Queer as Folk - Episode 5.09

Nach Unten

Bei Michael und Ben geht es so richtig zur Sache – das „kein Sex“-Problem ist eindeutig gelöst: In der Küche, auf dem Boden, hier da und in auf vielfältige Art Weise haben sie heißen Sex, da klingelt es natürlich an der Tür. Michael wirft sich schnell ein paar Kleidungsstücke über und öffnet dann: Vor ihm stehen zwei Damen in ihren 40er, die ihn bitten, Antrag 14 zu unterstützen. Er wisse doch sicher, wie wichtig es ist, die heilige Hochzeit und die amerikanische Familie zu beschützen. „Sind Sie verheiratet?“, fragen die Frauen. Michael bejaht das und ruft: „Schatz, komm doch mal bitte her. Hier sind zwei reizende Damen, die uns darum bitten, Antrag 14 zu unterstützen.“ Während sie auf Michaels „Ehefrau“ warten, fragen die Frauen, ob er Kinder habe, und Michael bestätigt auch das: einen Sohn und eine Tochter. Dann erscheint Ben, noch mit nacktem Oberkörper, und legt liebevoll den Arm um seinen Mann. „Das hier ist mein gesetzlicher Ehemann. Und wir werden alles tun, um Antrag 14 aufzuhalten. Danke, dass Sie vorbei geschaut haben.“

Emmett, Ted und Brian sitzen zusammen im Diner und frühstücken, während Ted ihnen recht zufrieden davon erzählt, dass es toll ist, jeden Typ haben zu können, den man möchte... scheint allerdings glücklicherweise nicht so fixiert darauf wie Brian. Als Michael eintritt und von Emmett und Ted begrüßt wird verabschiedet sich Brian. Er ignoriert Michael und wird von diesem ignoriert, sehr zu Emmetts und Teds Ärger und auch zu Debbies, die ihre Gedanken ausspricht: „Wirst du denn nie wieder mit Brian sprechen? Ihr wart praktisch euer ganzes Leben lang Freunde, Brüder! Willst du das alles aufgeben nur für einen kindischer Streit?“ Michael antwortet bestimmt: „Es ist kein kindischer Streit. Er gibt mir die Schuld an seiner und Justins Trennung, er macht sich über mich lustig, er hat keinen Respekt vor meinen Entscheidungen. Aber er kann mich nennen wie er will, mir ist es egal.“

Auf der Straße hat sich die Anti-Antrag-14-Gruppe versammelt. Sie wollen von Haus zu Haus gehen und die Leute aufklären – dabei aber auf jeden Fall höflich bleiben und sich nicht von zugeschlagenen Türen entmutigen lassen. Ted zieht mit Melanie los und erzählt ihr von seinem Erfolg bei den Männern seit der Operation... aber irgendetwas fehlt. Liebe. Eine feste Beziehung. „Das ist doch ganz normal...“, antwortet Melanie, „...such dir einen jüdischen Typen, sie sind das beste Heiratsmaterial – wenn du es schaffst, die Beziehung zwischen ihnen und ihrer Mutter zu überwinden, wird er bis ins Grab bei dir bleiben. Und sie klopfen an die erste Tür. So auch Ben und Debbie, doch ihnen wird diese direkt wieder vor der Nase zugeschlagen. Debbie sagt Ben, es sei gut, dass er vor die Tür kommt und sich ablenken kann. „Das hat Michael auch gesagt. Dann würde ich nicht mehr an Hunter denken müssen. Bis jetzt hat’s nicht geholfen.“ „Du brauchst noch Zeit.“ „Wie viel Zeit? Mein ganzes Leben? Denn solange werde ich brauchen, um ihn zu vergessen.“ Debbie lächelt und berührt tröstend seine Wange. Auch Jennifer und Justin gehen von Tür zu Tür – und an einer öffnet ihnen ein alter Mann, der sich geduldig erklären lässt, worum es sich bei Antrag 14 handelt und ihnen zusichert, er würde bei der Abstimmung nein dazu sagen! Ein voller Erfolg! Doch da tritt auf einmal seine erwachsene Tochter neben ihnen, erklärt den Taylors, ihr Vater habe seit zehn Jahren nicht mehr gewählt, weil er an Alzheimer leidet und schließt die Tür.

Brian telefoniert in Kinnetik mit einem Kunden und überzeugt den, sich von ihm bei einem persönlichen Treffen von der angebotenen Werbekampagne überzeugen zu lassen. Jaaaa, dafür wird viel Überzeugungskraft nötig sein. Ted fragt ihn, ob er mit ihm an einem Verkupplungstreffen einer jüdischen Gemeinde im Woody’s teilnehmen möchte. „Bin ich die einzige Schwuchtel, die nicht heiraten möchte?“, fragt Brian. „Hör mal...“, antwortet Ted, „...ich werde auch nicht jünger, ich bin 35—“ „39. Ich bin dein Boss, es gibt hier so etwas wie Akten“, unterbricht ihn Brian, „frag doch Justin, ich habe gehört, der sucht nach einem Ehemann. Aber ich weiß eines ganz sicher: Ich werde niemals verheiratet sein.“

Justin und Jennifer beenden ihre Tour ermüdet. „Ich wünschte, wir hätten mehr Leute überzeugen können.“ Auf einmal fährt ein Motorrad vor und ein attraktiver junger Mann nimmt seinen Helm ab. Er kann nicht älter als 25 Jahre sein und fragt Jennifer in vertrautem Tonfall, ob er zu spät sei. Die kichert wie ein Schuldmädchen und versichert ihm, sie seien auch gerade erst hier angekommen. „Wer ist das?“, fragt Justin seine Mutter, die ihn nur etwas unsicher angrinst, ihm die restlichen Flyer in die Hand drückt und antwortet: „Wir sehen uns später, Schätzchen.“ Dann setzt sie sich den zweiten Helm auf, den der junge Mann ihr reicht, und gemeinsam brausen sie davon.

Im Hause Marcus-Peterson arbeiten Lindsay und Melanie in friedlicher Stille am Esszimmertisch. Immer wieder verirren sich Dokumente der Einen auf den Stapel der Anderen – Zufall? Die Atmosphäre ist jedoch geradezu idyllisch. Lindsay fragt Mel, ob sie zu der Eröffnung kommen wird, in der Justins Gemälde gezeigt werden. Melanie murmelt in ihre Tasse hinein, eigentlich sei sie mit Corrine verabredet... und sie wolle nicht, dass Lindsay sich auf ihrer eigenen Ausstellungseröffnung unwohl fühlt. „Glaub mir“, versichert ihr Linds, „das macht mir nichts aus. Ich lade dich ein – und Corrine.“ Aber so ganz 100%ig wohl scheint sich Lindsay dabei doch nicht zu fühlen.

Vor Debbies Haus campen einige Reporter – und Drew sitzt mit Emmett am Küchentisch, isst und schaut auf das Titelblatt einer Klatschzeitung, die eine Fotomanipulation abgedruckt haben, auf der es so aussieht, als sei er im Babylon. „Das wird alles aufhören, sobald du dein Coming Out hattest“, beschwichtigt Emmett Drew, und Debbie ruft sofort begeistert: „Wann?“ Aber Drew hat sich noch nicht entschieden. Debbie sagt ihm, er müsse es auf jeden Fall so machen, wie es für ihn am leichtesten wäre, und wischt dann liebevoll einen Essensrest aus seinem Mundwinkel – „hier, Schätzchen, lass mich mal“ – und benutzt dafür die Serviette, die Emmett gerade zu einem Schwan gefalten hat. „Debbie...“, bemerkt Em, „...das war mein Schwan.“ „Es war eine Giraffe. Üb weiter.“ Seufzend nimmt er sich eine neue Serviette, hält dann aber inne und schaut Drew an: „Ich habe schon Nerven. Ich übe fürs nationale Fernsehen, wie man Schwäne aus Servietten macht, um ‚Ihre nächste Dinnerparty aufzupeppen!‘ und will dir was davon erzählen, wie man schwul ist stolz drauf.“

Justin fährt mit seinem Pinsel in seinem relativ armseligen Apartment über eine Leinwand während Jennifer ihm erzählt, wer der Mann auf dem Motorrad ist, Justins bissige Kommentare immer wieder ignorierend. Sie habe Tucker, kurz Tuck, kennengelernt, als sie eines Abends eine Panne hatte. Ein Motorradfahrer ganz in Schwarz hielt an und fragte, ob sie Hilfe brauchte. Sie hatte zwar nach der Scheidung einen Kurs in Automechanik belegt, wollte aber zur ihrer Veranstaltung nicht völlig verschmiert auftauchen und sagte deswegen ja. Es stellte sich heraus, dass der Motorradfahrer Tucker war und an Mollys Schule Naturwissenschaften der Mittelstufe unterrichtete. Sie gehen jetzt schon seit sechs Monaten miteinander aus. „Sechs Monate, und du hast nie etwas gesagt?!“, fragt Justin ungehalten. „Ich wollte warten, bis ich weiß, dass es etwas Ernstes ist.“ „Etwas Ernstes?!“, erwidert Justin nun völlig entrüstet, und unverschämt, „Nein, das ist nichts Ernstes! Er ist halb so alt wie du, er könnte dein Sohn... ich will’s nicht mal aussprechen.“ Jennifer scheint sehr enttäuscht: „Und ich will es auch gar nicht hören. Insbesondere nicht von dir.“

Es klopft an der Lofttür. Natürlich. Brian erhebt sich schwerfällig und öffnet sie – und prompt schreitet Debbie herein, eine Auflaufform in ihren Händen. „Ist das Thunfisch-Makkaroni-Aufllauf? Ich will den nicht“, wimmert Brian beinah, „das bedeutet nämlich, dass wir Gras rauchen und tiefsinnige Gespräche führen werden.“ Debbie grinst und zieht einen Joint aus ihrem Dekolleté. Brian entzündet diesen mit seinem Feuerzeug: „Weiß dein Polizist, dass du illegale Substanzen besitzt?“ Debbie kichert: „Nichts tötet eine Beziehung schneller als totale Überwachung.“
Kurze Zeit später sitzen sie am Tisch, teilen sich das Gras und den Auflauf und sprechen über Brian und Michael. Debbie mag es nicht, wie Brian ihren Sohn behandelt, seit er sich das Haus gekauft hat. „Er hat sich nicht nur ein Haus gekauft“, antwortet Brian, „sondern jegliche Form von verlogener Scheiße, die die heterosexuelle Welt anzubieten hat.“ „Er hat sich verliebt! Er hat geheiratet, er hatte eine Familie. Er hat alles das, was er schon immer wollte, seit er ein kleines Kind war, nämlich eine normale Familie.“ Da muss Brian lachen, und Debbie auch, als sie fortfährt: „Ich glaube, du hast gar kein so großes Problem damit. Dein Problem ist, dass er sich weiterentwickelt und dich verlassen hat.“ Sie schweigt kurz und übergibt ihm den Joint: „Aber das ist nicht wahr. Ihr beide habt nur unterschiedliche Entscheidungen getroffen. Das heißt nicht, dass ihr euch nicht immer noch liebt.“ Brian scheint darüber nachzudenken... er sieht sie an und sagt leise: „Er spricht nicht mal mit mir.“ „Dann sprich du mit ihm.“

Michael schiebt seine kleine Tochter in einem Kinderwagen vor sich her und unterhält sich mit Melanie – die Freundschaft zwischen ihnen scheint endgültig wiederhergestellt. Mel regt sich fürchterlich darüber auf, dass nicht nur reiche Konservative Antrag 14 unterstützen sondern auch Firmen in einer riesigen Größenordnung, sie fühle sich ja fast wie im dritten Reich! „Komm schon, jetzt übertreibst du aber, oder?“, versucht Michael sie zu beschwichtigen, aber sie zuckt nur mit den Schultern. Es haben auch alle ihren Großvater für verrückt erklärt, als er von Deutschland nach Amerika gezogen ist. „Das wird hier nie passieren, es wird vorbei gehen, du übertreibst“, wurde gesagt. Er lebte, der Rest der Familie starb in KZs. Mel nimmt sich an der nächsten Ecke ein Taxi und Michael spaziert weiter. Schon von weitem hört er das durchdringende, schrille Geräusch einer Alarmanlage, und zu seinem Schock stellt sich heraus, dass in sein Geschäft eingebrochen wurde! Die Fensterscheibe ist zerstört, ein Regal umgefallen und hat die lebensgroße Standfigur von JT und Rage in Hochzeitskleidung unter sich begraben. Eilig schließt Michael den Laden auf und entdeckt einen Backstein.
Kurze Zeit später sind Carl, Debbie und ein Polizeiteam vor Ort. Carl versichert, er wird alles ihm Mögliche tun, aber bei dieser Art von Vandalismus gebe es wenig Chance auf eine Festnahme. „Du glaubst also, dass es nur Vandalismus war?“, fragt Michael, „was, wenn der Angreifer versucht hat, dieses Standbild hier zu zerstören: Zwei schwule Superhelden, die heiraten?“ Carl versucht, zu beschwichtigen, es gebe keinen Hinweis auf ein Verbrechen motiviert von Homophobie – Michael übertreibe da ein bisschen. „Lustig“, erwidert dieser, „dasselbe habe ich auch gerade zu Mel gesagt.“

Als Emmett, der Queer Guy, sein Segment in den Abendnachrichten präsentiert ist er nicht mehr mit Herzen dabei. Er macht sich offensichtlich immer noch Gedanken um das, was Brian gesagt hat. Nach der Show kommt der Produzent zu ihm und lobt ihn – das sei süß gewesen! Das Management plane sogar eine extra Queer Guy Show: Emmett sollte ein Abendessen zubereiten und es einem heißen, heterosexuellen Paar servieren. „Klasse“, antwortet Emmett, „und danach können sie ficken während ich das Geschirr abspüle.“ Der Produzent lacht, missversteht das wohl als Witz, und wird dann von dem Sportnachrichtensprecher abgelenkt, der enthusiastisch gute Nachrichten verkündet: Er konnte sich gerade eben Drew Boyds exklusives Interview sichern, in denen der Footballstar sich zu den Vorwürfen, er sei schwul, äußern wollte!

Ted überschüttet im Woody’s auf Männersuche prompt einen gutaussehenden Kerl mit einem Drink – der ihm das aber nicht übel nimmt sondern sich einen neuen bestellen lässt und sich dann mit Ted an einen Tisch setzt. Sie lernen sich langsam kennen, tauschen Jobs und Hobbys aus. Adam, so der Name der neuen Flamme, mag zwar keine Oper – aber dafür Ted.

Michael bringt am Abend das „Nein zu Antrag 14“-Schild, welches in ihrem Vorgarten steht, ins Haus. „Wir tun doch wirklich schon genug!“ Ben weiß natürlich, dass das mit dem Vorfall im Comicbuchladen zu tun hat: „Hey, ich weiß, dass das mit deinem Geschäft ein Grund zur Aufregung ist... aber lass uns doch versuchen, ruhig und rational zu bleiben.“ Michael antwortet: „Ja, mal sehen, wie ruhig und rational du bist, wenn sie uns zusammentreiben und in die KZs fahren.“ Ben zieht sich an den Tisch zurück, „okay okay, wenn du das Schild nicht im Vorgarten haben möchtest wird es nicht im Vorgarten stehen.“ Michael denkt kurz nach... dann erklärt er, ruhig und rational: „Ich weiß, dass du denkst, ich reagiere über... aber ich möchte, dass etwas Schlimmes passiert, nur weil wir die Warnungen nicht beachtet haben.“

Das Interview mit Drew Boyd beginnt mit dem Sportsreporter, Bud, der ihren Gast ankündigt und dann an Drew gewandt sagt: „Nun, man hätte ja auf dem Mond leben müssen, um nicht mitzukriegen, was alles über dich geschrieben wurde. ‚Boyd likes Boys‘ und all sowas.“ Drew nickt – er dachte, je eher er auf diese Anschuldigungen eingehe, desto eher könne er mit seinem Leben weitermachen. „Lass mich aber erst sagten“, unterbricht Bud, „dass ich dich jetzt schon seit 15 Jahren kenne. Wir haben zusammen Football gespielt und ich habe dich immer nicht nur für einen Spitzenathleten gehalten sondern auf für einen echten Mann.“ Wieder nickt Drew und fährt unbeirrt fort, er würde zuallererst klar stellen wollen, dass der Großteil dieser Berichte erstunken und erlogen war. „Das ist sicher eine Erleichterung für deine Millionen Fans“, kommentiert Bud lachend. „Aber wenn du mich fragst, ob ich schwul bin...“, sagt Drew beinah stoisch, „...dann ist die Antwort ja.“
Im Studio herrscht ungläubiges Schweigen. Sogar Bud, immerhin gerade auf allen US-amerikanischen Fernsehern zu sehen, hat es die Sprache verschlagen; dann kommt das unqualifiziertes Kommentar des Abends aus seine Mund: „...das kann ich nicht glauben. Ein Mann wie du?!“ „Ein Mann wie ich.“ „Ich könnte mir ja nicht mal vorstellen, dass du einen Mann küsst! Nicht so wie bei dem da“, und unwirsch deutet Bud auf Emmett, der im Hintergrund steht und verärgert antwortet: „Wie bitte?!“ Aber Drew macht Bud viel effektiver fertig: „In der Tat war es euer Queer Guy, Emmett Honeycutt, der mir den Mut gegeben hat, wirklich ein echter Mann zu sein. Dafür würde ich ihm gerne danken.“ Drew erhebt sich, schreitet beinah majestätisch durch das Studio, die Kameras immer auf ihm, und küsst Emmett lang und schamlos. Auf den Fernsehern wird das Bild schnell ausgeblendet und der Nachrichtensprecher verkündet eine kurze Pause.

Die Eröffnung läuft hervorragend: Die Galerie ist voll und Justins Kunst der Mittelpunkt des Gesprächs. Der Kunstkritiker Simon Caswell lobt Justins Kunst ganz besonders und fragt, wieso der junge Mann Künstler werden wollte. „Es war entweder das oder Massenmörder“, antwortet Justin und sobald Caswell verschwunden ist flüstert er Lindsay zu, er hasse den Typen. Sie erwidert, er solle sich trotzdem an diesen Moment erinnern, denn Caswell sei einer der einflussreichsten Kritiker der Szene! Das kann Justin, der den Typen immer noch schmierig findet (insbesondere, wie er von diesem gemustert wurde), kaum beeindrucken. Erst schauen Mel und Corrine vorbei, verabschieden sich aber schnell wieder. Justin fragt Linds, ob sie wirklich damit klar komme. „Was für eine Wahl habe ich denn?“ Dann stößt Brian zu ihnen und Lindsay geht hastig woanders hin, nachdem sie Justin einmal zugezwinkert hat. Der scheint über seine neue Gesellschaft... erfreut? Verärgert? Gleichgültig? Er fragt Brian, was dieser von seinem Gemälde hält, vor dem sie stehen. „Wird meine Meinung deine ändern?“, fragt Brian zurück. „Nein.“ „Wird es das Gemälde besser machen?“ „Nein.“ „Wird es dich reich machen?“ „Nein.“ „Warum interessierst du dich dann dafür, was ich denke?“ Und wenn diese Frage vielleicht auch typisch Brian sein mag äußert er doch noch unaufgefordert seine Meinung: „Es ist exquisit.“ Beide sehen für einen kurzen Moment so aus, als müssten sie das Lachen unterdrücken... oder nicht? Auf jeden Fall verabschiedet sich Brian mit den Worten, er habe schon lange keinen Künstler mehr gefickt.

Justin stellt sich neben Tucker und fragt unhöflich: „Lass mich raten: Du verstehst nichts von Kunst, aber du weißt, was du magst.“ Der lacht nur und nennt seine Lieblingskünstler – er sei auch zum College gegangen. Und auch Justins Zeug gefalle ihm. „Meine Mutter gefällt dir. Hast du denn keine eigene?“ Er lacht wieder: „Ich mag sie nicht deshalb, sondern weil sie wunderschön, intelligent und sexy ist.“ Ungehalten fragt Justin: „Hast du sie gefickt?“ „Das geht dich nichts an.“ „Man sagt, 50 gehe eher in 25 als umgekehrt.“ „Außer in deinem Fall“, antwortet Tucker bissig und wirft Brian einen vielsagenden Blick zu, „sie ist erwachsen, ich bin erwachsen, sie kann lieben, wen auch immer sie will, ohne sich vor ihrem Kind rechtfertigen zu müssen.“ „Ich bin erwachsen“, antwortet Justin erbost. „Dann benimm dich endlich so.“

Brian zieht Michael mitten aus einer Unterhaltung mit Ted weg und lächelt ihn etwas unbeholfen an, findet aber nicht die richtigen Worte. „Was denn?“, fragt Michael schließlich genervt. Brian holt tief Luft, dann antwortet er: „Ich wollte dich nur wissen lassen, dass es von mir aus in Ordnung ist, wenn du eine Stepford-Schwuchtel bist. Hey, wenn’s dich glücklich macht, sei die größte Stepford-Schwuchtel der Welt!“ Wieder dieses etwas unbeholfene, zärtliche, nervöse Lächeln. „Soll das eine Entschuldigung sein?“ Michael klingt nicht gerade eingenommen. Brian beteuert leise, es sei ihm ernst und will Michael umarmen – aber der stößt ihn von sich: „Hast du denn keine Angst, dass ich dich anstecken könnte? Nur weil wir unser ganzes Leben lang Freunde waren heißt das nicht, dass wir auch weiterhin Freunde sein müssen. Also warum geben wir nicht einfach zu, dass die Brian-und-Mikey-Show vorbei ist.“ Er dreht dem verletzten Brian kalt den Rücken zu.

Drew bietet in Debbies Küche Emmett einen starken Drink an: „Tut mir Leid, dass du wegen mir gefeuert wurdest.“ Emmett zuckt mit den Schultern und schlendert ins Wohnzimmer: „Wenigstens kann nach unserem Kuss niemand mehr sagen, ich sei sexlos. Was um aller Welt hat dich dazu gebracht?“ Sie setzen sich auf die Couch und Drew sieht sehr ernst aus, als er antwortet, das sei Regel Nummer 1 des Spiels: Pass immer auf deine Mannschaft auf. Und da sie ja jetzt im selben Team spielten... und natürlich auch für Raymond Oswald. Auf Emmetts stille Nachfrage hin erzählt Drew, dass Raymond Oswald ein femininer Schwuler in seiner High School war, den Drew und seine Freunde geärgert und zu Tränen verprügelt haben, bis er schließlich die Schule verließ. Drew hat sich deswegen immer furchtbar gefühlt, weil er wusste, dass er und Raymond sich im Inneren sehr ähnlich waren. „Also könnte man sagen...“, beendet Drew, „...dass du meine Wiedergutmachung für Raymond Oswald bist.“ Emmett streichelt lächelnd sein Gesicht: „Mein Held.“ Dann fragt er, wie Drew sich fühlt, jetzt, da er sein Coming Out hatte. „Geil“, antwortet Drew schmunzelnd. Die beiden Männer stellen pflichtbewusst ihre Gläser auf den Couchtisch bevor sie sich küssen, Emmett Drews Hemd auszieht und von dem kurzerhand auf die Schulter genommen und die Treppe hochgetragen wird!

Als Melanie nach Hause kommt findet sie Lindsay im Dunkeln vor. „Mein Gott, du hast mir Angst eingejagt!“ „Wolltest du mit deinem Schrei die Kinder wecken?“, fragt Lindsay neutral. Sie geht in die Küche und schenkt sich Kakao ein. „Auch welcher für mich?“ „Ich habe nur genug für mich gemacht.“ Linds setzt sich an den Tisch und wirft Melanie vor, sie sei zu spät nach Hause gekommen, es sei drei Uhr morgens – hat Melanie vergessen, dass sie eine Familie hat? „Diese häusliche Trennung funktioniert nicht für mich“, sagt Lindsay, „ich denke, dass ist für Menschen, die edler oder herzloser sind als ich.“ Sie schlägt vor, das Haus zu verkaufen, aber das lehnt Melanie vehement ab. „Warum sollte ich in einem gammeligen Apartment wohnen müssen?“, erwidert Lindsay, „dann zieh du doch aus!“ Sie steht wütend auf und schreitet zurück ins Wohnzimmer, gefolgt von Melanie: „Willst du etwa alles 50 50 teilen?“ Sie nimmt eine Vase in die Hand: „Die hier zum Beispiel. Die habe ich dir zu einem unserer Jubiläen geschenkt.“ Lindsay zuckt mit den Schultern: „Ich will sie nicht.“ „Ich auch nicht.“ Mit einem lauten Scheppern zerspringt die Vase auf dem Boden. „Warum hast du das getan?“, fragt Lindsay geschockt. „Ein Gegenstand weniger, den wir einpacken müssen.“ Aber Mel ist nicht mehr so schnippisch, als ihre Ex-Frau auf einmal einen wertvollen Gegenstand von Melanies Mutter in die Hand nimmt. Mel springt auf Linds zu und will ihr die Schale aus der Hand reißen, da fällt diese zu Boden. „Du Schlampe!“, schreit Melanie und die beiden Frauen gehen aufeinander los. Sie ringen miteinander, Mel reißt an Lindsays Händen, plötzlich küsst sie ihre Frau, Lindsay gibt ihr eine Ohrfeige, wieder stößt Melanie sie von sich, greift dann ihre Handgelenke und auf einmal liegt Lindsay auf der Tischplatte, Melanie über ihr, sie küssen sich wütend, leidenschaftlich, Mel öffnet Lindsays Beine, diese greift in Melanies Haare und zieht, Mel küsst ihren Nacken, ihr Schlüsselbein, ihre Brust...

Jennifer hält Justin im Diner eine regelrechte Standpauke; er habe kein Recht, unhöflich zu sein, selbst, wenn er der nächste Picasso werden würde! „Ich wollte nur dein Bestes“, verteidigt sich Justin, aber darüber kann Jennifer nur lachen. Hat sich ihr Sohn vielleicht mal gefragt, ob er sich nur bedroht fühle durch den neuen Mann in ihrem Leben? „Ich bin seit der Trennung mit deinem Vater allein gewesen – das ist eine lange Zeit. Glaubst du nicht, ich habe das Recht, eine Beziehung zu führen?“ Natürlich, stimmt Justin zu, aber jemand Angemessenes, jemand, der in ihrem Alter ist. Bei ihm und Brian sei das etwas völlig Anderes gewesen, er war damals 17! Jennifer ist seine Mutter, sie sollte es besser wissen! Jennifer ist wieder enttäuscht, als sie sagt: „Als du Brian kennen gelernt hast, hatte ich meine Probleme, das gebe ich zu. Aber irgendwann habe ich ihn akzeptiert, weil er dich glücklich machte und gut zu dir war. Jetzt bist du dran.“

Ben und Michael spazieren mit Jenny Rebecca durch die Straße und begegnen dort einer Gruppe von Bürgerrechtlern, die sich für Antrag 14 einsetzen. Laut verkündet ihr offensichtlicher Anführer, dies sei nicht die Zeit, zu schweigen! Jeder Amerikaner müsste sagen, auf welcher Seite er steht: Entweder auf der der Homosexuellen und ihrem abweichenden Lebensstil, oder auf der des größten heiligen Rechts zwischen Mann und Frau, der der Kinder und der der Moralvorstellungen, auf denen dieser christlicher Staat basiert. „Jemand sollte ihm die Fresse einschlagen“, meint Michael aggressiv, und Ben antwortet natürlich: „Das ist nicht die Art und Weise, wie wir uns Gehör verschaffen wollen, Michael.“

Gemeinsam ist Ted mit Adam in seine Wohnung gefahren; sie sind beide begeistert davon, wie das Date gelaufen ist. Sie küssen, halten Händchen und sind im Grunde genommen schon auf eine lange Beziehung und sofortigen Sex eingestellt. Adam öffnet Teds Hose, um ihm einen blowjob zu geben – da hält er plötzlich inne. „Du bist nicht jüdisch.“ Ted starrt ihn entgeistert an: „Ich habe nie behauptet, dass ich das bin.“ „Aber du warst doch bei dem jüdischen Abend!“ Adam wollte einen jüdischen Mann treffen, jemanden, mit dem er sich niederlassen und Traditionen fortführen könne. „Warum sollten wir denn eine möglicherweise wunderschöne Beziehung von so einer Kleinigkeit zerstören lassen?“, fragt Ted, schon bereit, sich beschneiden und umtaufen zu lassen, aber Adams Antwort ist einfach: „Ted, du bist echt ein netter Kerl... aber kein netter jüdischer Kerl.“

Emmett liest Debbie stolz einen Artikel vor, in dem Drew Boyd dafür gelobt wird, dass er persönlichen Mut bewiesen habe. Die Reporter, die vor ihrer Tür lagern, wollen ganz offensichtlich andere Dinge schreiben. Carl gelingt es nur mit Problemen, Drew hinein zu lassen und die schreienden, blitzenden Journalisten nicht. Emmett möchte ihm den Artikel zeigen, aber von Stolz kann keine Rede sein: Drew wurde von seiner Mannschaft ausgeschlossen. Sein Trainer sagte, es sei das Beste. „Für den Fall, dass meine Teamkollegen versuchen, mich zu verletzen.“ Er ist sichtlich erschüttert, auch Emmett, der ungläubig fragt: „Ich dachte, ihr solltet aufeinander aufpassen.“ Glitzern Drews Augen feucht? „Dachte ich auch.“

Als Ben nach Hause kommt installiert Michael eine Außenleuchte an ihrer Veranda; er möchte eben, dass in ihrem Zuhause alles perfekt ist! „Solange du in dem Haus bist, ist es für mich perfekt genug.“ Michael lacht und küsst seinen Ehemann glücklich: „Das ist so was von sentimental und eklig, dass ich mich übergeben müsste, wenn ich nicht jedes Wort lieben würde.“ Bevor sie gemeinsam in ihr Haus gehen, stellt Michael noch das „Nein-zu-Antrag-14“-Schild wieder auf.

Im Babylon scheint Brian recht zufrieden mit sich selbst, als er die nackten, heißen Männer so betrachtet. Dann kommt auf einmal die Überraschung: Michael betritt den Club! Sie lächeln einander zu, dann drängt er sich durch die Masse, bis er seinen Freund erreicht hat. „Was für eine Überraschung“, begrüßt ihn Brian grinsend. Michael grinst zurück: „Ich wollte dich fragen, warum du dich entschuldigt hast.“ „Ich glaube weil ich dich vermisse.“ „Liebst du mich noch?“ „Habe ich immer... und werde ich immer.“ Michael beugt sich zu ihm: „Ich auch.“ Plötzlich schaut Brian zur Seite – Michael ist gar nicht neben ihm. Stattdessen ist es Ted, der sagt, Brian sehe aus wie jemanden, der einen Freund brauchte und „ich auch. Mein Date war scheiße.“ „Gibt es dafür keine Hotline?“, fragt Brian geübt, lässt sich dann aber trotzdem von dem Desaster mit Adam erzählen. „Du wirst es überleben“ ist sein Trost für Ted. „Du hast immer genau das Richtige zu sagen“, scherzt Ted, und beide lachen. Er bietet Brian an, Drinks zu holen. „Auch mich“, antwortet Brian, „hol dir eines von diesen Mädchengetränken, die du so gern magst.“ „Danke, Bri.“ Brian sieht ihn an: „Immer wieder gern ... für einen Freund?“ Ted schaut Brian einen Moment lang an, berührt ihn dann bejahend am Arm und geht gen Bar.



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