Queer as Folk - Episode 4.12

Nach Unten

Elternabend! Ben und Michael bleibt auch gar nichts erspart. Die Lehrerin jedoch lobt Hunter: Er sei war manchmal undiszipliniert und von Zeit zu Zeit ein kleiner Besserwisser, aber seine Noten seien hervorragenden – Ben und Michael werden auf jeden Fall für ihre exzellente Arbeit gelobt. Michael sagt, als sie das Klassenzimmer verlassen, das hier sei das erste Mal, dass ein Lehrer ihm gesagt habe, er habe irgendetwas „exzellent“ gemacht – da werden sie von einem Ehepaar in ihrem Alter angesprochen, welches sich als Kellys Eltern herausstellt. Callie...? Das muss Hunters Freundin sein! „Natürlich, die berühmte Callie!“, versichert Ben hastig, auch wenn weder er noch Michael den Namen von Hunters Freundin je erfahren haben. „Ben Bruckner.“ „Michael Novotny... Bruckner.“ Kellys Eltern, Stephen und Amber, sagen Ben und Michael, sie könnten wahrlich stolz auf Hunter sein, der nur in höchsten Tönen von ihnen spräche, und Callie klinge jedes Mal ganz verträumt, wenn sie den Namen des jungen Mannes nur erwähnt. Die vier Eltern verabreden sich – sie müssten sich unbedingt einmal treffen!

Brian wird von einem Arzt untersucht, der offenbar sehr zufrieden ist: Er scheint keine Schmerzen mehr zu haben, wenigstens nicht im Moment, sein Sexleben sei ungestört, er habe zugenommen (für den Arzt ist das gut, für Brian ein Desaster), Blutbild und Sonographie liefern keine Hinweis darauf, dass der Krebs sich verbreitet hat. Natürlich könne man nicht ausschließen, dass er zurückkehrt, aber Brians Chancen stehen gut. „Wann kann ich wieder ein gewöhnliches Leben führen?“, fragt Brian, „Drogen nehmen, massig Alkohol trinken... ins Fitnessstudio gehen... .“ Der Arzt antwortet, gegen ein bisschen Sport sei ja nichts einzuwenden... . „Doc, Ich bin eine Schwuchtel. Ich gehe nichts ins Fitnessstudio um gesund zu bleiben, ich gehe da hin um gut auszusehen. Ein bisschen Sport tut’s da nicht.“ Das erntet ihm einen strengen Blick. „Brian, Sie hatten Krebs. Ihr Körper wurde regelmäßig bestrahlt! Ich schlage vor, Sie ruhen sich erst mal aus. Schließlich sind Sie nicht mehr 21.“ Ja, das ist genau das, was Brian hören wollte.

Melanie kann kaum fassen, was ihr da zugetragen wird! Dieser Idiot Pendergrass hat sich einfach so aus dem Staub gemacht, mit der Begründung, er genieße nicht das Vertrauen einiger „einflussreichen Community-Mitglieder“, und hat sie auf den Kosten sitzen lassen! Was haben sie jetzt für Möglichkeiten? „Gratulation alle zusammen. Wir sind die erste Wohltätigkeits-Radtour, die rückwärts fährt.“ Tannis meint, sie könnten nur den Liberty Ride absagen und allen ihr Geld zurückgeben – 25.000 Dollar bräuchten sie dafür. „Das haben wir doch nicht!“, werfen Melanie und Ben ein; das Liberty Haus braucht das Geld, sonst müssen sie dicht machen. Sie müssten den Liberty Ride einfach neu organisieren und mehr Sponsoren finden.

Emmett und Ted spazieren die Straße entlang, weil Ted seinen Freund zum Essen eingeladen hat. „Ich dachte, du könntest die Aufmunterung gebrauchen.“ „Danke, Teddy... es war ja wirklich nicht einfach.“ Wie oft käme man schon dazu, so eine Fantasie auszuleben? Eine geheime Affäre mit einem berühmten Footballstar, der einen so gut ficken konnte wie niemand sonst zuvor, dreimal die Woche! Auf jeden Fall will Emmett nichts mehr über Drew Boyd hören – was ein klein wenig schwierig sein könnte: Überall hängen Plakate von Drew in seiner Unterwäsche, auf Bussen, Litfasssäulen, in Magazinen. Ted rät ihm, sich einfach von allen öffentlichen Transportmitteln, Gebäuden, Plätzen und Publikationen fernzuhalten, mindestens für das nächste Jahr – und da stehen sie auch schon vor einem überlebensgroßen Poster von Drew an der gegenüberliegenden Hauswand. Emmett sackt mitleidserregend an der Schulter seines Freundes zusammen.

Melanie ist auf der Geburstagsparty eines der Kinder ihrer Freundinnen, die sagen, sie sähe einfach prächtig aus, und Lindsay zu ihrer sehr gelungenen Ausstellung gratulieren. „Es muss doch wunderbar gewesen sein, mit so einem berühmten Künstler zusammen zu arbeiten!“ „Oh ja“, antwortet Melanie gehässig, „sie hat all seine Bedürfnisse befriedigt.“ Als Melanie und Lindsay bei der nächsten Gelegenheit allein in der Küche sind, fragt Linds, ob diese Bemerkung wirklich nötig gewesen wäre. Sie habe sich doch schon tausend Mal entschuldigt und beteuert, dass es ein Fehler gewesen ist! „Nein, du sagtest, es war etwas Gutes, weil es dir geholfen hat, zu realisieren, dass du trotz allem immer noch mich bevorzugst.“ „Das ist wahr!“ Aber Melanie will nichts hören: Sie wisse immerhin, wer sie ist: Eine Lesbe! Das habe nichts mit Präferenz oder Vorzug zu tun, das ist, wer sie ist! Lindsay hingegen sei keine Lesbe – nicht, wenn ein Mann sie gefickt hat. Und dann ist Melanie auch noch schwanger... sie weiß wirklich nicht, wie sie Lindsay jemals vergeben soll. Gerade da betritt ihre Freundin Dusty die Küche, bemerkt, dass die beiden streiten, und winkt ab, sie bräuchten nicht zu erklären, die Hormone könnten eine schwangere Frau echt zur Bestie machen.

Ben, Michael, Ted, Justin und Brian sind auf dem Weg zum Fitnessstudio und unterhalten sich darüber, wieso Jeffrey Pendergrass wohl so Hals über Kopf geflohen ist. „Was schaust du mich so an?“, fragt Brian Michael, und Ben greift schnell ein: Das spiele doch keine Rolle, der Liberty Ride würde immer noch stattfinden. An der Tür des Fitnessstudios fragt Michael Brian, ob dieser sie denn nicht begleiten will, aber Justin sagt schnell, dass sein Arzt ihm geraten habe, es langsam angehen zu lassen. „Also nur drei Mal die Woche ficken anstatt vier Mal?“, fragt Ted. „Eher sieben Mal die Woche ficken anstatt Neun!“, antwortet Justin vergnügt. Michael bedauert, dass Brian nicht mit ihnen am Liberty Ride wird teilnehmen können, aber Ted bezweifelt, dass Brian Kinney das auch bei bester Gesundheit jemals getan hätte. Ben jedoch ist sich da offensichtlich nicht so sicher: Es ginge hier immerhin um das Hospiz Liberty House, und jeder, auch Brian, würde ihm sicherlich zustimmen, dass man es verdient, mit Würde und einem Freund an der Seite zu sterben – es könnte immerhin auch einen von ihnen treffen. Brian kommentiert das nicht.

Debbie schaut misstrauisch zur Tür hinaus: „Dieses schwarze Auto fährt schon seit einer halben Stunde um den Block und hält immer vor unserem Haus.“ Emmett erwidert: „Na und?“ Sie flüstert nur noch: „Du glaubst nicht, dass Vic ein Doppelleben geführt hat, oder? Er hat vielleicht für die CIA gearbeitet... oder für die Mafia oder eine ausländische Regierung und jetzt, da er tot ist, haben sie sich entschlossen, uns alle auszulöschen!“ Emmett schaut sie an, als würde er darüber nachdenken, dann antwortet er: „Nein.“ Er bietet Debbie an, dass sie das Haus über die Hintertür verlassen kann, während er vorne hinaus geht und sie ablenkt. Doch tatsächlich war Debbies Theorie gar nicht so abwegig, denn der Wagen mit den verspiegelten Scheiben folgt Emmett im Schritttempo und wird gleichzeitig mit ihm langsamer und schneller. Schließlich klopft Emmett energisch gegen die Seitenscheibe des Fahrers: „Wenn Sie vorhaben, mich zu entführen, sollten sie wissen, dass man uns nicht umsonst ‚screaming faggots’ nennt. Und wenn Sie bei mir landen wollen, dann gehen Sie das auch ganz falsch an.“ Die Scheibe wird heruntergekurbelt – es ist Drew Boyd: „Steig ein.“ „Man soll nicht bei Fremden mitfahren.“ „Steig ein!“ Emmett gehorcht. Kaum im Auto legt Drew los: „Ich spiele scheiße.“ „Sag’s deinem Trainer.“ „Ich kann nicht schlafen.“ „Nimm eine Tablette.“ „Ich trinke zu viel!“ „Kauf mehr Knabberkram!“ Offensichtlich ist das, was nun kommt: „Ich vermisse dich.“ Emmett fühlt sich offensichtlich geschmeichelt, widersteht jedoch einer Einladung zurück in ihr Hotel. Er liebe es schon, wenn Drew ihn fickt, aber für Männer reicht Sex nicht immer! „Okay. Wir werden ausgehen.“ Emmett ist überglücklich vor Freude, als Drew ihn dann auch noch küsst – verspiegelte Scheiben hin oder her.

Hunter und Callie liegen auf ihrem Bett, und auch die beiden küssen sich. Das Licht ist rot, man kann sie durch die mädchenhafte Dekoration von Callies Zimmer kaum erkennen – die Atmosphäre ist also perfekt. Callie gesteht lachend, dass das erste, was ihr an Hunter auffiel, seine Lippen gewesen sind. Er erwidert scherzhaft, bei ihr sei es die Nase gewesen, seine Hände finden dann jedoch den Weg unter ihr T-Shirt und zu ihren Brüsten. Männer. Alle gleich. Sie küssen sich wieder, bis Callie dann fragt, ob er ein Kondom dabei habe, wenn nicht, sie hat welche von ihrem Bruder stibitzt. Er starrt sie verwundert an: „Willst du denn?“ „Klar. Du nicht?“ Hunter bringt ein klein wenig mehr Abstand zwischen sie... natürlich will er, aber... „Du musst etwas wissen. Ich habe HIV.“ Die drohende Apokalypse, die er erwartet hat, trifft nicht ein. Callie streichelt besorgt sein Gesicht und fragt als allererstes, ob es ihm gut geht! Dann, ob jemand anderes in der Schule es wisse. „Wie hast du es gekriegt? War es eine Transfusion... oder Drogen?“ Hunter schaut sie mutlos an, hastig meint sie, er müsse es ihr nicht sagen. Hunter will schon gehen, aber Callie hält ihn zurück. „Meine Eltern kommen erst in ein paar Stunden nach Hause... und wir haben doch die hier, oder?“ Sie hält ein Kondom in den Händen. „Solang wir das benutzen ist es sicher, oder?“ Hunter kann sein Glück kaum fassen, als er sie wieder küsst.

Ted setzt sich im Diner zu Emmett und schlägt das Magazin, das dieser gerade liest (bzw. Drew Boyds Werbungen anstarrt) zu. Emmett nimmt sich einfach die nächste Zeitschrift. Er dürfe jetzt wieder, denn Drew hat ihn eingeladen, mit ihm auszugehen! „Er hat mich vermisst. Der Typ, der gestern noch so tief im closet war, wird auf ein Homo-Date gehen – alles wegen mir. Und vielleicht enden wir ja auch im Babylon!“ Ted scheint nicht dazu in der Lage zu sein, sich für seinen Freund zu freuen... er wirkt misstrauisch und verstimmt. An einem anderen Tisch sitzt Mel, der Debbie gerade einen Teller mit Essen bringt: „Willst du dieses Baby hier gebären? Du sitzt hier schon seit dem Frühstück. Hier kommt das Mittagessen.“ Melanie versichert der besorgten Großmutter, ihr und dem Kind gehe es gut. „Lindsay und ich... wir haben Probleme, Deb. Große Probleme...“ „Stop. Ich will’s nicht hören. Denn was auch immer es ist: Es ist egal. Alles, was im Moment zählt, ist, dass du kurz davor bist, ein Kind zu bekommen.“ Deb steht auf, um Nachtisch zu holen, und Mel schaut niedergeschlagen ins Nichts.

Der Leiter des Hospizes führt den Chef von Ramson Pharmacotics und Brian durch das Hospiz und zeigt ihnen die katastrophalen Zustände. Der Staat hat ihre Mittel gekürzt, die privaten Spenden bleiben aus, weil alle denken, niemand sterbe mehr an AIDS. Sie haben nur noch zwei Angestellte, und mussten schon einige ihrer Bewohner in ein County-Krankenhaus schicken (die sogenannten County-Hospitals sind Krankenhäuser für Menschen ohne Krankenversicherung und teilweise in furchtbarem Zustand). Am schlimmsten sei es, dass sie nicht mehr tun können. Und, wie ihren Patienten, läuft ihre Zeit ab. Vor der Tür sagt der Chef von Ramson Brian, dass es sehr schwierig sein würde, ihm jetzt nein zu sagen, nach allem, was er gesehen hat. „Ich bitte Sie nur darum, einen Fahrer beim Liberty Ride zu sponsern. Das ist alles.“ „Ich glaube, dass werden wir aufbringen können. Wie viel wollen Sie?“ „100.000. Es ist nicht mehr, als Sie für eine Werbung in einer Zeitschrift zahlen würde, und die gute Publicitiy ist besser als jede Kampagne, die ich mir ausdenken könnte.“

Hunter schaut Michael in dessen Laden verwirrt dabei zu, wie dieser einen Comic aus den 50er mit Handschuhen in eine Plastikhülle tut. „Dr. Michael Novotny, Spezialist für Comicologie, triumphiert einmal mehr!“ „Freak Show“, murmelt Hunter und hebt auf Michaels Bitten hin das klingelnde Telefon ab. „Es ist Callies Vater!“, zischt er Michael leise zu, bevor er den Hörer weiterreicht. Michael und Stephen verabreden sich für den heutigen Abend um acht Uhr in Michaels und Bens Wohnung. „Du gehst besser nach Hause und putzt – deine zukünftigen Schwiegereltern kommen uns besuchen.“ Hunter macht ein Gesicht, als würde er denken: Das kann ja heiter werden.

Im Loft geht es mal wieder extrem heiß her: Justin auf Brian, viel Stöhnen, viel Leidenschaft (man muss es gesehen haben, das können Worte nicht beschreiben!). „Von all den Male, die wir gefickt haben... und inzwischen sind wir locker im vierstelligen Bereich...“, beginnt Brian erschöpft, „...zählt der hier zu den Top Five.“ Justins Hand streichelt müde durch seine Haare: „Das macht dann 1000 Dollar.“ Er möchte, dass Brian ihn beim Liberty Ride sponsert. „Das geht nicht.“ Er zündet sich eine Zigarette an. „Ich sponsere schon jemanden: mich.“ Justin hält das zuerst für einen Witz: „Du darfst nicht. Dein Arzt hat gesagt, du sollst dich ausruhen. Du bist nicht in Form. Du hasst Fahrradfahren. Du hasst Camping. Du hasst Wohltätigkeitsveranstaltungen. Du hasst das Gay and Lesbian Center und alles, was etwas damit zu tun hat, also nenn mir auch nur einen Grund, warum du mitmachen solltest.“ „Weil ich es will.“ „In deinem Alter—“ „In meinem Alter kann ich meine eigenen Entscheidungen treffen. Wann ist die nächste Trainingsstunde?“ „Morgen.“ Justin sinkt auf dem Bett zusammen. Offenbar hat er es aufgegeben – wenigstens für heute Nacht.

Melanie und Lindsay essen schweigend, bis: „Der Lachs schmeckt wirklich gut.“ Lindsay ist überrascht von diesem plötzlich Lob ihrer Frau, die beginnt, den Tisch abzudecken und zu reden, als sei alles... normal: Die nächste Rate für das Haus sei fällig, sie müssten also beide einen Scheck fertig machen, und morgen käme auch der Mann, der nach Termiten sucht. „Erstaunlich wie viel Arbeit es ist, dieses Haus in Schuss zu halten, es hört einfach niemals auf.“ Melanie schaut sie an: „Es ist unser Zuhause, wir müssen uns also darum kümmern.“ Außerdem habe ein befreundetes Paar angerufen und gefragt, ob die Verabredung, die die vier hatten, noch steht, und sie habe gesagt, selbstverständlich. Impulsiv küsst Lindsay Melanie auf die Wange und umarmt sie – Mel erträgt das für einige Sekunden, dann stößt sie Lindsay von sich. „Ich wollte dich doch nur umarmen und dir einen Kuss geben.“ „Aber ich will nicht, dass du mich umarmst und mir einen Kuss gibst! Ich versuche nur, Dinge in Ordnung zu halten!“ Lindsay ist entgeistert, und ernüchtert: Sie hatte geglaubt, Mel habe ihr vergeben. „Wie könnte ich dir vergeben?! Ich werde dir niemals alles geben können, was du willst! Und deswegen wirst du dich immer unglücklich fühlen und ich werde immer denken, dass ich einfach nicht genug bin!“ Sie verlässt den Raum – doch auf einmal hält Mel inne und stöhnt schmerzerfüllt auf. Lindsay rennt zu ihr. „Etwas stimmt nicht.“

Die Freunde tanzen im Babylon: Justin albert gut gelaunt mit Brian herum, Ted schaut neugierig lächelnd zum Ausgang, Michael und Ben haben nur Augen füreinander. Das ändert sich, als Emmett auf einmal mit Drew Boyd eintritt! Der zieht ausnahmslos alle Blicke auf sich, die Freunde starren ihn alle mit offenen Mündern an (sogar Brian!). Keiner von ihnen bringt ein Wort heraus, der Ausdruck auf ihrem Gesicht ist offensichtlich: Ich will ihn ficken. Aber es ist Emmett mit dem Drew Boyd tanzt, es ist Emmett, den er küsst—so hatte der sich das zumindest vorgestellt, denn tatsächlich sitzt er mit Drew in einem wie ausgestorbenen Restaurant. „Fällt dir irgendwas Merkwürdiges auf?“ Drew tut erst unschuldig, gibt dann jedoch zu, das Restaurant für diese eine Nacht gekauft zu haben: „Man kann wirklich unmöglich essen, oder auch nur eine Unterhaltung führen, wenn alle zwei Minuten Fans an den Tisch kommen. Glaub mir, es ist besser so.“ Er verspricht außerdem einen riesigen Schokoladenkuchen als Dessert, der unglaublich lecker sein soll – und Emmett lächelt, aber es ist offensichtlich, dass er sich etwas Anderes vorgestellt hatte.

Callies Eltern treten in Bens, Michaels und Hunters Wohnung ein, lassen ihre Jacken jedoch an; sie wollen nicht bleiben, können aber wenigstens dazu bewegt werden, auf der Couch Platz zu nehmen: „Wenn wir ihr Tagebuch nicht gelesen hätten, hätten wir es ja gar nicht erfahren“, beginnt Amber ganz verstört. Es ist offensichtlich, worum es geht. Stephen kann kaum fassen, dass Hunter ihre Tochter vielleicht mit AIDS angesteckt hat! „Er hat kein AIDS, er hat HIV.“ „Was für einen Unterschied macht das?!“ „Einen großen“, sagt Ben ruhig, aber sehr bestimmt, „ich sollte es wissen, ich habe selbst HIV. Wichtig ist doch, dass Callie und Hunter sich verantwortungsvoll verhalten haben!“ „Was wissen die beiden schon?!“, schreit Stephen, „sie gerade mal 16!“ „Mehr als du, jedenfalls“, mischt sich Hunter da ein. Als Callies Eltern klar machen, sie wollen nicht, dass ihre Tochter Hunter jemals wiedersieht, entgegnet dieser laut: „Scheiß drauf!“ Michael verlangt von Hunter, dass er sich entschuldigt, aber der schlägt nur seine Zimmertür hinter sich zu. „Wie hat er es überhaupt bekommen?“, fragt Stephen gereizt, Michael und Ben wollen es nicht verraten, da reißt Hunter die Tür wieder auf, „warum sagt ihr es ihnen denn nicht?! Sagt ihnen alles! Oder wollt ihr, dass ich es tue?!“

Melanie liegt in ihrem Bett in einem sehr trüben Krankenhauszimmer, Lindsay an ihrer Seite, als die Ärztin eintritt und sagt, dem Kind gehe es gut; dafür müsse Mel sich aber jetzt auch endlich an die Regeln halten: Keine Anstrengung. Kein Laufen, wenn es nicht unbedingt sein muss. Kein Tragen. Kein Sport. Kein Stress! Zu Lindsay gewandt mahnt die Ärztin, sie solle auf Melanie aufpassen und sie ans Bett fesseln, wenn nötig. Ihre letzten Worte zu ihrer Patientin sind: „Du hast Glück, dass du so eine treue Partnerin hast, Mel. Ihr werdet ab jetzt viel Zeit miteinander verbringen.“

Um für den Liberty Ride zu trainieren wurden extra Stunden angesetzt: Sie finden in einem Raum mit vielen Spinning-Rädern (die Fahrräder, die in Fitnessstudios stehen) statt. Der Trainer sitzt vorne auf seinem eigenen Fahrrad und ruft den Freunden zu, was sie zu tun haben, denn alle sind da – auch Brian. Es geht los, das Licht verwandelt die Szenerie in eine Disko, Musik an. Brian ist erst amüsiert und ruft Justin zu „Du hättest mir sagen sollen, das hier ist Babylon auf Rändern!“ Aber seine gute Laune hält sich nicht lange – denn er kann mit dem Tempo nicht mithalten. Schon nach kurzer Zeit muss er sich verabschieden, kommt kaum vom Fahrrad unter den besorgten Blicken seiner Freunde.

Sierra ruft Emmett mit einer Grabesstimme an: „Wir müssen uns unterhalten. Sofort.“ Sie treffen sich in einem kleinen Restaurant, Sierra sieht so aus, als hätte sie den Schock ihres Lebens erlitten: „Ich war selten so aufgebracht... aber ich glaube, die beste Lösung ist, dass wir beide uns zusammensetzen und darüber reden.“ Emmett bleibt die Stimme im Hals stecken: „Das ist sehr... vernünftig.“ „Ich war gerade unter der Dusche, als Drew den Anruf bekam.“ „Den... was?“ „Na, dass unsere Hochzeitsplanerin ins Krankenhaus eingeliefert wurde!“ Das ist es also. Sierra möchte, dass Emmett ihre und Drews Hochzeit plant. Sie können diese nicht verschieben! Ihre Mutter sagte immer, der Beginn einer perfekten Ehe ist die perfekte Hochzeit, und Emmett könnte eine perfekte Hochzeit veranstalten. Der wirft ein, Drew würde das vielleicht nicht wollen, aber Sierra lacht nur; klar, Drew wirke manchmal etwas grob, aber er sei in Wirklichkeit so liebevoll, so ehrlich! „Bitte, bitte sag ja, Emmett!“

Hunter fängt Callie im Flur der Schule ab. Er habe vor der Cafeteria auf sie gewartet, und sie vermisst. Callie sagt ihm, ihre Eltern hätten ihr erzählt, er habe HIV bekommen, weil er ein Prostituierter gewesen ist. „Stimmt das?“ Hunter öffnet erst den Mund, um etwas zu sagen, doch dann nickt er einfach. „Warum hast du mir das nicht gesagt?“ „Man erzählt seiner Freundin nicht, dass man früher mit Männern gefickt hat, um zu überleben, du hättest nie mehr mit mir gesprochen! Du sprichst ja jetzt kaum mit mir.“ Callie sagt ihm, sie könne nicht aufhören, sich vorzustellen, wie dieser Männer ihm Sachen antun... und er ihnen... Hunter nimmt ihr Gesicht in seine Hände: „Aber sie tun es nicht mehr. Ich schwöre es.“ Aber sie schüttelt ihn ab. „Ich muss zum Unterricht.“ Und lässt ihn stehen.

Justin und Ted setzen sich breit grinsend links und rechts auf die Stühle neben Brian im Diner; sie hätten gerade gehört, dass Ramson 100.000 Dollar für den Liberty Ride aufbringen würde. Jetzt könnte sich Brian zurücklehnen, sich entspannen und sich ausruhen! „Wollt ihr mir auch das Fleisch klein schneiden?!“, entgegnet Brian ungehalten, und Ted und Justin verschwinden schnell. Stattdessen setzt sich Debbie neben ihn. „Willst du noch was?“, fragt sie, auf seinen Teller deutend. „Warum denkst du, dass ich sterben möchte?“ „Der Ausdruck auf deinem Gesicht. Aber zum Glück gibt es eine Alternative: Und das ist das gute alte ‚Fuck You‘.“ Sie fährt leiser fort: „Ich sage immer, Vic habe wegen mir überlebt, weil ich mich um ihn gekümmert habe. Aber das ist eine Lüge. Vic hat überlebt, weil er gekämpft hat wie ein Berserker. Jedes Mal, wenn er sich einen Virus einfing, oder ein Medikament ihn mal wieder fast umbrachte, da hat er von irgendeinem Platz in sich die Kraft geholt, zu sagen, nein, ich werde nicht sterben!“ Debbie liegt die Rechnung neben seinen Teller und lehnt ihren Kopf kurz, aber liebevoll an seine Schulter: „Und jetzt bitte etwas Trinkgeld.“

Michael hilft Lindsay dabei, das Bett im Wohnzimmer herzurichten, bevor er sich mit der Drohung verabschiedet, er würde in einer Stunde wieder anrufen. „Er wird nie wieder aufhören, mich zu nerven, oder?“, fragt Mel, sobald er das Haus verlassen hat. Lindsay schüttelt lachend den Kopf, da versucht Mel schon, aufzustehen! Linds drängt sie zurück ins Bett: „Du darfst nur zum Badezimmer laufen. Von jetzt an bin ich deine Arme und deine Beine.“ Melanie, wieder im Bett, schaut Lindsay an: „Sieht aus, als säßen wir hier fest.“ „Ja. Du im Bett und wir miteinander.“ Humorlos antwortet Mel: „Lustig, oder?“ „Schmerzhaft lustig“, antwortet Linds, und geht, um Mel eine Flasche Wasser zu holen.

Drew sitzt schon auf dem Bett ihres Hotelzimmers, als Emmett eintritt: „Tut mir Leid, dass ich zu spät bin, aber Sierra hat mich aufgehalten. Du wirst eine sehr bestürzte Verlobte vorfinden, wenn du nach Hause kommst.“ „Wieso, hast du es ihr etwa gesagt?“ „Nein, natürlich nicht, das überlasse ich dir. Ich habe ihr gesagt, dass ich eure Hochzeit nicht organisieren kann.“ „Ach, das.“ „Du wirst es ihr doch erzählen, oder?“ „Wieso sollte ich?“ „Weil es dir Wahrheit ist.“ Drew steht auf und schnaubt, die Wahrheit! Von der Wahrheit könne er nur verlieren, niemals profitieren! Er sei eine ganze Industrie! Drew Boyd inc. Was würde passieren, wenn die Welt die Wahrheit erfährt? Er würde alles verlieren, seine Freunde, seine Teamkollegen, seine Fans, sein Geld. Und natürlich das, was er am meisten liebt: Football spielen. Außerdem liebt er Sierra. Er will eine Frau und Kinder genau wie jeder andere auch. „...und was ist mit uns?“ Drew setzt sich wieder neben ihn, legt einen Arm um seine Schulter: „Nichts muss sich ändern!“ Emmett nimmt seine Hand, streichelt sie kurz... doch dann nimmt er Drews Arm von seinen Schultern. „Alles, was du gesagt hast, macht Sinn. Jeder andere würde dir vermutlich zustimmen. Warum alles verlieren wenn es doch dein kleines schmutziges Geheimnis bleiben kann? Aber ich hatte nie die Wahl. Bei mir haben die Leute schon von Anfang gesehen, was ich bin. Ich wurde verprügelt, beleidigt und angespuckt. Aber irgendwie... irgendwie war es das wert. Denn ich musste niemals eine Lüge leben. Und ich werde jetzt nicht damit anfangen. Nicht für dich. Nicht für irgendjemanden.“ Seine Stimme erstirbt schließlich, als Emmett aufsteht, und das Hotelzimmer verlässt. Er zögert kurz, bevor er die Tür hinter sich schließt, Drew noch immer auf dem Bett... doch dann geht er.

Hunter hat sich in seinem Bett verkrochen, Michael lehnt an seiner Zimmerwand, Ben sitzt auf der Matratze. „Welches Mädchen wird mich schon wollen,“, sagt Hunter mit einer solchen Gewissheit, dass es einem ins Herz schneidet. „wenn sie erst einmal herausgefunden hat, dass ich HIV habe, und wie ich es bekommen habe!“ Michael und Ben versichern ihm, dass er jemanden finden würde, genau wie sie sich gefunden haben, aber Hunter widerspricht, das sei bei Jungen und Mädchen anders: „Eines Tages wird sie Kinder haben wollen. Das werde ich ihr nie geben können.“ „Das ist nicht wahr“, wirft Ben ein, „sie arbeiten daran.“ Hunter meint, er hätte es ihr einfach nicht sagen sollen, aber Ben widerspricht, er tat das einzig Richtige, als er Callie die Wahrheit sagte. Doch für Hunter steht die Sache fest, als er gebrochen flüstert: „Niemand wird mich jemals lieben.“ Ben legt sich neben seinen Pflegesohn und einen Arm um dessen Schulter, und auch Michael tritt zu ihm: „Das ist nicht wahr. Wir lieben dich. Und es wird andere geben, die dasselbe tun.“ Hunter beginnt, zu schluchzen.

Justin fragt Brian, als er aus der Dusche kommt erstaunt, ob dieser vorhabe, ins Babylon zu gehen (offensichtlich seinem Outfit nach zu schließen). Unschuldig antwortet Brian, hoffentlich habe er noch genug Kraft für eine Runde auf der Tanzfläche. Justin sagt ihm, Brian solle, wenn er wieder kommt, nicht zu laut sein, er müsse am nächsten Morgen früh zu seinem Fahrrad-Training. Brian streichelt spielerisch durch sein Haar: „Ihr jungen Leute, ich weiß nicht, wo ihr eure Kraft hernehmt.“
Tatsächlich geht Brian natürlich nicht ins Babylon. Tatsächlich sitzt er auf einem Spinning Rad, alleine im wie Babylon erleuchteten Raum, und tritt kräftig in die Pedale. Was Brian Kinney will, das bekommt er auch.



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