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Scott Lowell: face-to-face


“Everything we do – even the clothes we wear – is a conscious or, worse yet, unconscious attempt to get laid.”

Das Schwierige an einem Charakter wie Ted ist, dass er ein Typ ist, der – mehr als jeder andere – immer nach etwas sucht. Jeder andere scheint in der Lage dazu zu sein, seinen Weg zu finden oder wenigstens in etwa zu wissen, wohin er geht. Wenn man so eine Art von Charakter ist, insbesondere im dramatischen Fernsehen, wird man niemals all das bekommen, was man will, weil die Geschichte dann vorbei wäre. Das ist etwas, womit ich Frieden schließen musste, weil es sehr schwierig sein kann.
Der komplizierte Teil ist die anfängliche Verbindung, die ich zu Ted hatte und immer noch habe. Ich liebe den Mann wirklich und manchmal ist es ziemlich schwierig für mich, mir die Serie anzuschauen. Ich habe ihn und mich gründlich genug voneinander getrennt, dass ich sie schauen kann, und dann ich fühle mich so schlecht für ihn, und das macht mich wirklich traurig. Er ist jemand, der sein Herz auf der Stirn trägt, deswegen wird es oft schlecht behandelt werden. Der Trick bei Ted ist, dass du ihn gerne glücklich sehen würdest, aber es dir auch eine gewisse Zufriedenheit gibt, ihn beim Versagen zu beobachten.

“I saw you… fucking. When I woke up. And I thought, ‘I’m in hell and this is my punishment… watching Brian Kinney fucking for all eternity.’ ”

Trotz der sexuellen Natur der Serie denke ich, dass das revolutionärste an ihr ist, dass Queer as Folk Charaktere zeigt – gleichgültig ob homo oder hetero – die komplett dreidimensionale und sexuelle Personen sind, was meiner Meinung nach auch die größten Auswirkungen haben wird. Was mir an der Serie Angst machte war, dass wer wir sexuell sind sehr viel davon ausmacht, wer wir als Mensch sind. Wenn man wirklich will, dass die Leute diese Charaktere sehen, sie verstehen, dann musstest du sehen wie sie sind.
Es traf mich als wir die Pilotfolgen endlich sahen, als wir gerade die siebte Folge der ersten Staffel drehten. Als ich die erste Szene mit Brian und Justin sah, hatte ich genau dieselbe Reaktion wie jeder andere, der die Serie schaute. Es war schockierend. Es war heiß. Es war unglaublich. Aber es machte wirklich ‚klick’ in meinem Kopf in diesem Moment und ich verstand es. Dann sieht man, wo diese Obsession beginnt. Ohne das, glaube ich, dass es nicht so stark wäre. Und das gilt für alle Charaktere.
Ted mag seine Pornos, und das sagt eine Menge darüber aus, wer er ist. Ein Typ, der einen großen Teil seiner Zeit damit verbringt, sich bei der Selbstbefriedigung Zuhause sicherer zu fühlen – das sagt viel. Wenn man das nicht sieht, wird man nicht erkennen, wie traurig das wirklich ist.

“Look, let’s not pretend there’s not a moose in the middle of the room. I know you’re using again.”

Ich fand die Blake-Storyline wundervoll. Im Endeffekt war sie außerdem sehr persönlich. Ich durchlief eine Phase in meinem Leben, in der verletzte Vögel mich anzogen, so als könnte ich diese Person einfach reparieren, sodass sie am Ende mir gehört. Und diese Sache funktioniert einfach nie. Als diese Storyline also begann und Blake auf diese Art und Weise wieder in Teds Leben trat, berühret mich das tief und ich wusste einfach, was getan werden musste und was ich zeigen wollte.

“Any other night I’d go home, log on to cumqick.com, and get it over with. But no, it’s Pride. You actually want to experience some of this ‘sexual freedom’ we supposedly fought so hard for.”

Die Mehrzahl der Reaktionen war positiv und erstaunend. Wir erhielten wunderbare Briefe von Leuten aus Staaten wie Nebraska, die schrieben: „Ich kenne keine anderen Schwulen hier, aber jetzt fühle ich mich so, als hätte ich eine Familie.“ Und das ist unglaublich, und wundervoll. Die Sache an TV-Serien ist die, dass man einmal die Woche in die Häuser der Leute kommt, was ein seltsames Band schafft, welches dafür sorgt, dass sie denken, sie würden dich kennen, also erzählen sie direkt sehr viel von sich selbst. Sie haben mich nackt gesehen, also denken sie, dass sie alles sagen können. Aber deswegen hörst du die schönsten Geschichten von Leuten, die sich wegen der Serie outen oder denken, dass sie sich wegen ihr outen könnten. Diese Geschichten sind ehrlich das, was mich nie wieder loslassen wird.
Beinah jeder einzelne kommt auf dich zu und dankt dir dafür, dass du die Serie machst, anstatt einfach nur zu sagen: „Es ist eine tolle Serie, ich liebe diese Serie.“ Sie danken dir dafür, dass du sie machst, und ich glaube nicht, dass das bei einer anderen Serie auch so ist. Ich denke, dass das der Grund ist, warum ich so glücklich bin, ein Teil dieses ganzen Projektes zu sein.


Dieses Interview ist eine freie Übersetzung
mit keinem Anspruch auf Gültigkeit
aus queer as folk - the official book.
Text © QaF Germany