem ganzen Leben seit Michael gelernt hat, ein Telefon zu benutzen, dass sie nicht dreimal am Tag miteinander reden. Justin starrt sie ungläubig an. Brian kann sich das Lachen kaum verkneifen: „Ich weiß, das erklärt so viel.“ Debbie ist so nervös, dass sie die Gerichte vertauscht. Ben versucht, seine fast-Schwiegermutter zu beruhigen: Er habe gerade mit Michael gesprochen, es gehe ihm gut. Debbie streitet das ab, es gehe Michael nicht gut, eine Mutter könne zwischen den Zeilen lesen! Aber wenn Ben das nächste Mal mit ihm spreche, dann solle er ihm bitte sagen, dass sie Michael bis zum Mond und wieder zurück liebt. „Mach ich, Deb.“ „Und, dass wenn er seinen Arsch nicht pronto wieder hier her bewegt, ich ihm die Eier abreiße.“ Ganz die liebende Mutter. Melanie sagt Ben, sie würde sich wegen dieser Sorgerechtsverhandlung mal umhören, schauen, was sich machen lässt. Debbie gibt allen ihre Rechnungen, nur Brian bekommt keine. „Mach dir keine Sorgen Schatz, du kannst das später bezahlen. Wenn du wieder festen Boden unter den Füßen hast.“ Brian nickt, grinst und schnappt sich alle Rechnungen. Das Mittagessen gehe auf ihn. „Brian“, warnt Justin, und seine Freunde lehnen heftig ab, aber Brian lässt nicht mit sich reden. „Heute um halb fünf werde ich wieder meine alte Stelle innehaben, mit einer gehörigen Gehaltserhöhung.“ „Vance hat dich gebeten, zurückzukommen?“ Die Freude am Tisch ist groß, und er verkündet, er würde sich zu Anfang ein wenig bedeckt halten und es diesem Wichser dann so richtig geben. „Stimmt so“, sagt er noch zu Debbie, bevor er geht, die ihm zärtlich hinterher lächelt.
Die Dragqueen singt erneut auf ihrer Bühne, in ihrem wunderschönen türkisen, glitzernden Kleid, dem leuchtenden Schmuck: „There’s a change in the weather, a change in the sea, and from now on there’ll be a change in me! My walk will be different, my talk and my name, nothing about me is gonna be the same…“
„Now you say you’re sorry“, die Dragqueen steht in einem glitzernden Regen aus funkelnden Vorhängen, „for being so untrue. Well, you can cry me a river! Cry me a river! I cried a river over … .“ Michael erkundigt sich in einem kleinen Laden nach Hunter, doch die Verkäuferin hat ihn nicht gesehen. Ratlos tritt er zurück auf die Straße, sieht sich um... und da ist der Junge doch! Er steigt aus einem Truck. Mit einem fünfzig Dollar Schein in seiner Hand. Michael starrt ihn ungläubig an: „Wie viele Typen musstest du dafür ficken?“ „Nur einen, und es war nur ein blowjob.“ „Na, wie beruhigend. ...wie konntest du?!“ Micheal schreit. Es könnte der Stress sein, die Aufregung, die Angst, aber er schreit Hunter an wie einen eigenen Sohn. „Wir gehen zurück nach Pittsburgh.“ „Nein!“, und Hunter schreit zurück, „du hast versprochen...!“ „Ja, und jetzt breche ich es!“ „Nimm deine scheiß Hände weg!“ Hunter macht schon wieder Anstalten, zu flüchten, aber Michael hält ihn fest, seine Finger krallen sich in den Stoff an Hunters Oberarmen: „Hör mir zu, du kleines Arschloch! Ich habe ALLES für dich aufs Spiel gesetzt!! Und du wirst jetzt tun, was ich dir sage! Wir werden zurückgehen und kämpfen und dann werden wir dich zu einem ganz normalen Menschen machen, wobei gerade jetzt mit den Armen wedeln und zum Mond fliegen wahrscheinlicher scheint! Jetzt beweg dich!“ Und Hunter gehorcht. In der Entzugsklinik laufen zwei Personen über den Boden, den Ted gerade mühevoll auf den Knien herumrutschend putzt. Wütend ruft er ihnen hinterher, ob sie denn nicht ein bisschen aufpassen könnten, sie würden doch sehen, dass er hier gerade gewischt hat. Blake, der sich in der Nähe unterhalten hat, gesellt sich zu ihm: „Gereizt?“ Ted erwidert, er frage sich eben, ob Elizabeth Taylor das auch tun musste! „Während sie ihre Diamanten trug“, erwidert Blake ruhig, „ja, musste sie.“ „Ich würde mich auch wohler fühlen, wenn ich einen 600 Karäter um den Hals hätte“, antwortet Ted missmutig. „Ich werde dir einen mitbringen.“ Blake scheint immer noch entspannt, und Ted entschuldigt sich seufzend. Aber Blake tut das ab, er verstehe ja, er war ja auch dort, wo Ted jetzt ist. „Als ich dich hierher gebracht habe...“ „...und ich weggelaufen bin. Ja, das war nicht sehr nett von mir.“ Leise korrigiert Ted: „Das war scheiße von dir.“ Er zögert, dann: „Du hast mir etwas bedeutet – du hast mir … mehr als nur etwas bedeutet.“ Blake nickt. Deswegen musste er ja gehen. Er wollte nicht, dass Ted ihn so sieht. Ted schnaubt, nun sei er ja an der Reihe. Jetzt könnten ihn alle anstarren und sich erhaben fühlen, so wie Emmett... „ich glaube, er hat sich genauso unwohl gefühlt, wie du.“ Ted sieht Blake an, zuckt mit den Schultern. Aber wenigstens Blake verstehe, was er durchmacht. „Wenigstens habe ich ja dich.“ Ted lächelt sanft, Blake erwidert das, entschuldigt sich dann aber, er müsse gehen. „Zu einem Date?“, fragt Ted scherzhaft, doch Blake bestätigt das. Sie würden sich die Oper ‚Lucia‘ ansehen. Ted habe ihn mit seiner Leidenschaft für das Gesangstheater angesteckt. „Wenigstens eine Sucht, für die man nicht auf Entzug muss“, witzelt Ted. Die Tür fällt hinter Blake ins Schloss, und Ted lässt den Schwamm frustriert in den Eimer fallen.
Ben und Michael stehen mit verliebten Blicken eng an eng auf der Straße, „ich hab dich so sehr vermisst“, „ich dich auch!“, oh es ist schön. Hunter, der an der Motorhaube der Corvette lehnt, fühlt sich vernachlässigt: „Was ist mit mir?“ Ben lächelt und umarmt ihn fest, nachdem Michael ihm ernsthaft versichert hat, dass Hunter sich wie ein Engel benommen habe. Ben sei ja so froh, dass sie beide wieder gesund und in einem Stück Zuhause sind. „Are the stars out tonight? I don’t know if it’s cloudy or bright. ‘Cause I only have eyes for you…“, die behandschuhten Finger der Dragqueen deuten auf Brian, der an einem Tisch in einem edlen Restaurant sitzt und mit seinem Gegenüber spricht: „Weil ich Sie für meinen wichtigsten Kunden halte...“, das Bild wechselt, offensichtlich sitzt ihm jemand Neues gegenüber, „...weil ich Sie für meinen wertvollsten Klienten halte“, wieder jemand neues, „...weil niemandes persönliche und innige Freundschaft mir so viel bedeutet wie die Ihre“, und wiederum jemand anderes!, „...wollte ich, dass Sie es zu erst wissen...“, bei dem einen nimmt er einen Schluck Whisky, beim anderen legt er seine Serviette auf den Schoß, dem dritten schaut er direkt in die Augen, „...ich gründe meine eigene Agentur.“ „Das sind doch wundervolle Nachrichten“, antwortet die uns nicht unbekannte Inhaberin von Eye-Conic Optics. „Na, herzlichen Glückwünsch, Brian“, erwidert der berühmte Leo Brown von Brown Athletics. „Richtig so, Partner“, sagt der uns ebenfalls bekannte, vollschlanke Chef von Frawly Open-Fire Steak Houses. Brian berichtet, dass er glaubt, er könne durch die Einschränkung –Kundenwechsel– auf nur einige wenige, ausgewählten Kunden –Kundenwechsel– dieselben innovativen Kampagnen garantieren –Kundenwechsel– während er gleichzeitig die optimale, persönliche Beratung gewährleisten kann, die nur in einem kleinen Unternehmen zu bekommen ist. „Das klingt doch wunderbar“, antwortet die Frau, „wenn irgendjemand das schaffen kann, dann Sie, Brian“, sagt Leo Brown, „mir gefällt, was ich da höre, Partner“, der Vollschlanke. „Und deswegen“, fährt Brian fort, „würde ich gerne Eye-Conic Optics“ –Kundenwechsel– „Ich möchte Brown Athletics“ –Kundenwechsel– „Frawly Open-Fire Steak Houses“ –!und alle! – „ganz oben auf meiner Liste haben.“ Er zückt eine Zigarre und hält sie seinem Gegenüber entgegen. Alle drei Kunden lächeln ihn an.
„And I only have eyes for yooouuuuu…!“
Brian und Justin sitzen an der Bar im Woody’s. „Bald wird Vance dich um einen Job bitten“, prophezeit Justin, aber Brian sagt, sie müssten sehen, was passiert. Justin lacht, „sei nicht so bescheiden“, „ich wollte auch eher selbstgefällig aussehen.“ Und Justin hat auch schon an alles gedacht und sogar einen Namen für Brians Agentur kreiert: Kinnetik. „Mit zwei ‚n’.“ „Das ist clever“, kommentiert Brian, „Es ist genial“, entgegnet Justin, dem ‚selbstgefällig‘ sehr gut gelingt, und Brian küsst seinen Freund höchst glücklich.
Michael und Ben knien nackt auf ihrem Bett in ihrem dunklen Zimmer, Ben hinter seinem Freund, beide Arme um ihn geschlungen, sie küssen sich, während ihre Hüften sich bewegen, Hand auf Hand, Ben hält Michaels Hand, Finger gleiten über Haut, sie küssen sich wieder, und wieder, schreiben sich gegenseitig die Ekstase ins Gesicht – mehr oder weniger – und fallen dann erschöpft, aber zufrieden lachend in ihre Kissen. Ben küsst Michaels Ohr spielerisch, Michael kichert, er solle das lassen, Ben weiß doch, dass ihn das wahnsinnig macht! „Ach wirklich?“, antwortet Ben neckisch und fährt fort, „dann könnten wir ja gleich noch mal.“ „Das wäre dann das dritte Mal.“ Ben nickt, anscheinend hocherfreut, und küsst Michael impulsiv. „Ich habe es so vermisst, dich zu küssen...“, dann schließt er ihn fest in seine Arme, „...dich zu umarmen... .“ Als er sich wieder von ihm löst, schaut Michael seinen Geliebten einfach nur an. „Du bist so wunderschön... .“ Ben lächelt, kichert, „ja, du bist auch irgendwie süß.“ Aber Michael lacht nicht. Er sieht ernst aus, klingt ernst, als er fortfährt: „Manchmal frage ich mich, wie... wie du mich überhaupt jemals lieben könntest.“ Ben schaut ihn verständnislos an und setzt sich auf, um Michael seine volle Aufmerksamkeit zu widmen: „Was redest du da?“ Justin schließt mit seinem Schlüssel die Lofttür auf, und sieht dort jemanden, den er nicht erwartet hat: Seine Mutter in einem roten Kostüm, die ihn mit „hi, Schatz!“, begrüßt. Brian erhöht seine Stimme um eine Nuance und ruft ebenfalls: „Hi, Schatz!“ Justin wirft ihm einen halb amüsierten, halb misstrauischen Blick zu, während seine Mutter darüber redet, dass es eine sehr spezielle Wohnung sei, für jemanden, der single ist, keine Kinder hat – ein Sexpalast eben. „Mom“, fragt Justin, „was machst du hier?“ Brian antwortet für sie: „Ich verkaufe das Loft.“ Jennifer verabschiedet sich, sie würde Brian ein paar Angebote schicken. „Und ich werde kein Geld nehmen. Nach allem, was du für Justin getan hast, ist das das mindeste, was ich tun kann.“ Die Tür fällt hinter ihr ins Schloss, nachdem sie ihrem Sohn noch schnell einen Kuss gegeben hat, dann wendet Justin sich Brian zu: „Du kannst das Loft nicht verkaufen. Es ist dein Zuhause.“ „Nicht mehr für lang.“ Seine Pläne, eine eigene Agentur zu starten, seien zu Nichte gemacht – seine Kunden wollen sich ihm nicht anschließen. Kreditwürdig ist er auch nicht, und einen Job bei einer anderen Agentur anzunehmen, die ihm nur die Hälfte seines Gehalts zahlt und in irgendeinem kleinen Kaff ist, kommt nicht in Frage. Justin seufzt, Brian hätte niemals auf ihn hören sollen. Das stellt dieser sofort richtig, er habe nicht auf Justin gehört, sondern auf sich. Außerdem sind es nur vier Wände und ein Boden… und… rostfreier Stahl, und importiert italienische Möbel... . „Es ist mehr als das“, widerspricht Justin, und Brian schaut ihn an. „Hier haben wir zum ersten Mal Liebe gemacht.“ Brian lächelt schwach: „Das war keine Liebe, ich hab’ dir nur einen rimjob gegeben und dir das Gehirn rausgefickt.“ Und niemand könnte das so ernsthaft sagen wie Justin Taylor: „Für mich war es Liebe.“ Dieses Mal lächelt Brian wirklich, zieht Justin mit der Hand in seinem Nacken zu sich heran und küsst ihn sanft. Dann lehnt er seine Stirn gegen Justins, Augen erschöpft geschlossen, während seine Finger den Nacken seines Partners streicheln. Emmett sitzt mit dem schlimmsten Kater der Welt an Debbies Küchentisch, während Vic mit einem Hammer auf Hummer-Scheren einschlägt, um die Schale zu knacken. Em sieht völlig fertig aus und sagt, dass er eine Kopfschmerztablette braucht… oder eine Knarre. Aus Rücksichtnahme beschließt Vic sich dazu, erst das Gemüse zu waschen, aber er kann den verdammten Durchschlag in dieser Küche nicht finden! Debbie, die gerade mit der Post hereinkommt, fragt, was an ihrer Küche denn bitte nicht stimmen würde. Bevor das in einen Streit ausarten kann, der sicher zu noch mehr Lärmbelästigung führen wird, bittet Emmett die beiden darum, einfach eine Liste von dem zu machen, was fehlt, denn das ist alles noch in Teds Wohnung. Er wird es dann abholen. Über Lippenlesen macht Vic Debbie klar, was mit Emmett los ist, die sich daraufhin an den Tisch setzt und die Post durchsieht. Ein gewonnenes Gewinnspiel, eine Einladung zu noch einer Benefizveranstaltung... und eine Postkarte für Vic von Michelangelo! Den traf Vic auf einer Feen-Versammlung – Michelangelo war nicht sein richtiger Name, niemand benutzte seinen richtigen Namen, sondern einen Feennamen. Im Grunde genommen bestehe eine Feen-Versammlung nur aus unzähligen schwulen Männern, die sich in den Wäldern treffen um ihren Geist der Glückseligkeit wiederzuerlangen. Vic ging, kurz nachdem er als an AIDS erkrankt diagnostiziert worden war, als er nicht wusste, wie er weiterleben sollte. Es war eine Befreiung. „Vielleicht ist es das, was du brauchst, Schätzchen“, schlägt Debbie Emmett vor, doch der bleibt lieber bei seinen Tabletten. Justin, Melanie und Lindsay spazieren mit Gus durch die Straßen und lesen im Vorübergehen, dass Stockwell angeklagt wurde. Melanie würde das gerne durch Schuh-Shopping feiern, aber das Thema hat sich schnell erledigt, als Justin endlich das Geheimnis der Concerned Citiziens for the Truth enthüllt: „Es gibt sie nicht. Brian hat den ganzen Werbespot aus eigener Tasche gezahlt. Jetzt hat er 100.000 Dollar Schulden und muss alles, was er besitzt, verkaufen.“ Melanie und Lindsay sind geschockt, und sich einig darüber, dass man Brian helfen müsste – aber Lindsay weiß auch, dass Brian niemals Geld von jemandem annehmen würde. „Also sollen wir einfach daneben stehen und zusehen, wie er alles verliert?!“, fragt Justin erhitzt. Es ist Zeit für die Sorgerechtsverhandlung: In einem kleinen Saal befinden sich Ben, Michael, Hunter und Melanie auf der einen und Rita Montgomery und ihr Anwalt auf der andere Seite, der der Richterin soeben berichtet, er habe ihr den festen Arbeitsvertrag von Mrs. Montgomery, den Bericht eines Psychologen und ihres Sozialarbeiters und einen angenommen Kreditkartenantrag vorgelegt. Mrs. Montgomery habe bewundernswerte Initiative gezeigt, damit sie das Sorgerecht für James zurückerlangen könne. Hunter, der es nicht lassen kann, dazwischen zu reden, wird von Melanie und Michael scharf zurecht gewiesen, dann erhebt sich die Anwältin und beginnt zu reden: Sie würde Mrs. Montgomerys bewundernswerte Initiative nicht abwerten wollen, aber die Richterin könne noch einige weitere Dokumente finden: Zeugenaussagen von Nachbarn, die ihren Missbrauch von Drogen belegen, den Polizeibericht, als sie auf ihren Mann einstach und eine Aussage ihres eigenen Sohnes, seine Mutter habe ihn ab dem Alter von zwölf Jahren zur Prostitution gezwungen. „Das ist nicht wahr“, ruft Mrs. Montgomery, die sehr erschöpft wirkt, als ihr ihre alten Vergehen wieder vorgeführt werden. „Ein Scheißdreck ist es das nicht!!“, entgegnet Hunter. Die Richterin beruft eine fünfzehn minütige Pause ein, in der sie sich alle Dokumente in ihrer Kammer ansehen wird. Emmett sammelt in Teds Wohnung hastig alle Gegenstände ein, die er benötigt, und murmelt ihre Namen: „Backform... Durchschlag... Durschlag... wo ist denn nur der Durschlag...?“ „Unter der Spüle.“ Emmett schreit auf, Ted sitzt auf dem Sofa in der stockdunklen Wohnung! Er spricht... nicht leise, sondern vielmehr... gleichgültig. Er sei wieder entlassen, mit den Kosten, die das Gesundheitssystem heutzutage verursache, wollten sie einen da nicht lange haben. Sie wollen sogar einen Drive-In einbauen. Na, sei das nicht witzig? Emmett packt immer noch Utensilien zusammen. „Ja, Ted, du bist ein richtiger Brüller. Ich weiß gar nicht mehr, mit wem ich mehr zu lachen hatte als mit dir.“ „Dann musst du dich da ja freuen, dass der letzte auf meine Kosten geht. Wie ich mein Leben total verschissen habe.“ „Tut mir Leid“, antwortet Emmett wütend, „ich plane keine Mitleids-Partys. Und davon, dass du mit deinem Arsch auf diesem Sofa da sitzt, wird es nicht besser werden, als beweg ihn dahin zurück!“ Ted sieht ihn einfach nur deprimiert an: „Wozu? Damit sie mich reparieren können?“ Emmett schüttelt ungläubig, ungeduldig, den Kopf, man sieht ihm an, was er denkt. „Ich habe nichts mehr. Keine Freunde. Keine Zukunft. Keinen Job. Keinen Geliebten. Also wozu? Wo ist der Sinn? Ich könnte genauso gut tot sein.“ Emmett nickt. Schön. Er legt eine CD ein, und eine Oper beginnt zu spielen. „Schön! Dann tu es doch! Aber bitte, mach’ das nicht wie ein Mann, sondern wie eine Queen!“ Er wirft ihm einen Brieföffner zu. „Hier! Kein Dolch, aber das tut’s doch, oder? Jetzt kannst du endlich eine Heldin in der Oper sein, wie Tosca!“ Ted korrigiert emotionslos, Tosca habe sich nicht erstochen, sondern sei vom Dach gesprungen. „Noch besser!“, ruft Emmett und nimmt sich seine Tasche. „Du kannst singen und schreien so laut du willst, denn es hört niemand zu!“ Emmett knallt die Tür hinter sich zu. Die Richterin verkündet ihr Urteil: „Mrs. Montgomery, es ist klar, dass Alkoholsucht und häusliche Gewalt Sie nicht als Erziehungsberechtigten von James qualifizierten. Ich sehe jedoch, welche Fortschritte Sie gemacht haben. Außerdem ist es meine persönliche Überzeugung, dass ein Kind immer zu seinen biologischen Eltern gehört, solange diese ein sicheres Zuhause gewährleisten können. Deswegen ist dieses Gericht gewillt, Ihnen eine zweite Chance zu geben und überträgt Ihnen das Sorgerecht für James.“ Ben, Michael, Hunter und Melanie sind geschockt, Melanie entschuldigt sich bei ihnen, sie hat alles getan, was sie konnte. Hunter schreit laut, dass er niemals mit seiner Mutter gehen wird, doch die Richterin stellt einfach fest, dann müsste sie ihn in Beugehaft nehmen. „Jimmy“, seine Mutter kommt zaghaft auf ihn zu, „ich verspreche dir, dass ab jetzt alles besser sein wird.“ Hunter schaut hilfesuchend zu Michael, zu Ben, zu Mel, aber es liegt an ihm, dies ist seine Entscheidung. Und er trifft eine. Langsam geht er auf seine Mutter zu. „Klar, Mama.“ Und plötzlich greift er nach ihrem Gesicht und küsst sie mit offenen Lippen auf den Mund. Rita reißt sich von ihm los, was sollte das denn? „Hab’ ich vergessen dir zu sagen: Ich bin HIV-positiv.“ Rita Montgomery starrt ihn entgeistert an „Das ist nicht lustig, Jimmy.“ Doch Ben bestätigt, dass das stimmt. Rita scheint als würde sie sich vor Schock übergeben, Hand auf ihren Lippen, und stößt Hunter dann auf einmal von sich fort während sie schreit: „Du dreckige kleine Schwuchtel, wolltest du mir das etwa geben?!“ Ihre Gesicht ist eine verzerrte Maske der Wut, Melanie, Michael und Ben stellen sich schützend vor Hunter. Die Richterin, geschockt über die soeben abgespielte Szene, ruft die beiden Anwälte noch einmal zu sich.
Justin und Brian gehen über die Straße und Justin erzählt seinem Partner, dass jemand Interesse daran habe, das Loft zu kaufen. Da bricht Brian ja geradezu in Freudensprünge aus. Justin will ihn auf einen Drink ins Woody’s ziehen, aber Brian hält an, denn da findet ein Benefiz statt. Justin seufzt nur und zieht weiter, lässt dann schließlich los und steigt einfach die Treppen hinauf in die Bar, gefolgt von einem widerwilligen Brian. Sie verlassen die Bar alle gemeinsam, vorneweg Melanie, Lindsay, Hunter, Ben und Michael. Hunter würde gern noch in ein paar Clubs gehen, aber er habe ja morgen Schule. „Oh Gott, jetzt werdet bloß nicht zu meinen gottverdammten Eltern!“, ruft er... relativ scherzhaft. Melanie erinnert ihn amüsiert daran, dass die Richterin sagte, er könne bei Michael und Ben bleiben, solange er sich ordentlich benimmt. Debbie, Vic, Rodney und Emmett sind die nächste kleine Gruppe. Debbie sagt gerührt, sie wusste, sie würde den Tag erleben, an dem es gleichgeschlechtliche Hochzeiten gebe, aber niemals den Tag, an dem Brian Kinney Hilfe annimmt – und auch noch danke sagt! „Ich habe sogar eine Träne in seinen Augen glitzern sehen“, meint Vic lachend. Nur Emmett ist still, und Debbie hält ihn an. Sie mache sich Sorgen um ihn. „Deine große, helle Flamme ist kurz davor, auszugehen.“ „Was du brauchst“, greift Vic das auf, „ist eine gute Portion Feenstaub!“ Emmett rollt lachend mit den Augen. Ihnen folgen Justin, Brian und Darren, der junge Mann, der die Dragqueen war, Kleid, Schuhe und Schminkkoffer unter dem Arm. „Shanda Leer war großartig, Darren“, lobt Justin ihn bzw. sie, und Darren lacht: „Das ist, was ich für die Liebe tue.“ Sie trennen sich, und Justin und Brian laufen den Bürgersteig entlang, den Anderen folgend. „Jetzt kannst du und das halbe schwule Pittsburgh heute Nacht sicher in deinem Bett schlafen, weil ihr wisst, dass das Loft dir gehört“, sagt Justin lächelnd. Brian schaut ihn an, und legt dann einen Arm um Justins Schulter, zieht ihn nah an sich heran und küsst seine Wange: „Das halbe schwule Pittsburgh kann in ihren eigenen Betten schlafen.“
Darren läuft eine der dunkleren, verlassenen Seitenstraßen entlang – nur das diese nicht verlassen ist: Zwei Typen lehnen an der Wand, flüstern: „Da ist einer.“ Dann schreien sie: „Hey, Schwuchtel!“ Darren sieht auf, bleibt stehen. „Ja, dich meinen wir! Hübsches Kleid. Gehst du heute tanzen?“ Darren will umdrehen, verschwinden, weglaufen, „lasst mich in Ruhe!“, aber die Typen haben ihn schon eingekesselt, „nicht, bevor du hier dran lutscht, du kleine Schwuchtel!“, und sie rammen ihm die Faust ins Gesicht, treten ihn, Shanda Leer singt auf der Bühne, „in the early morning, you will hear his horn“, Hunter läuft neben dem lachenden Ben den Bürgersteig entlang und schaut zurück, nach dem Rest der Truppe, „screamin’ it’s not far away!“, Derren schreit erstickt und bricht zusammen, als ihm einer der Männer mit einem Brecheisen gegen das Schienbein schläg, „hold up your hands and say“, sie treten weiterhin auf ihn ein, in seine Rippen, seinen Magen, den Kopf, „there’s gonna be“, Shanda Leer in all ihrer Pracht steht vor dem bunt geschmückten Bühnenbild und singt aus Leibeskräften, „for all to see!“, noch ein Tritt, Lindsay legt lächelnd ihren Arm um Michael, „there’s gonna be a great big“, mit ihren Fäusten hämmern sie jetzt auf Darren ein, Shanda Leer fegt über die Bühne, „swinging, crazy, wonderful daaaaaaaaay!!“, sie singt aus vollem Hals, Brian und Justin laufen glücklich nebeneinander her, in einem großartigen Crescendo bringt Shanda Leer ihr Lied zum Ende, die Angreifer treten so heftig auf Darren ein, dass er über den Boden geschleudert wird, Shanda Leer präsentiert sich in ihrer endgültigen, wunderschönen Pose, hinter ihr explodieren die Lichteffekte, Applaus bricht los, als Darren liegen gelassen wird, blutend, bewegungslos, in der dunklen Straße, Shanda Leer verabschiedet sich mit einem glücklichen Handkuss, der Motor eines Autos springt an und die beiden Männer fahren davon. |
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