Michael und Justin sind im Babylon. Erst vor wenigen Wochen wurde Captain Astro, Michaels Kindheitscomicheld, von seinen homophoben Verlegern getötet, denn er wirkte offenbar zu schwul. Sie haben einen Stift und sie haben die Rückseite eines abgelösten Bierflaschen-Etiketts - und außerdem sind sie ziemlich betrunken. Das kann ja nicht gut enden!

Am nächsten Morgen, als er mit fürchterlichen Kopfschmerzen aufwacht, hat Michael die Offenbarung: Er und Justin können ihren eigenen schwulen Comic machen! Erst ist Justin nicht begeistert von der Idee, doch er lässt sich von dem Enthusiasmus seines Freundes anstecken. Sie treffen sich im Loft, um dort die ersten Schritte zu tun. Wer soll ihr Superheld sein? Was soll er für Fähigkeiten haben? Was sind seine Aufgaben?
Nach Stunden des Überlegens erreichen sie die frustrierende Erkenntnis, dass es jede Art von Superkraft schon gab: Jemanden, der unter Wasser atmen kann, jemanden der Laser aus seinen Augen schießen kann, jemanden, der Fliegen kann, jemanden, der von einer radioaktiven Spinne gebissen wurde... Justin möchte schon aufgeben, doch Michael bleibt hartnäckig. Es muss doch etwas geben! Die beiden schauen sich im Loft um... und ihr Blick landet auf Brian, der gerade auf seinem Laufband trainiert. Der Groschen fällt. Sie erschaffen einen Superhelden, dessen Kraft sein kompromissloser Moralkodex, sein Verstand und seine Ausstrahlung ist. Mithilfe seines Willens kann er jeden anderen dazu bringen, genau das zu tun, was er will, und sein Name lautet ––

––mist. Wie lautet denn eigentlich sein Name? Glücklicherweise bekommt Brian gerade da auf seinem Laufband einen Wutanfall, weil sein CD-Player nicht funktioniert, und zerschmettert das unnütze Teil auf dem Boden.
RAGE ist geboren!

Mit diesem Comic über einen schwulen, out–and–proud Superhelden erschaffen Michael und Justin ein Vorbild und eine Hoffnung für Jeden in der schwulen Community. Sie verarbeiten damit ihre Vergangenheit (zum Beispiel Justins Abschlussball), aktuelle Geschehnisse (so etwa Stockwells drohende Zerstörung der Liberty Avenue), ihre Wünsche und Hoffnungen (freut Euch auf die fünfte Staffel) und verdienen nebenbei auch noch Geld und Ruhm (viel Spaß bei der vierten Staffel). Die RAGE: Gay Crusader Comics stehen unter einem Motto: art imitating life (Kunst, die das Leben nachahmt). RAGEs Gayopolis ist ein Spiegelbild der Liberty Avenue, und auch die Charaktere in dem Comic stammen aus der Realität:

JT, der junge Mann, den Zephyr und Rage in der ersten Ausgabe vor den Männern mit den Baseballschlägern retten, entspricht Justin Taylor.
Zephyr, Rages bester Freund, der ihm immer helfend und zuverlässig zur Seite steht (und sich immer RAGEs Sticheleien gefallen lässt), ist Michael.
Rage ist, wie schon erwähnt, Michaels und Justins ganz persönlicher Held: Brian Kinney.

Im Verlauf des Comics stoßen noch mehr solcher Parallelcharaktere hinzu, zum Beispiel der Jekyll & Hyde-Charakter, der Ben darstellen soll, während dieser Steroide nimmt, oder Stockwells Pendant, den Schweine-Bösewicht.

Das vorerst zarte Band der Freundschaft, dass sich durch diesen kreativen Prozess zwischen Michael und Justin bildet, ist zwar zerbrechlich, aber kann auch noch stärker werden. Wohin wird RAGE: Gay Crusader Brians Geliebten und Brians besten Freund wohl noch bringen...? Der Comic ist erfolgreich, nicht zuletzt dank Brians Werbung, und nachdem nun auch die zweite Ausgabe erschienen ist sieht doch alles ganz nett und schön aus, oder? Aber vielleicht wird es ja noch netter und noch schöner!