Queer as Folk - Episode 4.05

Nach Unten

Ein gewöhnlicher Tag in Kinnetik: Kaum ist Brian in sein Büro getreten, benachrichtig ihn Cynthia über Anrufe, die aktuelle Lage und leitet mit, das Ramson Pharmasotics hochauf begeistert sind über die Anzeige im HEAT Magazine. Sie läutet schon die neue Ära der Werbung ein: Nie-Wieder-Bullshit. Ted kichert zufrieden und legt Brian einen Haufen Papiere auf den Tisch, den er unterschreiben soll, damit der Laden läuft. Und noch etwas hat er seinem Freund zu übergeben: Einen Brief. Das ist Teil seiner Therapie, er nennt sich „Wiedergutmachung“. Er schreibt Briefe an jeden, dem er Leid zugefügt hat, um es... wieder gut zu machen. Brian fasst das gerührt auf, aber wo sei der Scheck? Ted lächelt, das sei so ungefähr die Antwort, die er sich vorgestellt hatte. Als der frisch gebackene, alte Buchhalter das Büro verlassen hat ruft Brian auf Justins Handy an, doch die Mailbox antwortet ihm. „Du musst dein Handy schon anmachen, sonst verliert es seinen Zweck.“ Brian schweigt kurz, dann fragt er unruhig: „Wo zur Hölle steckst du?“

Justin „steckt“ in einem Schießlokal, einem Raum, in dem Menschen üben können, mit einer Waffe zu schießen. Cody trifft die Papiersilhouette eines Menschen, seine Zielscheibe, mit Geschick. Er erzählt, dass er bereits eine Sechs-Schuss Waffe hatte bevor er ein Zweirad fuhr und bietet auch Justin an, es zu probieren. Erst zögert er, doch es braucht nur ein „Sei keine Sissy“ von Cody und Justin willig ein. Pistole in die rechte Hand, Arm heben, zielen, abdrücken. Doch so einfach geht es nicht. Justins Hand beginnt zu zittern und er erzählt Cody, dass das seine schwache Hand ist von als er Niedergeschlagen wurde. Aber mit der linken Hand als Stütze klappt es endlich – und Justin verfehlt das Ziel vollkommen. Justin ist jetzt schon überwältigt, aber Cody ihm einen hilfreichen Tipp: „Ich stelle mir jemanden vor, der es verdient hat, eine Kugel zwischen den Augen zu haben. Wie den Captain des Schul-Football Teams, der mir ‚Schwuchtel‘ mit einem Messer in den Hintern geritzt hat. Bang! Wie mein Lehrer, der mich zwang, es der Klasse zu zeigen. Bang! Wie mein Vater, der mir eine runterhaute, als ich es ihm erzählte. Bang!“ Cody scheint es an Zielen wirklich nicht zu mangeln – und für einen Moment versteht man seinen Hass auf die heterosexuelle Welt. Justin hebt die Pistole... zielt... und schießt. Cody bricht in Jubel aus, die Papiersilhouette fährt zu ihnen heran: Justin hat genau zwischen die Augen getroffen. „Und?“, fragt Cody, „An wen hast du gedacht?“

Michael zeigt Ben im Diner völlig verstört Justins Zeichnungen für die neue Ausgabe von RAGE: Es sind die Skizzen, die er in einem Anfall von Wut anfertigte, in denen Rage und Zephyr ihren Feinden die eigenen Schwänze in den Mund stopfen. Ben versucht, es zu rechtfertigen: Man könne es als die Angst und den Zorn eines jeden schwulen Mannes interpretieren, die er empfindet, wenn er auf die Straße geht. Debbie merkt hilfreich an, ebenso verstört wie ihr Sohn, dass dem Typen da aber immer noch seinen eigener Schwanz essen muss! Sie vergisst die Zeichnungen aber schnell, als sich Vic in dem feinen Establishment blicken lässt. „Hast du etwa vergessen, dein Telefon auszupacken?!“ Sie habe ihn schon mindestens hundert Mal angerufen. Aber Vic weiß sie zu beruhigen: Sobald er und Rodney alles ausgepackt haben, sie brauchten immer noch Geschirrhandtücher, wäre Debbie der erste offizielle Gast! Ben fragt Michael am anderen Tisch, ob dieser sein Buch schon gelesen hat. Er hat ihm das fertige Manuskript nämlich zum Probelesen übergeben. Michael schaut ihn an... und sagt dann, er habe es noch nicht zu Ende gelesen. Aber sobald er das tut...!

Während Melanie ihre Ohrringe anzieht erklärt sie Lindsay lang und breit, wieso sie Jennettes Fall gar nicht an ihren Partner Larry abgeben kann: Selbst, wenn sie wollte, wären Jennette und Anna nicht damit einverstanden. Sie haben Melanie ihr Vertrauen geschenkt, Melanie hat ihnen ihr Versprechen gegeben. „Mich musst du nicht überzeugen. Es gibt ein Band unter Schwestern, das manche einfach nicht widerstehen.“ „Nämlich Männer.“ „Hat jemand Männer erwähnt?“, fragt Emmett, der da gerade mit gepackten Taschen vom Dachboden kommt. „Hast du alles?“ „Abgesehen von euch“, antwortet Emmett, er wird sie vermissen! Der Abschied ist kurz aber herzlich, und dann ist Emmett auch schon auf dem Weg zu seiner ersten eigenen Wohnung!

Als Justin und Cody in Jusitns und Daphnes Wohnung sind erfährt diese, dass ihr bester Freund eine Waffe in der Hand hatte, und damit geschossen hat. Sie ist alles andere als begeistert, so kennt sie ihn gar nicht. Justin meint jedoch, es habe sich unglaublich angefühlt, und Cody fügt hinzu, auf die mitgenommene Papiersilhouette deutend, dass Justin sich jemanden vorstellte, als er diesen perfekten Treffer landete. Aber er wollte ihm nicht sagen, wen... Daphne erwidert: „Ich wette, es war Chris Hobbs.“ „Daphne!“, aber da ist es schon zu spät, nun möchte Cody alles erfahren. Justin erzählt ihm davon, wie er Hobbs einen runterholte, vom Abschlussball, und wie er ihm im Hospiz wiedertraf, wo Chris Hobbs ihm sagte, er würde enden wie alle anderen und es verdienen, an AIDS zu sterben. „Ich hoffe, du hast ihn verprügelt!“ „...ich hatte zu viel Angst, um was zu sagen. Also stand ich da einfach nur... wie eine befickte Schwuchtel...“, endet er leise.

Emmett zeigt Brian und Michael sein „Instant-Apartment“: Er konnte direkt einziehen, alles vollständig möbliert und ausgestattet. Die Wohnung sieht dem Loft erstaunlich ähnlich... und während Michael Emmett gratulierend umarmt merkt Brian genau das an. Offenbar färbt der Besitz einer solchen Immobilie ab, denn als Brians Sandwich auf das weiße Sofa tropft, fordert Emmett ihn genervt dazu auf, doch bitte aufzupassen! Während er versucht, den Fleck zu beseitigen, sagt Michael Ben bedeutungsschwer, er habe Ben eine große, fette Lüge erzählt. „Okay, wen hast du gefickt?“, fragt Brian, scheinbar hocherfreut. „Niemanden.“ „Oh, dann mach schnell.“ Michael habe behauptet, sein Buch noch nicht zu Ende gelesen zu haben, obwohl er schon seit drei Tagen durch ist. „...das ist die große fette Lüge?“ „Er will, dass ich ehrlich bin!“ Und, was denke Michael? „Na ja... es ist irgendwie... langweilig.“ Tja, da sehe Brian nur eine Lösung. Michael müsse Bens Hand nehmen, ihn hinsetzen und sagen: „Schatz... es ist scheiße.“ „Könntest du das zu Justin sagen?“, fragt Michael. „Klar könnte ich! Zum Glück ist der Junge ein Genie.“ Aber was für eine Beziehung würde Michael denn führen, wenn er nicht einmal ehrlich zu Ben sein könnte?

Melanie betritt das Büro ihres Partners Larry, weil sie ihm etwas zeigen möchte, und findet dort zu ihrer Überraschung Jennette und Anna vor. „Haben wir ein Meeting...?“, fragt sie verwirrt, aber die Situation erschließt sich ihr schnell, als Jennette und Anna beginnen, stotternd zu erklären: „Mel, wir wissen alle, wie konservativ der neue Richter ist...“ „Glaub mir, es hat nichts mit dir zu tun.“ „Wir lieben dich, aber...!“ „Schon gut“, unterbricht Melanie sie schließlich, „spart euch die Erklärungen und die Tränen, ich verstehe. Vollkommen.“ Und mit diesen Worten verlässt sie das Büro.

Michael sitzt im Lagerraum seines Geschäftes und übt, was er zu Ben sagen wird: „Ben, ich habe dein Buch gelesen und... du hast ein paar wirklich interessante Entscheidungen getroffen... .“ „Ben, ich habe dein Buch gelesen und... obwohl es teilweise ein bisschen lang ist bin ich mir sicher, dass es mit ein bisschen Überarbeitung... ähm... .“ „Ben, ich habe dein Buch gelesen und...“ „Wirklich?“ Da steht Ben auf einmal vor ihm. Michael schluckt und eilt dem Himmel dankend einem Kunden zu Hilfe. Ben beobachtet nur mit mühsamer Geduld, wie Michael das ganze Kleingeld des Kunden Penny um Penny zählt, als habe er es nie aus der Grundschule heraus geschafft und dann tritt auch noch Ted ein, um ihnen ihre Wiedergutmachungsbriefe zu geben. Michael besteht darauf, ihn sofort zu lesen, und umarmt Ted dann. Natürlich würden sie ihm vergeben! Schließlich schließt der inzwischen etwas genervte Ben die Tür hinter Ted und hängt das „geschlossen“-Schild auf. Michael atmet tief durch: „Ben, ich habe dein Buch gelesen und... ich liebe es!“

Justin schaut noch lange in den Spiegel, nachdem er sich das Gesicht gewaschen hat, zieht dann sein Oberteil aus als er ins Schlafzimmer tritt – und sieht plötzlich, dass Brian eine Waffe auf ihn gerichtet hält – seine, Codys Waffe. Brian behauptet, er habe nur ein Feuerzeug gesucht, und das hier gefunden. Er entsichert sie, und Justin hebt die Arme, „Vorsicht!“ „Wieso, ist sie geladen?“ „Nein. Es soll den Leuten nur Angst machen.“ Aber Brian möchte davon nichts hören. Justin wird nicht mit einer versteckten Feuerwaffe über die Straße laufen! „Es ist notwendig, dass wir sie haben. Wenn so etwas wie neulich noch mal passiert, wären wir ohne sie vielleicht getötet worden.“ „Spiel hiermit lang genug, und das wird passieren!“ Wieso brauchen sie unbedingt eine Waffe? Damit sie die schwulen Helden sein können, die Anführer der Rebellion, Märtyrer?! „Wir versuchen, Gewalt zu beenden, bevor sie anfängt.“ Brian lacht spöttisch, „in dem ihr sie beginnt?!“ Justin schreit wütend: „Du würdest das nicht so lustig finden, wenn dein Schädel eingeschlagen worden wäre! Sie hassen uns! Sie wollen uns alle tot sehen! Jetzt gibt mir die verdammte Pistole!“ Und er reißt sie Brian aus der Hand.

Debbie und Emmett gehen gemeinsam einkaufen. Emmett steckt so viele Kerzen wie möglich ein, um eine heimelig-romantische Atmosphäre zu schaffen, während Debbie ihm berichtet, wie einsam es bei ihr ist. Sie hat lange, lange nicht mehr allein gelebt und vermisst Vic sehr... . Das dürfe Emmett ihm niemals sagen, aber insbesondere wenn man älter und daran gewöhnt ist, mit Anderen zusammenzuleben, zu lachen und zu streiten, dann würde man sich umso einsamer fühlen. Dann entdeckt sie das perfekte Geschenk für Vic und Rodney zum Einzug: Geschirrtücher mit Hähnen darauf!

Lindsay hat Brian in ihr Haus bestellt, damit dieser vielleicht Melanie zur Vernunft bringt. Sie hat versucht mit ihr zu reden, doch jetzt weigert Mel sich das Schlafzimmer zu verlassen. „Früher oder später kommen sie raus zum fressen - aber wenn ich du wäre würde ich das Vieh wegsperren.“ ist allerdings der einzige Rat, den Brian erteilen kann. Er hat doch gar keine praktischen Fähigkeiten darin Lesben „aus Bäumen raus zu reden.“ Aber Lindsay sagt, dafür habe er eine bewundernswerte Art die Dinge vollkommen objektiv zu sehen. Widerwillig lässt er sich zum Schlaffzimmer zerren, kommt dann zur Tür hinein und setzt sich neben die Fingernagel-Feilende Melanie, greift sich ein Kuscheltier und lässt es sagen: „Zeig mir, wo der böse Mann dir weh getan hat.“ Immer noch außer sich vor Wut erzählt Melanie ihm davon, dass eine lesbische Mutter eine andere lesbische Mutter abgesägt hat, nur weil sie mit einem heterosexuellen, männlichen, weißen Arschloch besser Chancen bei einem konservativen Richter haben! „...klingt logisch.“ Ungläubig schaut Mel ihre Frau an, während Brian fortfährt: „Die Justiz war weißen, heterosexuellen, männlichen Arschlöchern schon immer wohl gesonnen.“ „Aber das war mein Fall!“ „Es ist einfach nur das Geschäft, Mel. Komm damit klar.“ Als Lindsay ihm dann auch noch zustimmt, hat Melanie genug und flüchtet nach unten, sie wolle nichts mehr hören. Brian schaut seine Freundin schulterzuckend an: „Immerhin hat sie das Schlafzimmer verlassen.“

Justin gibt Cody die Waffe zurück, nachdem Brian sie ihm beinah weggenommen hätte, der sie hastig zu verstecken sucht, er habe ja noch andere. „Andere?“, fragt Justin. Cody antwortet, manch einer sammelt Briefmarken, und er eben Pistolen. Sie gehen auf eine Baustelle zu, als Justin fragt, was sie eigentlich hier tun würden. „Wir warten auf jemanden.“
Und dieser jemand ist Chris Hobbs!
Justin kann es nicht fassen. Er fragt er Cody mit erstickender Stimme, wie er Hobbs gefunden hat. „Im Telefonbuch.“, ist die einfache Antwort. Hobbs arbeitet auf der Baustelle, offensichtlich als Vorarbeiter oder Ingenieur. Nach dem Gespräch mit einem Arbeiten passiert Hobbs die jungen Männer – und Justin lässt ihn wortlos an sich vorbeigehen. Doch Cody ruft Chris hinterher. Justin hält Cody fest, er will nicht mit Hobbs reden, aber da hat dieser ihn schon erkannt. „Taylor? Was zum Teufel willst du hier?“ Justin bekommt keinen Ton heraus. „Suchst du einen Job?“, fährt Chris fort, schnaubt dann verächtlich. „Tut mir Leid, wir haben hier keine offenen Stellen ... jedenfalls nicht die Art, die du magst.“ Cody schaut immer wieder erwartend zu Justin, doch der scheint wie erfroren. Chris steht weniger als einen Schritt von den beiden Jungen Männern entfernt. „Schwuchteln.“, sagt er ihnen schließlich ins Gesicht, dreht sich um und geht kopf-schüttelnd. Cody schaut Justin wütent-enttäuscht an – und der lässt nur den Kopf sinken.

Michael und Ben machen sich für eine gemeinsame Nacht schick – sehr schick. Hunter, der auf der Couch sitzt, fragt, was der Anlass sei, und sie antworten, Michaels begeisterte Rezension zu Bens Buch! „Ich dachte, du findest es scheiß langweilig“, sagt Hunter irritiert zu Michael, der das natürlich vor Ben sofort abstreitet. „Das habe ich nie gesagt! ...ich bin dabei eingeschlafen... es war spät!“ „Michael, ich habe dir gesagt, du könntest ehrlich mit mir sein.“ „Ich war ehrlich! Und jetzt lass uns endlich gehen.“ Doch bevor die Tür sich schließt guckt Michael noch mal in die Wohnung und warnt Hunter, ganz wie das perfekte Elternteil, vor „Und warte du nur, wenn ich nach hause komme, Junger Mann!“

Debbie steht mit ihrem Einzugsgeschenk vor Vics und Rodneys neuer Haustür. Als sie klingelt, öffnet jedoch ein fremder Mann. Sie fragt verwirrt nach der Adresse von ihrem Bruder, und da steht auch schon Rodney in der Tür und begrüßt sie herzlich. Im Esszimmer, auf das man direkten Blick hat, sitzen zehn Gäste und lassen sich von den Inhabern des Hauses königlich bewirten. Als Vic seine Schwester sieht, lädt er sich herzlich ein, sich dazu zu setzen, genau wie auch Rodney. Doch sie lehnt ab. „Ich gehe nicht auf Partys, zu denen ich nicht eingeladen bin.“ „Macht doch nichts“, sagt Vic fröhlich, und da entgegnet Debbie aufgebracht, aber leise: „Doch, es macht was. Du hast gesagt, wenn alle so weit sein, würde ich die erste sein, die eingeladen wird.“ Vic versucht, sich damit herauszureden, dieses Abendessen sei eine spontane Affäre, aber der Schaden ist bereits angerichtet.

Emmett schrubbt schon wieder sein Sofa, denn sein letzter Trick, der sich gerade anzieht, ist anscheinend weiter gekommen als erwartet. Emmett fragt ihn, ob er denn nicht ein wenig bleiben wolle, aber der freundliche junge Mann lehnt dankend ab. Er und sein Mitbewohner seien heute verabredet, auf Popcorn und einen Film. Emmett lächelt und erzählt, er habe das früher auch immer gemacht, er konnte es sich bisher einfach nicht leisten, allein zu leben. Der Mann nickt verständnisvoll: „Aber ich glaube, selbst wenn ich genug Geld hätte, würde ich trotzdem nicht allein leben wollen.“ Schon jemand anderen atmen zu hören sei doch wundervoll...“ und als der Mann gegangen ist, hört Emmett ganz genau, was dieser meint: Die Stille ist beinah unheimlich.

Melanie kehrt nachts nach Hause zurück, ist aber offensichtlich immer noch beleidigt. Lindsay möchte das offensichtlich nicht ertragen und sagt, jetzt, wo ihre Frau sicher Zuhause sei, könne sie ja ins Bett gehen. „Ich verstehe ja, dass Brian sich auf Jennettes und Annas Seite schlägt, aber du!“ Melanie wirft ihr vor, Linds habe sie verraten. „Dich verraten? Glaubst du wirklich, ich würde dich jemals verraten?!“ Melanie wisse selbst, wenn es um Gus ginge, dann würden sie auch einen heterosexuellen, weißen Mann engagieren! „Anstatt einer lesbischen Mutter, die eine andere lesbische Mutter verteidigt?!“ „Darum geht’s nicht!“, erwidert Lindsay energisch, „und es geht auch nicht um dich! Sondern um Jennettes Sohn. Wie Brian gesagt hat, es mag nicht fair sein, es mag nicht richtig sein, aber so ist es.“

„Ich bin so ein verdammter Feigling!“. Justin läuft ungläubig in seinem Zimmer auf und ab. Und Daphne kann es ebenfalls nicht glauben – nämlich, dass Justin den ganzen Scheiß wieder aufwühlt! „Wieso bist du da überhaupt hingegangen!?“, fragt seine beste Freundin mit verschränkten Armen. „Weil es nie beendet war!“, sagt Cody, der Daphne nur verständnislos anschaut. Justin soll noch mal zu Hobbs gehen, sich ihm Stellen. „Auf gar keinen Fall!!“, sagt Justin unmissverständlich, doch da drückt Cody ihm auch schon einen Zettel in die Hand – mit Chris Hobbs Adresse.

Im Babylon ist mal wieder volles Haus! Auf der Bühne Tanzen als Inka-Krieger verkleidete Männer und Drag Queens parallel zu einer Kapuera-Show als Michael und Ben auf Brian treffen, der angetrunken zu sein scheint und seine Gedanken über Selbstjustiz mit ihnen teilt – in Form eines Zitates von Shakespeare, weshalb nur Ben versteht, worüber er eigentlich redet und Michael im Dunkeln tappt. Also erklärt Brian es ihm langsam: Sagen wir, jemand schlägt dir den Schädel ein, tötet dich fast, und kommt davon. Gibt das dir das Recht, das selbe zu tun? „Absolut nicht.“, ist Bens Antwort. „Also gibt es kein ultimatives ‚Richtig’ und ‚Falsch’.“, schlussfolgert Brian. „Abgesehen davon, gibt es Gesetze..“ „Aber was“, fährt Brian unbeirrt fort, „wenn das Gesetz dich nicht beschützt? Was, wenn du dem Gesetz scheiß egal bist?“ „Dann musst du es wohl selbst in die Hand nehmen“, folgert Michael, aber Ben widerspricht heftig: Selbstjustiz ist moralisch nie richtig. „Aber sich den Schädel einschlagen lassen und nichts tun, das ist richtig?“
Ein wenig später finden sich Ben und Michael allein auf der Tanzfläche wieder und Ben fragt genauer nach, was Michael denn von seinem Buch halten würde. Und so langsam offenbaren sich Michaels Kritikpunkte: Es war insgesamt etwas lang... und er wusste nicht so genau, was der Hauptcharakter eigentlich wollte... und manchmal war ihm nicht ganz klar, wie sich das alles am Ende noch zusammenfügen sollte. Ben sieht schon um einiges weniger begeistert aus, sagt dann jedoch schulterzuckend, er hätte Michael vielleicht gar nicht fragen sollen. Er sei ja nicht gerade ein Literaturkenner. „Entschuldige, dass ich nicht zu Harvard oder Yale gegangen bin!“, entgegnet dieser, jetzt selbst wenig begeistert. „Nicht deine Schuld“, antwortet Ben und sie tanzen weiter, wenn jedoch die Stimmung geknickt scheint.

Am folgenden Morgen fragt Lindsay ihre Frau, ob sie heute zur Arbeit gehen würde. Melanie antwortet nur: „Wozu?“ Zum Glück öffnet sie gerade da die Tür, um zum Briefkasten zu gehen, denn davor steht Ted, der gerade seinen Wiedergutmachungsbrief durch den Spalt schieben wollte. Melanie greift sich ihre Jacke und sie gehen spazieren. Lindsay schüttelt nur den Kopf. Ted kann sehr gut verstehen, was Melanie durchmacht, und bringt sie zum Lachen. Er übergibt ihr seinen Brief, erklärt, wieso er diesen geschrieben hat. Jeder seiner Freunde hat schon einen bekommen, genauso auch Melanie und Lindsay jetzt, jeder... außer Emmett. „Ich weiß einfach nicht, was ich sagen soll, außer, dass ich wünschte, ich könnte alles ändern.“ Melanie lächelt, nachdem sie den Brief gelesen hat und sagt, sie würde ihn an Lindsay weiterreichen. „Und ich hoffe, sie wird genauso stolz auf dich sein wie ich.“ Sie küssen und umarmen sich, Ted scheint wirklich gerührt. Während sie weiterspazieren erzählt er Melanie von dem Lieblingsspruch seines Vaters, der ihm niemals etwas bedeutete und nun zu seiner Erlösung geworden ist: „Gott gab mir die Gelassenheit, die Dinge, die ich nicht ändern kann, zu akzeptieren, den Mut, die Dinge zu ändern, die ich ändern kann, und die Weisheit zwischen den beiden zu unterscheiden.“

In Kinnetik meldet Cynthia einen jungen Damenbesuch in Brians Büro: Es ist Daphne. „Daphne, welch unerwartete Überraschung. Du siehst heute besonders bezaubernd aus – „ „Was dagegen, wenn du mich später anmachst? Ich muss mit dir reden.“ Zum selben Zeitpunkt sitzt Justin rauchend in seiner Wohnung und starrt auf die tödlich getroffene Papiersilhouette. Daphne sagt Brian, er müsse Justin aufhalten. „Ich hab’s versucht. Hat nicht viel Gutes getan.“ „Was, wenn er in einen Kampf gerät? Was, wenn er verletzt wird?“ Brian lässt sich mit seiner Antwort Zeit, als würde er sich genau dieselben Sorgen machen: „Dann weiß er wenigstens, dass er gekämpft hat, anstatt wegzulaufen.“ Frustriert sinkt Daphne tiefer in die Couch, während Justin die Zigarette ausdrückt und aufbricht.

Melanie betritt ein Meeting zwischen Larry, Anna und Jennette, um ihnen mitzuteilen, dass sie ihre Entscheidung versteht und es nicht persönlich nimmt. „Ich biete euch meine Hilfe und Unterstützung für diesen Fall.“ Es fällt ihr sichtlich schwer, sie möchte sich schon umdrehen und wieder hinausgehen, doch da sagt Larry: „Melanie? Wir könnten deine Hilfe und Unterstützung gebrauchen.“ Mit einem Lächeln schließt Mel die Tür – von innen.

Debbie sitzt allein auf ihrer Couch und schaut einen Film, als Emmett anklopft. Er fragt, ob Vic das Geschenk gefallen hat, sie antwortet, er habe es nicht erwartet. Das Thema wird jedoch nicht weiter ausgebreitet, weil Debbie Emmett auf eine Portion Chocolate Chocolate Chip Eis einlädt. Der Mann nimmt dankend an, er brauche sowieso jemanden zum Reden... er vermisse die alten Zeiten, als er und Michael noch zusammen auf dem Sofa lagen, Eis aßen und Filme schauten.... und dann im Schoß des anderen einschliefen. Emmett lächelt verträumt, und Debbie bietet ihm an, zu bleiben. Sie könnten über Männer reden und einen Film schauen, der sich als Emmetts Favorit herausstellt. Dem Glück dieses Abends steht nichts mehr im Wege, als sie sich gemeinsam lachend auf die Couch kuscheln.

Ben ist schweigsam, als Michael nach Hause kommt, und lehnt auch Essen ab. Er überarbeite gerade die „langweiligen“ Teile seines Buches. Michael setzt sich zu ihm und meint, er kenne den Unterschied zwischen einem guten oder schlechten Buch wirklich nicht. Denn wenn doch, dann wäre er ja wirklich auf Harvard oder Yale gegangen und würde jetzt keinen Comicbuchladen besitzen. Aber Ben hat Nachricht von seinem Verlag bekommen: Sie hielten es für langatmig, die Motivation des Hauptcharakters war unklar und seinem Thema fehlte es an Fokus und Kraft. „Also genau das, was du gesagt hast.“ Michael möchte betroffen irgendetwas Tröstendes sagen, aber da ist Ben schon aufgestanden und hat die Schlafzimmertür hinter sich geschlossen.

Als Chris Hobbs am Abend vor seinem Haus aus seinem Auto steigt wird er von Cody und Justin überrascht, die ihm den Weg versperren: „Seid ihr meine Stalker oder so?! Verschwindet!“ Aber die beiden denken gar nicht daran. „Nicht, bevor du dich entschuldigst“, sagt Justin, der offensichtlich den Mut der Verzweiflung gefasst hat, „dafür, dass du mir den Schädel eingeschlagen hast. Dafür, dass du mir dauerhafte Schäden und eine Gehirnverletzung bereitet hast. Dafür, dass du mich zwei Jahre lang jede Nacht mit Alpträumen geplagt hast. Dafür, dass du mich dazu gebracht hast, Angst zu haben, jedes Mal, wenn ich auf die Straße gehe. Dafür, dass du mich wie einen wertlosen Untermenschen behandelt hast.“ Chris starrt ihn an, dann wird ihm das ganze offensichtlich zu bunt. „Das ist es aber, was du bist, Taylor. Und jetzt geht mir aus dem Weg!“ Er schubst sie zur Seite, Justin schaut ihm hilflos hinterher, Cody gibt ihm die Pistole, und dieses Mal ist sie geladen. Justin ergreift und hebt sie, richtet das kalte Metallstück auf Chris Hobbs: „DON’T. FUCK. WITH. ME!“ Der hält inne, sein Gesicht wird plötzlich panisch, als er die Waffe sieht. „Man, ganz ruhig... .“ „Auf die Knie.“ „...was?“ „Auf die Knie!“ Chris Hobbs kniet sich hin, langsam, mit erhobenen Händen, blinde Angst beherrscht seine Stimme: „Okay. Okay. Ich hab’s gemacht, siehst du? Jetzt tu die Waffe weg.“ Aber Justin hält den Lauf nur an seine Stirn und lächelt fast. „Nicht, bevor du gesagt hast, dass es dir Leid tut.“ Es hat Chris Hobbs die Sprache verschlagen, sein Kinn zittert, er sieht aus, als würde die Angst ihn im jeden nächsten Moment in Tränen ausbrechen lassen. „Sag es!“ „Es... es tut mir Leid.“ „...dass ich dir den Schädel eingeschlagen habe.“ Seine Augen glitzern feucht. „Dass ich dir den Schädel eingeschlagen habe.“ „Dass ich dir permanente Schäden und eine Gehirnverletzung bereit habe.“ Chris Hobbs bekommt die Worte kaum über die Lippen. „Dass ich dir permanente Schäden und eine Gehirnverletzung bereitet habe.“ Cody grinst, Justin senkt die Pistole... und richtet sie gegen Chris Hobbs’ Lippen. „Jetzt lutsch hier dran.“ Cody ist völlig begeistert, Chris Hobbs winselt um Gnade, „bitte...“ „Komm schon, lutsch dran.“ Chris Hobbs schließt die Augen, tut es immer noch nicht, und Justin schreit: „LUTSCH DRAN!“ Und Chris Hobbs öffnet die Lippen und nimmt sie in den Mund, die Schluchzer nur mit Mühe unterdrückend. „Man, das ist wunderschön, das ist das, was du schon immer tun wolltest!“, sagt Cody, doch Justin beachtet ihn kaum: „Jetzt weißt du, wie es sich anfühlt. Die Angst, die jeder schwule Mann fühlt, sein ganzes Leben lang, wenn er die Straße entlang geht, Händchen haltend... wegen Arschlöchern wie dir! Und weißt du was?“ Justin entsichert die Waffe. Chris Hobbs bricht beinah an Ort und Stelle zusammen. Der Zug fährt vorbei. Justins Silhouette wird vom Laternenlicht nachgezeichnet. „Wir haben’s satt.“ Der Zug fährt. „Tu es“, sagt Cody. Justin starrt Chris Hobbs an. Der Zug fährt immer noch an ihnen vorbei. Justins Finger findet den Abzug. Der Zug fährt, und fährt, er scheint gar nicht zu enden, „tu es!“, Justin atmet tief durch... und zieht die Waffe weg. „Das kannst du nicht tun“, ruft Cody, aber Justin sagt dem weinenden Chris Hobbs nur, er solle aufstehen und gehen, und schon gar nicht auf die Idee kommen, die Polizei zu rufen. „Du willst ihnen ja nicht erzählen, dass ein Paar Schwuchteln dich zum Hosenscheißer gemacht hat.“ Cody schreit Justin an, wie konnte er ihn gehen lassen?! „Du hattest ihn! Du hättest ihn haben können, aber du warst zu feige!“ Justin drückt ihm die Pistole in die Hand, dreht sich wortlos um und geht. „Du bist wie alle anderen Schwuchteln!“ Cody folgt ihm noch ein Stück, doch irgendwann lässt er von ihm ab. „Ihr seid alle Feiglinge! Ihr seid alle Pussys! Wir müssen kämpfen! Den Abzug drücken, wenn’s drauf ankommt!“ Aber Justin entfernt sich immer weiter von ihm. Von Chris Hobbs. Von seiner Angst.



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Text & Screencaps © QaF Germany
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