Queer as Folk - Episode 5.13

Nach Unten

Michael spricht mit uns: Er erzählt, dass das Leben einfach verrückt spielt! Wer hätte gedacht, dass das Babylon in die Luft gehen würde? Dass Ted die wahre Liebe finden würde? Dass, wagt er es überhaupt, es auszusprechen, Brian und Justin heiraten würden?!
Bei der Anzugprobe fragt Justin Brian, wie er aussieht... „Gut? Fett? Lächerlich?“ Brian lächelt: „Wunderschön.“ Ihr Hochzeitsglück ist perfekt.
„Bei mir hingegen“, fährt Michael fort, „ist alles so wie vorher, und nachdem ich in die Luft gesprengt wurde ist das auch ganz gut so.“ Hunter und Ben sitzen am Esstisch und holen Schulstoff nach – wobei Hunter doch eher versucht, sich zu drücken. Ben und Michael betrachten gerade erstaunt den Schriftzug „Hunter Novotny Bruckner“ auf Hunters Heft als der Schüler an das klingelnde Telefon geht. Der Anruf ist für Michael – es war Human Rights. Doch die Organisation will keine Spende, sie will Michael!

Ted gesellt sich im Fitnessstudio zu Emmett, doch der spricht kein Wort mit seinem Freund: Er ist beleidigt. Tagelang hat er nichts von Ted gehört abgesehen von einer E-Mail, mit der dieser sein Geburtstagsabendessen abgesagt hat! Ted kenne Tad doch erst seit drei Wochen und schon würde er sich isolieren lassen! Ted widerspricht heftig, Emmett sei doch nur eifersüchtig, weil er die Liebe seines Lebens gefunden hat. „Ich bin nicht eifersüchtig! Nichts würde mich glücklicher machen als das.“ Wie auf Stichwort tritt Tad ein – na klasse. Das Emmett gerade noch gefehlt.

Brian stellt Ramson Pharmasotics, welche eine Art Viagra vermarkten wollen, eine Werbeidee vor: Auf schwarzem Hintergrund steht ein Mann, rechts von ihm seine Frau, links von ihm seine Freundin oder sein Freund – „Your wife doesn’t need to know, and neither does your girlfriend/boyfriend.“ Es ist typisch Kinney, aber die Kundin, Mrs. Dixon, alles andere als zufrieden: Viagra helfe bei einem ernsten medizinischen Problem; sie will ein Ehepaar sehen, das sich in den Armen hält, graue Haare bekommt, mit dem Schriftzug: „Rekindle the flame.“ Es seien nun mal konservative Zeiten. Sex ist out.

Justin ist bei Melanie und Lindsay zu Besuch, um ihnen beim Packen zu helfen und – es wird so seltsam sein, sie nicht mehr zu besuchen oder die Kinder. „Ich weiß“, antwortet Lindsay, „aber du kannst uns in Toronto immer besuchen!“ „Wenn du dich entscheidest, deine Sachen zu packen und abzuhauen“, sagt Melanie grinsend, fügt aber hinzu, dass sie weiß, Justin und Brian werden glücklich zusammen sein.

Eine Vertreterin der Human Rights Campaign bespricht mit Michael und Ben, was es mit der Einladung auf sich hat: Seit dem Bombenanschlag ist die Unterstützung gegen Antrag 14 drastisch gestiegen, und sie wollen das ausnutzen; sie wollen dieses furchtbare Verbrechen als einen Sieg verbuchen! Der Plan ist, Michael auf der Pressekonferenz vorzustellen, um den Leuten zu zeigen, dass Homosexuelle nicht nur Tunten und Lederdaddys sind, sondern zum größten Teil Leute wie sie, mit einem Partner, einem Haus... „Ich wüsste nicht, was ich sagen sollte“, gibt Michael zu bedenken, aber die Frau winkt ab: Die Human Rights Campaign hat exzellente Autoren, die Michael eine Rede schreiben werden. „Geben Sie uns einfach Ihren Körper.“ Ben und Michael grinsen. „Ich gehöre ganz Ihnen.“

Brian arbeitet an einem neuen Entwurf, der dem Vorschlag der Kundin entspricht. Justin findet ihn einfach abstoßend: Er sei weder lustig noch sexy. „Hast du’s nicht gehört? Sex ist out.“ Justin greift grinsend in Brians Schoß: „Wer hat dir das denn erzählt? Jetzt zieh deine nuttigsten Club-Klamotten an und pack die Drogen ein, wir gehen feiern.“ „Ich dachte, wir würden heute einfach mal Zuhause bleiben.“ Justin kann das Lachen nicht zurückhalten!

Im Woody’s brechen die Leute in lauten Applaus aus, als Justin und Brian eintreten – das hier war geplant. Sie feiern einen Junggesellenabschied! Auch Ted ist da, er steht an der Bar und besorgt Drinks für sich und Tad. Der Barkeeper, ein alter Bekannter, gratuliert ihn zu seinem neugefunden Glück und gibt ihm die Getränke aufs Haus. Emmett kommt hinzu und entschuldigt sich bei Ted für das, was er über Tad gesagt hat: Wenn Ted ihn liebt, dann muss er eine wunderbare Person sein, denn Ted ist eine. „Und ich war wirklich eifersüchtig, aber nicht weil du ihn hast, sondern weil er dich hat.“ Ted umarmt seinen besten Freund: „Du hast mich immer noch, Emmett.“ Dann kehrt er zu Tad zurück, der das alles beobachtet hat und plötzlich aufspringt, Ted sagt, er soll sich ficken und hinausstürmt. Verwirrt folgt Ted ihm – und Tad beschuldigt ihn, eine Schlampe zu sein! Erstmal habe er mit dem Barkeeper geflirtet und dann auch noch Emmett so umarmt... er hatte doch gesagt, das zwischen ihnen sei vorbei! Tad fährt ihn an, er würde ihn nie wiedersehen wollen und geht, während Ted zwischen Unglauben, Wut und Trauer hin und her gerissen ist.
Michael verkündet in der Bar, er würde gerne einen Toast aussprechen, auf den kürzlich verstorbenen Brian Kinney. Er hält mit Ben und Emmett eine Rede, die sich gewaschen hat und in jedem Wort anzüglich auf Brians sexuelle Erfahrung anspielt. Am Ende hebt der ganze Pub die Flasche und prostet ihm zu: „Auf Brian!“ Und die Freunde haben sich noch etwas überlegt: Sie haben einen Stripper bestellt, heiß ohne Ende... aber Brian lehnt ab. Justin meint, Brian soll sich den Typen krallen, doch der küsst Justins Schläfe und sagt, er würde eher mit ihm nach hause gehen. Also schubst Brian stattdessen Emmett in die Richtung des Strippers, der das Angebot nur zu gern annimmt. Justin schaut Brian enttäuscht, beinahe schon ungläubig an.

Lindsay und Melanie kommen in ihrem Haus die Treppe hinunter und beobachten Brian und Gus, die miteinander spielen – pures Vater-Sohn-Glück. Brian übt nämlich mit seinem Sohn (in unfassbar tiefen Brummton), wann dieser ihm an der Hochzeit die Ringe wird geben müssen. Lindsay bringt Gus nach oben, weil er einen Mittagsschlaf halten muss, während Melanie Brian alle Freude der Welt für ihn und Justin wünscht. „Und das meine ich ernst.“ Brian bedankt sich – es sei auch schön, dass die beiden Frauen bei der Hochzeit noch dabei sind - sonst hätte das Justins Sitzplan wirklich durcheinander gebracht. Melanie lacht. Bevor Brian geht sieht er noch ein Gemälde, das Justin den Frauen geschenkt hat. „Er ist wirklich gut, oder?“, fragt er. „Besser als nur gut! Deswegen bist du bitte auch gut zu ihm. Das hat er wirklich verdient, wenn man bedenkt, was er für dich alles aufgibt.“ Brian lächelt nachdenklich.

Im Diner beeindruckt Debbie Hunter mit ihrem wissen über Brittische Königinnen und sagt Kiki, sie solle doch einfach ihre Transvestiten Selbsthilfegruppe mit zu Michaels Pressekonferenz bringen, während Ted Emmett von Tads plötzlicher Sinneswandlung erzählt … zum tausendsten mal. Er ist immer noch völlig entsetzt – wieso hat er das nicht kommen sehen? „Weil du das nicht wolltest. Du wolltest verliebt sein, aber das ist doch ganz natürlich, also mach dich nicht fertig.“ Emmett lächelt ihn an: „Du wirst den Richtigen noch finden. Ganz bestimmt.“ Ted lächelt zurück.

Michael und Brian gehen in Anzügen in einem guten Restaurant essen und erinnern sich an das erste Mal, als sie ins Babylon gegangen sind: Michael trug unmögliche enge schwarze Lederhosen! „Und dein Oberteil“, kichert Michael. „Was war mit meinem Oberteil? Ich dachte, ich hätte ziemlich heiß ausgesehen.“ „Hast du auch.“ Michael gibt zu, dass er sich in dieser Nacht einen runtergeholt und dabei an Brian gedacht hat. „Ich auch“, antwortet dieser grinsend. Es sei schon irgendwie armselig, dass sie jetzt schon ihrer wilden Jugend hinterher hängen, meint Michael, aber Brian zuckt mit den Schultern: „Unvermeidlich.“ Sie bestellen Getränke, Michael bittet erst um eine Pepsi... entscheidet sich dann aber für ein Glas Weißwein.

Es ist an der Zeit für die Pressekonferenz! Michael, Ben und Hunter sitzen auf einer Bühne, Journalisten auf Stühlen im Zuschauerraum. Debbie kommt mit Emmett, Kiki und einigen weiteren sehr ungewöhnlich aussehenden Freunden und nimmt die Plätze in der ersten Reihe in Anspruch. Als die Frau von der Human Rights Campaign das sieht, weist sie einen ihrer Mitarbeiter an, Debbie und co nach hinten in den Raum zu stellen, außer Reichweite der Kameras; die erste Reihe ist nämlich reserviert für Paare mit Kindern, genau wie Michael und Ben eines sind. Dann geht es los: Die Frau stellt sich als Kongressabgeordnete vor, verurteilt den Bombenanschlag und verspricht, weiterhin gegen Antrag 14 zu kämpfen. Applaus. Dann wird Michael nach vorne gerufen, der seine Rede vom Blatt abliest: Es sei eine Ehre, hier zu stehen, wenn man bedenkt, dass die Ärzte vor ein paar Woche noch nicht mal wussten, ob er überleben würde. Obwohl es eine furchtbare Nacht gewesen sei würde er jederzeit wieder zum Stoppt-Antrag-14-Benefiz gehen, denn Amerikaner haben alle dieselben Rechte, egal ob sie schwul sind oder nicht! Wieder Applaus. „Die Wahrheit ist: Ich bin genau so wie ihr.“
Aber da schweigt Michael plötzlich. Er denkt nach, die Fernsehkameras zoomen an sein Gesicht heran, als er den Zettel mit der Rede zur Seite legt und sagt: „Tatsächlich ist das nicht die Wahrheit. Klar, in vielen Dingen bin ich genauso wie ihr. Ich will glücklich sein, ich will etwas Sicherheit, ein bisschen zusätzliches Geld in meiner Tasche, aber in vielen Dingen ist mein Leben ganz anders als eures. Warum sollte es auch nicht? Müssen wir alle dasselbe Leben habe um dieselben Rechte zu haben? Ich meine, ich dachte, dass Vielfalt das ist, worum es in diesem Land eigentlich geht. In der schwulen Gesellschaft haben wir Drag Queens und Lederdaddys und Transen und Paare mit Kindern. Jede Farbe des Regenbogens. Meine Mutter steht ganz hinten mit ein paar Freunde. Meinen Freunden. Sie hat mir mal gesagt, dass Leute wie Schneeflocken sind: Jeder speziell und einzigartig und morgens musst du sie vom Gehweg schaufeln. Aber verschieden zu sein ist das, was uns alle zum Gleichen macht. Es ist das, was uns zu Familie macht.“
Wieder klatschen alle. Und Debbie lächelt ihren Sohn stolz an.

Ted steht gerade in der Küche, als es an der Tür klopft. Er öffnet und Tad spaziert herein, mit To-Go-Essen in der Hand, als sei nichts gewesen und redet fröhlich darüber, dass er für ihren Urlaub auf eine Suite geupdatet hat. „Was machst du hier?“, fragt Ted völlig überrascht. Nach der Attacke vom Vortag dachte Ted, er würde Tad nie wieder sehen. „Ach, das. Ich bin eben nur ein bisschen eifersüchtig geworden. Ich habe dir doch gesagt, ich habe ein paar Fehler. Aber doch nur, weil ich dich liebe. Und du liebst mich auch.“ „Ich habe die Person geliebt, die ich kannte.“ Er öffnet die Tür und bittet Tad, zu gehen, aber der stellt sich stur. So einfach könne Ted ihn nicht los werden. „Geh einfach, bevor ich dich rauswerfe“, droht Ted, aber Tad schließt die Tür einfach wieder und fängt an, ihn zu beleidigen: „Ich habe dir vertraut und dich geliebt und du behandelst mich so?! Du bist ein schlechter Mensch!“ „Ich bin kein schlechter Mensch.“ „Doch, das bist—“ „DANN GEH ENDLICH!“ Ted schreit und zwingt Tad mit Gewalt zur Tür hinaus, die er hastig verschließt. Erst schreit Tad draußen vor der Tür, dann fängt er an zu weinen und zu flehen. Aber Ted bleibt stark, auch, wenn ihm die Tränen in die Augen schießen.

Brian und Justin liegen im Bett und Justin berichtet von einem Traum, in dem Brian und er in ihrem neuen Haus – „gegärtnert, gegockt haben?“ Nein, überall gefickt haben. Justin grinst und kriecht unter die Bettdecke, um Brian einen blowjob zu geben, als dieser fragt: „Würdest du nicht lieber kuscheln?“ Justin ist so schnell wieder unter der Decke hervorgeschossen, als leide Brian an einer ansteckenden Krankheit: „Was???“ Der Unglaube und beinahe schon Ekel in Justins Gesicht ist unbeschrieblich. Brian Kinney fickt, bläst, rimmt, rammt, aber er kuschelt nicht! Mit jedem Tag näher an der Hochzeit verschwindet die Person, die ich liebe, mehr und mehr.“ Brian starrt ihn an: „Ich bin hier.“ „Aber das bist nicht du! Sieht aus wie du, fühlt sich an wie du, aber es nicht Brian Kinney. Brian Kinney würde niemals auf seinen Junggesellenabschied gehen und nicht alles ficken was zwei Beine hat. Brian Kinney würde niemals lieber im Garten arbeiten als Sex zu haben!“ „Ich versuche einfach nur, das zu tun, was dich glücklich macht.“ „Aber ich will, dass du das tust, was dich glücklich macht.“ „Und was ist mit dir?“, fragt Brian, Justin setzt sich stöhnend auf die Bettkante. „Warum gehst du nicht nach New York, um die Kunstwelt zu erobern?“ Justin schüttelt den Kopf und kriecht wieder unter die Decke: „Ich will New York nicht.“ „Würdest du es auch nicht wollen, wenn ich nicht hier wäre?“ „Wie kannst du eine rationale Antwort von mir erwarten, wenn die Umstände, die du präsentierst, keinerlei Wurzel in der Realität haben und deswegen völlig irrelevant sind?“ „Beantworte einfach die beschissene Frage!“ „Scheiße Nein!!“, beantwotworted Justin notgedrungen und fällt ins Kissen, wobei es offensichtlich ist, dass das gelogen war. Brian ergreift schließlich Justins Hand und sieht ihn. Sanft sagt er: „Ich will nicht mit jemanden zusammen sein, der sein Leben geopfert hat und es Liebe nannte, nur um mit mir zusammen zu sein.“ Justin fährt mit der Hand über sein Gesicht und lächelt Brian trarig-verzweifelt an. „Ich auch nicht.“ Schweigend tauschen die beiden viel-sagende Blicke aus und rutschen schließlich näher zusammen, Stirn an Stirn liegen sie im Bett, der schmerzhaft-offensichtlich endgültigen Situation nichts mehr hinzufügen müssend.

Debbie serviert Michael, der mit Ben im Diner sitzt, einen riesigen Eisbecher, als Dank dafür, dass er der liebevollste Sohn der Welt sei. Dann bestellen die beiden Hunter zu sich: „Was habe ich denn jetzt schon wieder angestellt?“ „Wir haben dein Zeugnis bekommen.“ „Scheiße.“ Michael lacht: „Du hast alles bestanden, mit 2 und 3!“ Als Belohnung überreichen sie ihm ein Geschenk: Es ist ein Tagebuch, das drei Buchstaben trägt: H. N. B. „Das sind deine Initialen. Zumindest hätten wir das gern.“ Hunter Novotny Bruckner. Michael und Ben lächeln sich an, dann fragt Ben: „Wir wollen gerne, dass du nicht nur unser Pflegesohn bist, sondern unser richtiger Sohn. Wenn du uns gerne als Väter hättest.“ Hunter schaut die beiden Männer an: „Ihr wollt mich adoptieren?“ „Möglichst bald, falls Antrag 14 Erfolg haben sollte.“ Hunter grinst. Er öffnet sein neues Tagebuch, zückt den Stift, den er sonst benutzt, um Bestellungen aufzunehmen und beginnt zu schreiben: „Heute haben mich Ben und Michael gefragt, ob ich ihr Sohn sein will.“ Er schaut auf: „Ich habe ja gesagt.“

Es ist Zeit für das Probeabendessen, das traditionell vor der Hochzeit stattfindet. Lindsay, Melanie, Michael, Ben, Hunter, Emmett, Ted, Jennifer, Debbie, Carl und Daphne haben sich in wunderschönen Kleidern und Anzügen versammelt und unterhalten sich darüber, was man dem Paar schenken könnte. „Justin hat schon alles, was er je wollte“, sagt Daphne, und Carl lächelt Debbie an: „Das kenne ich.“ Da tritt das Bräutigamspaar auch schon ein. Sie sehen beide hervorragend und höchst zufrieden mit sich aus: „Danke, dass ihr heute alle zum Probe-Dinner gekommen seid.“, beginnt Justin. „Wie dem auch sei,“, fährt Brian fort. „Es gibt nichts zu proben. Die Hochzeit ist abgesagt.“ Die Freunde starren sie an wie Aliens.
Irgendjemand fängt an zu lachen, die anderen machen mit, aber Justin beteuert ganz nüchtern: „Nein, nein, das ist kein Witz. Wir haben uns dazu entschlossen, nicht zu heiraten.“ Debbie muss sich erstmal setzen. Und Brian und Justin schauen sich glücklich und liebevoll an.

Brian stellt den kritischen Kunden seinen „rekindle the flame“-Entwurf vor. Sie sind begeistert. Mrs. Dixon sagt sogar: „Genauso, wie ich es mir vorgestellt habe: Intim, warm, liebevoll.“ Brian nickt: „Genau die Gefühle, die ein Frau mit Sex in Verbindung bringt, oder, Cynthia?“ Cynthia muss das Lachen unterdrücken, als sie antwortet: „Manche Frauen zumindest.“ Aber Brian erklärt den Kunden, was das Problem ist: Es werden nicht Frauen diese Tablette für zehn Dollar pro Stück kaufen, sondern Männer. Homo, hetero, Demokraten, Republikaner, spielt überhaupt keine Rolle. Und sie alle werden es tun, weil sie kommen wollen, so oft es geht, so hart es geht, die ganze Nacht lang, wenn das möglich ist. Sie wollen ficken, und nicht mit einer netten Dame vor dem Kamin kuscheln, die aussieht wie ihre Mutter. „Egal, was Ihre persönlichen Gefühle sind“, wirft Mrs. Dixon ein, „wir wollen diese Kampagne.“ „Sie können sie aber nicht haben. Denn trotz dieser konservativen Zeiten dreht sich alles immer noch um Sex. Also schlage ich vor, dass Sie sich woanders umsehen.“ Brian Kinney ist zurück!

Melanie und Lindsay sind fast fertig mit packen, aber Linds hängt dem Haus nach: „Ich sage mir immer, es sind nur ein paar Räume, aber überall wo ich hinblicke sehe ich uns.“ Sie erinnern sich an Gus’ fast-Beschneidung im Wohnzimmer, an den Heiratsantrag am Eingantstor, und daran, wie Melanie auf der Couch saß und Lindsay ihr sagte: „Ich bleibe, bis das Baby geboren ist.“ Zärtlich liebkosen sich ihre Hände als Melanie sagt: „Lass uns noch eine letzte Erinnerung machen.“ Lindsay küsst ihre Frau, lächelnd.

Ted und Emmett sind nun in den Urlaub gefahren. Sie sitzen in der Ski Lodge im Aufenthaltsraum am Kamin. „Ich weiß, es nicht der romantische Ausflug, den du dir vorgestellt hast, aber dein Geburtstag wird trotzdem toll werden!“ Emmett winkt einen der Kellner zu sich, der eine mit 40 (39 + eine Extra) Kerzen bestückte Torte trägt. Überraschung! Ted lacht, aber bevor er die Kerzen auspustet um sich etwas zu wünschen, hält er plötzlich inne. Er sagt Emmett, dass er sich jedes Jahr dasselbe gewünscht hat. Jemanden, der ihn liebt, der ihn ganz machen wird. Aber dieses Jahr wird er sich etwas Anderes wünschen: Nämlich die Weisheit, dass er nicht eine Hälfte ist, die darauf wartet, ganz gemacht zu werden; er kann nicht von anderen erwarten, dass sie ihm das geben, was er sich selbst immer verweigert hat. „Und selbst wenn ich dem Einen niemals begegne... dann würde es mir genauso gut gehen.“
Nur eine Sekunde nachdem er die Kerzen ausgepustet und seinen Wunsch ausgesprochen hat, fragt plötzlich eine Stimme: „Ted?“
Es ist Blake. Er ist mit einem Skiteam hier. Was für ein Zufall! Emmett grinst schon. Ted und Blake stottern sich ein wenig an, Ted fragt Blake, ob er allein hier sei. „Nein.“ „Oh…“ „Ich bin mit elf anderen Männern hier.“ „Jaa, ich fand den Ein-Mann-Sport immer besser.“ „Intensiver?“, fragt Blake wie bei ihrem ersten Treffen. „Erfüllender.“, lächelt Ted. Sie wollen sich schon voneinander verabschieden, da greift Emmett ein: Sie sollten ruhig jetzt gehen und miteinander quatschen, dann könne er den ganzen Kuchen allein aufessen. Aber auch er bleibt nicht lang allein, denn plötzlich spricht ihn jemand an, den er seit Jahren nicht mehr gesehen hat: Einen Mitschüler von der High School, in den Emmett früher verknallt gewesen war! „Aber ich dachte du seist...“ „Dachte ich auch“, gibt der Schulfreund zu und sie gehen gemeinsam auf Emmetts Zimmer.

Ben, Michael, Debbie und Brian stehen in Lindsays und Melanies Einfahrt, vor dem vollbepackten Auto. Ziel: Kanada. Sie umarmen sich alle, verabschieden sich von den Kindern und Lindsay bricht beinah in Tränen aus, als sie Brian auf Wiedersehen sagen muss. „Tut mir Leid. Keine Entschuldigungen.“ „Keine Reue“, antwortet Brian und sie küssen sich auf die Lippen. Debbie schärft den beiden Frauen noch einmal ein, sie müssten an jedem erdenklichen Feiertag zurückkommen, während Brian seinen Sohn auf die Stirn küsst und flüstert, er soll brav sein. Und dann fahren sie auch schon davon, die Straße hinab, bis sie nicht mehr zu sehen sind.

Justin geht langsam durchs Loft, packt die letzten Dinge in seinen Kulturbeutel. Brian schenkt ihnen beiden einen Drink ein: „Wann geht dein Flug?“ „Um zehn.“ Er hat schon eine Wohnung gefunden, Daphne hat einen Freund in NY, aber ein Atelier zu finden wird schwierig sein... anscheinend kostet dort alles ein Vermögen. „Du wirst es schaffen. Wie immer.“ Justin kann es nicht ertragen, wie sie umeinander herumschleichen: „Ich werde zurückkommen. Und du wirst mich besuchen, wir werden uns die ganze Zeit sehen.“ „Das weißt du nicht. Ich auch nicht. Ob wir uns nun nächste Woche sehen, nächsten Monat...“ Brian holt tief Luft und schaut Justin an: „...niemals wieder... spielt keine Rolle. Es ist nur Zeit.“ Justin leert seinen Drink und entdeckt auf dem Wohnzimmertisch die kleine Schatulle mit den Ringen : „Du hast sie nicht zurückgegeben?“ Brian schüttelt den Kopf. Justin betrachtet die Ringe kurz, dann tritt er wieder zu Brian: „Wir brauchen keine Ringe oder Schwüre, um uns zu beweisen, dass wir uns lieben. Das wissen wir schon.“ Brian lächelt bitter: „Du hast es geschafft. Du bist der bestmögliche Homosexuelle geworden.“ Justin lächelt, schließt die Augen. Als würde er versuchen sich zusammenzureisen hält er sie eine kurze Weile geschlossen, nur um sie wieder zu öffnen und Brian anzuschauen, den Tränen nahe. Justins Hände streicheln Brians Arme... dann küssen sie sich mit der Macht der Verzweiflung.
An diesem Abend ficken sie noch einmal, oder machen sie doch Liebe? Begleitet werden sie von einem Lied, „never thought I’d see her go away, she learned I loved her today”, während sie sich nackt auf der Couch küssen, „never thought I’d see her cry and I learned how to love her today”, auf der Couche Sex haben, “never thought I’d rather die than try to keep her by my side.” Sie berühren sich überall, gleichzeitig, “nothing else can hurt us now, no loss, our love’s been hung on a cross”, wie beim ersten Mal, “nothing really matters now we’re gone and on our way”, und schließlich liegen sie wieder im Bett, Brian über Justin, Brian dessen Gesicht streichelnd, “she cuts my skin and bruises my lips, she’s everything to me”, seine Finger in den blonden Haaren vergrabend, “she tears my clothes and burns my eyes, she’s all I want to see”, und versteckt sein Gesicht in Justins Nacken, “she brings the cold and scars my soul, she’s heaven sent to me”, der beide Arme um Brian schließt. So liegen sie dort, bis Justin schließlich nicht mehr da ist: „Now she’s gone and love burns inside me.“

Brian sitzt im Loft. Raucht im Bett, arbeitet am Computer, aber ist vor allem eines: einsam. Michael kommt da gerade richtig, auch wenn Brian ihn fragt, was er so spät noch draußen macht. „Es ist gerade mal Mitternacht. In den guten, alten Zeiten wären wir gerade auf dem Weg ins Babylon.“ Er wirft ihm dem sehr widerwilligen Brian seine Lederjacke zu und zerrt ihn genau dort hin. Doch Babylon ist nach wie vor ein Trümmerhaufen. „Was hast du erwartet? thumpa thumpa?“, fragt Brian nüchtern. Er hat den Club aufgegeben. Doch hier waren sie nach ihrem Abschlussball, hier bekam Brian seinen ersten Blowjob im Backroom. „Das ist es, was uns gemacht hat!“, wirft Michael ein. Brian schaut ihn an: „Du hast doch gesagt, dass das hier drinnen alles eine Illusion ist. Dass die Welt sich draußen ändert während im Babylon alles wie immer bleibt.“ „Da wusste ich noch nicht, dass manche Dinge sich nicht ändern sollten.“ Er klettert auf eines der Gogo-Podeste: „Lass uns tanzen.“ „Das musst du allein tun, Mikey. Dafür bin ch zu—“, sagt Brian und dreht sich um. „Alt?“, ruft Michael und Brian bleibt stehen. „Du wirst immer jung sein, und du wirst immer wunderschön sein! Du bist Brian Kinney verdammt noch mal!“ Also klettert Brian zu seinem Freund aufs Podest, und sie beginnen, zu tanzen. „Welches Lied hören wir?“, fragt Brian. „Na, unseres“, antwortet sein bester Freund, und ein Technoremix von Proud beginnt zu spielen, immer lauter und lauter, dann beginnen auch die Lichter wieder zu blitzen.
Farben rasen über den Bildschirm, Brians und Michael Kleidung ändert sich, das Babylon ist wieder aufgebaut, überall tanzen heiße Typen und schließlich tanzen Brian und Michael über allen anderen auf dem Podest, die Arme umeinander, der Glitzerregen auf sie herabfallend ! Ben steht an der Bar und lächelt Michael zu. Ted und Blake lachen ausgelassen, während sie sich im Arm halten. Emmett tanzt wie eine Königin, neben ihm sein alter Schulfreund? Michael legt auf dem Tanzpodest eine Hand auf Brians Wange und küsst ihn, bevor er ihn allein lässt. Brian tanzt, der König seines Reiches, während Michael uns verabschiedet:
„Und so geht das thumpa thumpa weiter, und das wird es auch immer tun. Ganz egal, wer Präsident ist. So wie unsere Discolady, die göttliche Gloria Gaynor, immer gesungen hat: We will survive.“

“I’m on my way
Can’t stop me no
And you can do the same!
What have you done today to make you feel proud?”
(Heather Small – Proud, Endlied)



Ende von Queer as Folk.

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Text & Screencaps © QaF Germany
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