Queer as Folk - Episode 4.06

Nach Unten

Leckereien, Sekt, viele Menschen in Anzügen und Kleidern: So muss eine Geschäftseröffnung aussehen! Kinnetik ist fertiggestellt und wird nun offizielle eröffnet, mit Kunden, Interessierten und Freunden, und Brian in der Mitte, der schmeichelt, beeindruckt und verzaubert. Außerdem gibt er auch Lindsay einen Scheck, mit den Worten, die Concerned Citiziens for the Truth danken den Bewohnern der Liberty Avenue und geben ihnen nun zurück, was sie bekommen haben. Er würde es ja sowieso nur für Alkohol und die Armani Frühlings Kollektion verprassen. Mel erzählt Ted währenddessen, dass sie den Kampf vor Gericht gewonnen und ihre Freundinnen Jenette und Anna ihren Sohn zurück haben. Sie dankt Ted. Er habe ihr wirklich geholfen den Mut zu finden, die Dinge zu ändern, die sie ändern kann, und die Weisheit zu haben zu akzeptieren, was sich nicht ändern lässt. Aber wie Ted anmerkt, daran arbeite er gerade selber noch – und wirft einen Blick zu Emmett. Der und Debbie erzählen Justin gerade begeistert davon, dass Emmett bei ihr eingezogen ist! Außerdem macht Debbie eine abfällige Bemerkung über Vic, der sich gerade mit Ben darüber unterhält, wie undankbar es sei, dass der Verlag sein zweites Buch abgelehnt hat. Michael beruhigt seinen Partner, er würde schon einen anderen Verlag finden, da werfen sich Debbie und Vic verstohlene Blicke zu – doch da verkündet das vielsagende Schlagen eines Messers gegen ein Glas, dass Brian eine Rede halten möchte, für die er auf ein Podest steigt, Lindsay hinter sich her ziehend. Er bedankt sich bei seinen Mitarbeitern, nickt Ted zu und hilft Cynthia auf das Podest, und bei seinen Freunden, Justin folgt ihr, dafür, dass sie heute Abend hier sind, um Kinnetik einzuweihen. „Es war nicht einfach. Man sagt, dass der Markt schrumpfen würde. Man sagt, es sei keine gute Zeit, um eine neue Agentur zu gründen. Nun, ich sage: Glauben Sie kein Wort – besonders nicht in der Werbung.“ Applaus und Gelächter bricht aus, Brian küsst und umarmt Justin auf dem Podium, dann lässt er die Sektkorken knallen!

Im Diner sitzt Vic mit Rodney an einem Tisch und ruft den Namen seiner Schwester, wird jedoch von ihr ignoriert. Michael stürzt herein und zeigt Justin aufgeregt eine E-Mail von einem berühmten Hollywood-Regisseur, Brett Keller. Dieser schreibt, er würde RAGE gerne zu einem Film machen! Die beiden sind völlig begeistert, genau wie Debbie, die sich so sehr darüber freut, dass ihr Sohn nun reich und berühmt werden wird, dass ihr Kreislauf fast zusammenbricht und sie hyperventiliert. Vic kommt zu ihr gestürzt, doch sie weist ihn grob ab, er solle sich nicht sorgen. Michael erzählt seinem Onkel, dass RAGE ein Film werden wird, der daraufhin begeistert fragt, wann die Premiere ist. „Er nimmt seine Mutter mit, du kannst ihn dir ausleihen“, antwortet Debbie ungehalten, woraufhin Vic zu seinem Tisch zurückgekehrt. Michael kniet sich neben seine Mutter und sagt ihr, dass das so nicht weitergehen kann. Wie kann sie immer noch beleidigt sein, nur, weil Vic sie nicht zu seinem Abendessen eingeladen hat? „Das ist es nicht... es ist einfach offensichtlich, dass er mich nicht mehr sehen will.“ „Du weißt, dass das nicht wahr ist. Nur weil er jetzt ein eigenes Leben hat bedeutet das nicht, dass er dich weniger liebt. Du hast mir immer gesagt, Blut ist dicker als Marinara Sauce.“ Er küsst seine Mutter auf die Wange.

Lindsay liest einen Artikel über einen Maler namens Sam Auerbach, während Sydney versucht, mit ihr zu besprechen, wie sie die Gemälde ihrer nächsten Ausstellung anordnen sollen. Schließlich fragt er sie verzweifelt, ob sie ihr Horoskop lese, und Linds erzählt ihm, dass sie Auerbach schon immer bewunderte. Auch Sydney findet Auerbachs Arbeiten umwerfend. Der fertige übrigens auch gerade einige Gemälde hier in Pittsburgh, warum also nicht fragen, ob man diese ausstellen dürfte? Sydney erwidert, das wäre ein Traum, aber Auerbach habe bereits bei einer anderen, größeren Galerie abgelehnt, Lindsay antwortet, in ihrem Horoskop stand, sie sollte mal etwas riskieren; Sydney schlägt schließlich einfach vor, wieder mit beiden Füßen in der Realität zu landen und sich um die nächste Ausstellung zu kümmern.

Justin erzählt Brian in Kinnetik immer noch gefangen im Rausch seines Erfolges von Brett Kellers Nachricht, doch sein Freund scheint sich zwischen einer Besprechung mit Cynthia und der Tatsache, dass Justin seine Schullaufbahn abgebrochen hat nicht so recht dafür begeistern. „Bist du nicht stolz auf mich? Ich werde reich und berühmt werden!“ „Gut, dann kannst du mir ja endlich die tausende von Dollar zurückzahlen, die ich für deine abgebrochene Ausbildung ausgegeben habe.“ Justin ignoriert die Anspielungen Brians jedoch und schlägt vor, am Abend im Babylon zu feiern. Brian lehnt ab, er müsse am nächsten Morgen zur Schule. Justin geht wortlos, um sich seine Jacke zu holen, und schließlich fragt Brian Cynthia, wann die Deadline für ihr nächstes Projekt sei und gesteht Justin einen Drink zu, der triumphierend grinsend das Büro verlässt.

Emmett streicht Debbies und seine Haustür in Dschungelrot, als Ted vorbei kommt. Debbie lädt ihn ein, eine heiße Schokolade zu trinken, doch er lehnt ab, woraufhin sie die beiden allein lässt. Es herrscht ein betretenes Schweigen, bevor Emmett fragt, ob Ted denn nicht eine sarkastische Bemerkung würde los werden wollen, darüber, dass er jetzt mit Debbie zusammen lebt. Aber Ted schüttelt nur irritiert den Kopf, nein, Emmett habe endlich wieder jemanden, der ihn in den Wahnsinn treibt, und Debbie fühle sich nicht mehr so allein. „Meiner Meinung nach ist das ein perfektes Arrangement.“ Emmett schnaubt. „Genauso wie deine Anstellung bei Brian.“ Nach einer erneuten Stille sagt Ted schließlich, weswegen er gekommen ist, und gibt Emmett seinen Wiedergutmachungsbrief. „Wie immer als letzter“, meint dieser verächtlich. „Emmett, du weißt ganz genau, dass du nicht der letzte bist... oder der unwichtigste.“ Emmett streicht nur weiter seine Tür, also legt Ted den Brief neben den Farbeimer. Da dreht sein ehemaliger Freund sich doch noch um und fragt, ob ihm alle verziehen haben. Ted bejaht das, er könne Emmett gar nicht sagen, wie erleichtert er sei. „Schön. Aber...“, Emmett nimmt den Brief in die Hand, „...was wird das Lesen dieses Briefes mir bringen? Wird es all den Schaden beheben, der mir zugefügt wurde? Wird es wieder gutmachen, dass ich mich hilflos und wertlos gefühlt habe? Wird es die Erinnerungen löschen, daran, wie du langsam in deine Sucht abgerutscht bist und versucht hast, mich mitzuziehen? Tut mir Leid, Ted. Du wirst deinen Feel-Good-Fix von jemand anders bekommen müssen.“ Emmett gibt ihm den Brief zurück, und Ted geht.

Hunter und Michael schauen einen Film von Brett Keller, in dem im Grunde genommen nur sehr viel explodiert, während Ben versucht, sich auf das Überarbeiten seines Buches zu konzentrieren. Als Hunter und Michael planen, einen Porsche Carerra zu kaufen und nach seiner Meinung fragen, sagt er ihnen schließlich, er wüsste nicht, welche Fantasie verrückter wäre, die, die sie schauen, oder jene, die sie sich ausmalen. „Nur weil er gesagt hat, dass er es zu einem Film machen möchte, heißt das noch lange nicht, dass es jemals wirklich realisiert wird. Diese Hollywood-Typen riskieren eine große Klappe, und es steckt nichts dahinter.“ Als Hunter und Michael das recht locker aufnehmen und sich lieber darüber unterhalten, wer Rage spielen wird, steht Ben auf und geht ins Bett. Michael möchte ihn zum Bleiben bewegen, aber Ben kann nicht überzeugt werden.

Es regnet in Strömen und eine klitschnasse Lindsay besucht Sam Auerbachs „Studio“ – eine riesige Wand an der eine riesige Leinwand thront, die nur von einem Baugerüst aus zu bemalen ist. Sie fragt einen Mann, ob Sam Auerbach dort sei, der gerade in diesem Moment von ebenjenem mit einer ganzen Tüte Bagels beworfen wird. „Das nennst du einen Bagel?!“ Der Mann antwortet ihr, man könnte meinen, Sam Auerbachs Präsenz sei überall, zieht sich einen Mantel über und macht sich auf den Weg, einen Bagel zu kaufen, für den Mann, der die Leiter hinunter steigt: Sam Auerbach ist dunkelhaarig, trägt einen drei bis sieben Tage Bart und würgt Lindsay, die sich vor Erfurcht und wie ein Riesenfan fast vor Komplimenten überschlägt, ab, da er „pissen müsste wie ein Hurensohn“. „Ich spreche schnell!“ „...na gut, ich werde versuchen, es aufzuhalten.“ Lindsay sagt ihm, dass sie von der Sydney Bloom Galerie kommt und hoffte, ihn für eine Ausstellung interessieren zu können. „Könnt ihr nicht einfach ein Telefon in die Hand nehmen?“ „Ich bevorzuge den persönlichen Kontakt.“ Sam Auerbach hebt eine Augenbraue und sagt dann seiner Assistentin, einer jungen, attraktiven Frau die er mit „Schätzchen“ anredet, sie solle bitte einige Pinsel auf das Gerüst bringen. Dann schlägt er ihr auf den Hintern. „Das nenne ich persönlichen Kontakt.“ Lindsay schaut ihm völlig desillusioniert an.

Ted verlässt gemeinsam mit Blake eine Gruppensitzung und beschwert sich lauthals darüber, dass eine Mitpatientin einfach nicht aufhören kann, ihnen darüber die Ohren vollzuheulen, wie sehr sie doch ihren Stoff vermisst. Mann kann ein Süchtiger sein, man kann sein Leben und das aller um einen herum versauen, aber man soll doch bitte nicht sein Publikum langweilen! Blake fragt ihn, was ihm denn die Laune verdorben habe, und Ted erzählt ihm von Emmett. „Er hat doch Recht! Der einzige Grund, warum ich diese Briefe schreibe, ist der, damit mir alle vergeben und ich mich gut fühlen kann. So habe ich sie doch vorher auch benutzt!“ „Du hast ihm die Wahrheit angeboten. Das ist alles, was zählt.“ „Wenn das alles ist, was zählt, warum hast du mir dann nie deine Wahrheit angeboten?“ Blake schweigt. Und Ted schleudert den Brief auf den Boden. Er würde den Kaffee heute ausfallen lassen. Blake schaut ihm hinterher, und dann auf den verlassenen Brief auf dem Asphalt.

Vic umarmt seine Schwester herzlich, als diese bei ihm in der Wohnung steht. „Ich bin so froh, dass du hier bist!“ „Ja, ich gebe zu, ich habe letztens vielleicht etwas überreagiert.“ Sie setzen sich an den Tisch, Vic holt einen Gugelhupf aus der Küche, den er gerade gebacken hat – sogar zwei, einen für sich, einen für sie. Er schneidet ihnen beiden ein Stück ab, während er sagt, dass er sie nie verletzen wollte, aber er habe das Recht auf ein eigenes Leben, gerade nach allem, was es ihn gekostet habe, so weit zu kommen. „Dich und mich.“ Vic schaut sie an... „Ich weiß.“ Es sei ein Wunder, so Vic, dass er jetzt ein Haus und einen Lebenspartner habe... „Für ein Wunder braucht es aber auch jemanden, der es verursacht“, erwidert Debbie, „und ich meine nicht nur den guten Herrn im Himmel. Ich meine Opfer und Willenskraft und Arbeit, zum Beispiel, als ich dich selbst verpflegt habe, als deine Krankenversicherung aufgebraucht war! Als ich dich gefüttert und dir den Arsch abgewischt habe—“ „Wenn ich noch einmal darüber hören muss, dass du mir den Arsch abgewischt hast“, unterbricht sie Vic, „werde ich wahnsinnig.“ „Aber da ich es tun musste kannst du es dir auch anhören. Wer sonst hätte denn sein Leben angehalten, um deines zu retten?“ „Und ich werde dir auf ewig dankbar sein. Aber ich habe dich nie gebeten, dein Leben anzuhalten, oder es zu opfern.“ „Wie sollte das denn sonst passieren? Magie?! Der Teufel hätte mich holen sollen, wenn dich diese Krankheit gekriegt hätte, solange ich noch ein wenig Kraft hatte! Warum sonst, glaubst du, habe ich es getan?“ Vic schweigt kurz, dann antwortet er: „Ich dachte, du hättest es für mich getan.“ Debbie scheint erst irritiert, dann wütend: „Was soll das denn heißen? Glaubst du etwa, ich hätte es für mich getan?!“ „Wenn es dir ein gutes Gefühl gegeben hat, das Gefühl, einem Zweck zu dienen.“ Debbie erhebt sich und beleidigt ihn, er erwidert, sie würde in seinem Haus nicht so mit ihm sprechen! Sie lacht! „Du hast genommen, was du wolltest, und bei der nächsten Gelegenheit hieß es dann, ‚bis demnächst, Idiot!‘ “ „Raus aus meinem Haus!“ Vic kann es nicht fassen, sagt seiner Schwester, sie solle nicht wieder kommen, bis sie sich entschuldigt hat. „Mach dir keine Sorgen, kleiner Bruder. Denn ich komme nie wieder zurück. Oh, und du willst eine Entschuldigung? Hier, bitte: Fick dich. Kleiner Bruder. Fick. Dich.“

Brian und Justin – der junge Mann offensichtlich schon stock besofffen – sitzen im dunklen, blauen Babylon und füßeln eher gelangweilt. „Weißt du, was das Problem mit unserer ‚nur einmal ficken‘ Abmachung ist?“, fragt Brian. „Vielleicht, dass du dich fragst, ob du es tust weil du es musst, oder weil du es brauchst. Und wenn du es brauchst, ist das dann weil du dir selbst beweisen musst, dass du noch jung und attraktiv bist, oder weil du denkst, dass du es nicht wert bist, geliebt zu werden?“, schlägt Justin lallend vor. „Oder vielleicht...“, entgegnet Brian auf diese profunde Erwiderung seines Freundes, „...weil ich schon jeden fickbaren Typen hatte.“ Justin kann ihm jedoch Frischwild zeigen: Ein neues Gesicht. Brian steht schon auf, um ihn sich zu schnappen, aber Justin zieht ihn zurück: „Zu blöd, Simba. Er hat mich angeschaut.“ „Das ich nicht lache.“ „Wollen wir wetten?“ Na gut. Wenn Justin gewinnt, dann nimmt Brian ihn mit auf einen komplett bezahlten Urlaub nach Ibiza. Und wenn Brian gewinnt, dann geht Justin zurück zur Schule. Als die beiden ihre Gläser geleert haben, ist der Typ aber schon verschwunden.

Lindsay erzählt Melanie wärend dem Ausziehen in ihrem Schlafzimmer angewidert von Sam Auerbach. „Der Mann ist ein Schwein.“ Lindsay ist sich sicher, wäre sie nicht schon eine Lesbe, hätte spätestens er sie zu einer gemacht. „Du würdest doch sagen, dass ich attraktiv bin, oder?“, fragt Linds schließlich. „Jedes Mal, wenn du den Raum betrittst, muss ich meine Augen bedecken.“ „Er hat einfach durch mich hindurch gesehen!“ Melanie fragt sie kritisch, was sie getragen hat, und klärt sie dann darüber auf, sie müsse ungefähr so aussehen, wie die Assistentin, mit der Auerbach geflirtet hat – wie eine Disco Barbie. Okay, Vielleicht nicht ganz so, aber Lindsay sei eine Frau, und Sam Auerbach ein Mann. Lesbisch, hetero, das spiele gar keine Rolle. „Du willst etwas von ihm, also musst du sein Spiel spielen, denn er wird ganz sicher nicht deins spielen.“, so wie Linds und Brian es ihr bei Jenettes und Annas Fall geraten haben. „Erinner mich daran, meine große Klappe zu halten“, sagt Lindsay nur augenrollend. Melanie küsst ihre Frau liebevoll und wendet sich dann wieder ihrem Buch zu.

Justin ist in Michaels Comicladen, wo Ben auf seinen Freund wartet, die gemeinsam essen gehen wollen. Ben und Justin unterhalten sich über Brett Kellers Angebot, RAGE: The Movie zu produzieren, und Ben klärt Justin darüber auf, dass Keller, wenn sie einmal verkauft haben, alles machen kann, was er will: Rage könnte zum Beispiel hetero werden. „Wir brauchen einen Anwalt“, sagt Justin zu Michael, der gerade hinzustößt, und alles andere als erfreut darüber ist, dass Ben dem jungen Künstler Angst gemacht hat. Er meint, Brett Keller habe ihnen geschrieben, er liebe Rage so wie er ist, deswegen würde das nicht passieren. Und zu Ben sagt er: „Halt dich einfach da raus!“ „Mit Vergnügen“, entgegnet dieser ebenso verstimmt und verlässt das Geschäft allein.

Emmett bearbeitet in Debbies Vorgarten etwas Pflanzenähnliches – wahrscheinlich eine Pudel-Figur, die er versucht mit Blumen zu dekorieren – als Blake kommt, um ihm Teds Brief zurückzugeben. Emmett jedoch betont, er habe Ted bereits gesagt, er fände es toll, dass dieser seine Schritte mache, aber es ginge bei diesem Brief nicht um Emmett, sondern um Ted. Blake widerspricht, es gehe um Emmett – darum, dass dieser Ted hilft, und selbst loszulassen um weiterzukommen. „Ich bin weitergekommen. Genau wie Ted. Ohne irgendwelche Hilfe oder Vergebung von mir.“ „Er bittet nicht um deine Vergebung, sondern darum, dass du anerkennst, wie sehr es ihn schmerzt, dass er dich verletzt hat. Danach muss er sich selbst vergeben.“ Emmett hat Blake den Rücken zugewandt und bearbeitet weiterhin sein Grünzeug. Also lässt der Therapeut den Brief auf dem Gebüsch am Zaun liegen und geht.

Im Fitnessstudio wird Justin von einem Fremden eine Einladung per Zettel überreicht – dass das immer noch funktioniert ist ein Wunder, aber als Brian auf einmal den Typen entdeckt, den die beiden im Babylon aus den Augen verloren hatten, ermutigt er seinen Freund dazu, sich der Einladung anzunehmen und setzt sich selbst neben den Typen aus dem Babylon, dem Objekt ihrer Wette. Er hat ihn schon so gut wie in der Tasche, da bemerkt Justin, dass Brian kurz davor steht, ihn wieder in die Schule zurückzuschicken und lässt dem Wettobjekt durch seinen gerade erworbenen Trick ausrichten, Brian habe Filzläuse. Das Wettobjekt entfernt sich sofort zu Brians Überraschung, dem Justin tröstend auf die Schulter klopft, ihn aber dann doch aufklärt, was los ist. Aber so einfach gibt ein Brian Kinney nicht auf.

Lindsay ist wieder in Sam Auerbachs Studio – dieses Mal mit einer flotten Frisur, einem modischen Mantel und einer Tüte Bagels, die sie ihm mit beinah zitternder Hand überreicht; Lindsay besteht den ersten Test. Der Bagel schmeckt Sam Auerbach, und er lädt sie ein, mit ihm auf das Gerüst zu kommen. Sie zieht ihren Mantel aus, darunter kommen ein weitausgeschnittenes, kurzes schwarzes Kleid und Kniehohe schwarze Stiefel zum Vorschein. Sam Auerbach starrt von oben direkt auf ihre Brüste und greift ihr, um Lindsay auf das Gerüst zu helfen, an den Hintern. Er ignoriert jedwede ihrer Bemerkungen über die Sydney Bloom Galerie und drückt ihr stattdessen einen Pinsel in die Hand. Vor Ehrfurcht bleibt Lindsay fast das Herz stehen, sie darf an einem Gemälde ihres größten Idoles mitwirken! Er hält ihre Hand in der seinen während sie so gemeinsam malen, und seine andere Hand wandert schamlos zu Lindsays Hintern. Die dreht sich um, „was tun Sie da?“, und malt ihm aus Versehen rote Farbe ins Gesicht. Sie entschuldigt sich hundert Mal. „Sie sollten wissen, dass ich glücklich verheiratet bin.“ „Wer ist der Glückliche?“ „Der Glückliche ist eine sie.“ Sam Auerbach schaut sie mit einem Mal völlig verändert an: „Noch besser. Ruf ihn an, wir können einen Dreier machen.“ Da boxt Lindsay ihm mit der Faust ins Gesicht – worauf er beinahe vom Gerüst fällt! Doch Lindsay zieht ihn zurück. „Du musst ja wirklich eine Lesbe sein, mit so einem rechten Haken!“ Das ist zu viel für Lindsay. „Sie sind der widerwärtigste Mann, der mir jemals untergekommen sind, auch wenn sie ein Genie sind!“ Sie klettert die Leiter hinunter, doch Sam Auerbach kann nichts schocken: „Wie sagten Sie heißt diese Bäckerei noch mal?“ Aber Lindsay greift ihren Mantel und verschwindet mit einem abfälligen Blick. Sam schaut ihr nachdenklich grinsend hinterher.

Michael und Emmett bringen einige Umzugskartons zu Vic, denn Debbie wollte alle Überreste von ihm loswerden! Sie klopfen, aber niemand öffnet, also zückt Michael seinen Schlüssel. Im Wohnzimmer finden sie Vic vor, der vor dem laufenden Fernseher im Sessel liegt. Sie lachen, da muss der Arme eingeschlafen sein! Emmett schlägt vor, das Zeug einfach abzuladen, aber Michael weiß doch gar nicht wo! Nein, sie wecken ihn besser. Michael schüttelt sanft die Schulter seines Onkels. „Onkel Vic, die Umzugsleute sind hier.“ „Mit allem aus Debs Küche abgesehen von der Spüle“, fügt Emmett grinsend hinzu.
Keine Reaktion. „...Onkel Vic?“ Wieder nicht. „...Onkel Vic?“ Emmett schaut mit einer immer offensichtlicher werdenden, schrecklichen Gewissheit zu, wie sein Freund versucht, den alten Mann zu wecken, der aber die Augen einfach nicht öffnen will. „Onkel Vic?“

Im Diner serviert Debbie gerade gutgelaunt aber gestresst einigen Kunden das Essen, als Michael hineinkommt. „Mom.“ „Nicht jetzt, Schatz, siehst du nicht, dass ich zu tun habe?“ „Bitte!“ Kunden rufen nach ihr, die Küche ruft nach ihr, sie läuft so schnell sie kann, doch Michael folgt ihr hartnäckig: „Mom, wirst du das verdammte Tablett weglegen?!“, sagt er mit erstickter Stimme. „Was ist so wichtig, dass es nicht warten kann?!“ „...es geht um Onkel Vic.“ „Was ist mit ihm, hat er sich in die Hosen geschissen, als ihr mit den ganzen Töpfen ankamt? Ich hoffe es, dieser kleine Hurensohn...!“ Michael blockiert aber ihren weg, Emmett schaut wortlos zu den beiden hinüber. „Onkel Vic ist von uns gegangen... er ist verschieden.“ Debbie schaut nur durch Michael hindurch, während dieser weiter erzählt, immer den Tränen nahe, wie er einen Krankenwagen und Rodney angerufen hätte, aber es sei zu spät gewesen, dass es ihm so Leid tut... . Sie steht völlig unter Schock, „ich muss das Essen servieren“, murmelt sie abwesend, aber Michael nimmt ihr das Tablett aus der Hand. „Das kann warten.“

Justin ist allein im Woody’s, wo er, Glück muss man haben, ihr Wettobjekt findet. Das Wettobjekt stellt sich als Shane vor, gerade mal eine Woche in Pittsburgh, noch aus den Kisten lebend. Justin bietet Shane an, ihm beim Auspacken zu helfen und sie werden sich schnell darüber einig, dass es doch eine gute Idee wäre, zu ficken, da steht Brian auf einmal vor Justin. „Die Wette ist um. Vic ist tot.“ Justin starrt ihn kurz an, dann kichert er. „Das ist echt verabscheuungswürdig, sogar für dich.“ Aber Brian zieht ihn zurück, als er mit dem Typen abhauen will. „Es ist wahr.“ Justin dreht sich wieder zu Brian – und ihm wird klar, dass sein Partner die Wahrheit sagt.

In Debbies Haus sind Rodney, Michael, Ben, Hunter und Debbie versammelt, alle mitgenommen, vom weinenden Rodney bis hin zur emotionslosen Debbie. Brian und Justin kommen gerade zur Tür herein, Brian schließt Michael fest in die Arme, Justin Debbie. Anscheinend starb Vic wegen den ganzen Medikamenten, die er nahm. „Ich dachte, die Medikamente sollen einen am Leben erhalten, und nicht umbringen“, sagt ein verschüchtert wirkender Hunter. Rodney schluchzt, er hatte gedacht, dass sie beiden länger zusammen sein würden! Emmett erwidert leise, so hätte es auch sein sollen. Brian ist der Nächste, der etwas sagt: „Vic lag vor vier Jahren auf seinem Totenbett – all das hier war ein Geschenk. Es hätte sehr viel schlimmer sein können. Wenn du mich fragst hatte er verdammtes Glück.“ KLATSCH! Da landet auch schon eine schmerzhafte Ohrfeige von Debbie in Brians Gesicht, Michael sofort an seiner Seite. „Es hat dich aber niemand gefragt! Und wer bist du, dass du entscheiden kannst, wie lange er leben sollte?!“ Brian hält sich die Wange und spricht weiterhin leise: „Ich weiß, die Wahrheit tut weh.“ Debbie sieht ihn angewidert an: „Verschwinde aus meinem Haus!“ Und Brian tut, wie ihm befohlen. Justin folgt ihm, bittet ihn, Debbie einfach zu sagen, dass es ihm Leid täte, sie sei einfach traurig! „Es tut mir aber nicht Leid.“ Melanie und Lindsay kommen ihnen entgegen, sie hätten es gerade erst gehört. „Wir sind gleich wieder da“, ruft Justin ihnen noch hinterher, aber Brian scheint andere Pläne zu haben: „Wir haben immer noch eine Wette.“ „Wie kannst du in solch einem Moment an Sex denken?“ „Dies ist der beste Moment, um daran zu denken“, Brian zieht ihn zu sich heran, aber Justin weicht ihm aus und geht kopfschüttelnd ins Haus zurück.

Michael blättert in seinem alten Zimmer durch eines seiner Comics. So findet Ben ihn vor, der fragt, wie es ihm geht. „Ich denke jetzt gerade nicht an mich, sondern an meine Mutter. Ich glaube, sie steht immer noch unter Schock.“ Ben meint, Brian hätte ihr mit seiner unsensiblen Bemerkung nicht gerade geholfen. Michael zuckt nur mit den Schultern, Vic hätte Brian zugestimmt. „Trotzdem war es nicht an ihm, das zu sagen... seinen Tod einfach gleichgültig abzutun... .“ „Brian tut alles gleichgültig ab, so ist er!“ „Und du verteidigst ihn. So bist du.“ „Ich muss mir nicht sagen lassen, wie ich mich fühlen oder wie ich reagieren soll. Und wenn du deswegen hier hoch gekommen bist—“ „Das bin ich nicht. Ich bin gekommen, um dir meine grenzenlose Liebe und Unterstützung anzubieten. Wenn ich dir irgendwie helfen kann... .“ „Das kannst du. Du kannst alles andere beiseite tun, denn mir ist gerade alles egal, auch irgendein blöder Regisseur aus Hollywood! Alles, was mich interessiert, ist, meine Mutter hier heil durchzubekommen! ... Ich hoffe nur, ich schaffe das!“

Mitten in der Nacht klopft es an Teds Tür: Blake wird hineingelassen, und erzählt, dass er gerade von einem Meeting käme. Nur sei es dieses Mal für ihn an der Zeit gewesen, zu sprechen: „Ich habe gesagt, dass, obwohl ich schon seit zwei Jahren clean bin, obwohl ich mir Mühe gegeben habe, ein guter Therapeut zu sein, fühle ich mich doch, als habe ich versagt. Weil ich die eine Wiedergutmachung nicht geleistet habe, die ich hätte leisten müssen.“ Ted weiß natürlich, wen Blake meint, und bietet ihm an, einen Brief zu schreiben. Aber Blake hat eine andere Idee: Er küsst Ted.

Emmett verabschiedet schließlich auch Michael – der eigentlich bleiben will, aber Em versichert ihm, er müsse sich keine Sorgen machen – Hunter und Ben, bevor er Debbie Milch mit Honig und eine Schlaftablette auf ihr Zimmer bringt. Aber sie sagt ihm, er soll die Pille behalten. „Du musst dich beruhigen.“ „Mich beruhigen? Wie könnte ich mich beruhigen, nachdem, was ich zu ihm gesagt habe? Ich hab gesagt, dass es mich nicht interessiert, ob ich ihn jemals wieder sehe. Und meine letzten Worte zu ihm waren ‚fick dich‘.“ „Ihr beide habt euch immer gestritten.“ „Ja, und wir haben uns immer wieder vertragen.“ Sie drückt ihr Kissen enger an sich. „Aber nicht dieses Mal.“
Als Emmett in seinem eigenen Zimmer ist, nimmt er Teds Brief, den er offensichtlich doch vom Gebüsch aufgehoben hat, und beginnt, zu lesen.

Im Babylon gewinnt ein recht abgelenkt und uninteressiert wirkender Brian gerade eine Wette: Shane gibt ihm einen blowjob! Wie gewöhnlich ohne Interesse an jeglicher Unterhaltung mit dem Wettobjekt nach dem Orgasmus will Brian direkt gehen, doch Shane sagt, es gebe da etwas, über das er mit Brian reden möchte und drückt ihm eine Visitenkarte in die Hand. „Du solltest mich anrufen.“ „Sorry, ich geb keine Wiederholungen.“ „Ich bin Arzt.“ Brian nimmt die Visitenkarte. „Was willst du tun? Willst du bezahlt werden, um meine Prostata abzutasten?“ Doch der Arzt ignoriert Brians selbstgefälliges Grinsen. „Ich dachte nur du solltest wissen, du hast einen Knoten an deinem linken Hoden.“ Brians Grinsen erstirbt. „Wäre ich du, würde ich das checken lassen. Je schneller desto besser.“ Brian dreht sich um und geht, sich an der Wand des Backrooms festhaltend, sein Gesichtsausdruck die perfekte Mischung aus Unglaube, Wut... und Angst.



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